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Darmstadt Fluglärm soll verlagert werden

Erstmals können Bürger in Südhessen bei der Verlegung einer Flugroute mitreden: 30 zufällig ausgewählte Personen aus betroffenen Gebieten dürfen mitberaten.

Flugroute
Die geplante Verlegung im Diagramm.

Mit einem bislang bundesweit einmaligen Verfahren startet am Montag offiziell die Konsultation zur Verschiebung der Abflugroute Amtix-kurz im Norden von Darmstadt. Dabei geht es um die Frage, wie man Fluglärm sinnvoll verteilen kann. Ziel ist, dicht besiedelte Gebiete zu entlasten, indem man Routen über weniger dicht besiedelte Gebiete verlegt. Es ist die erste systematische Einbeziehung von Bürgern bei „einer lärmverlagernden oder lärmverteilenden Maßnahme“, wie Anja Wollert, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fluglärmkommissionen und der Kommission zur Abwehr des Fluglärms (Flughafen Frankfurt am Main), sagt. Ein Einbeziehen der Bürger sei gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Bei drei Infoveranstaltungen in Erzhausen, Darmstadt und Weiterstadt sollen die Bürger informiert werden. Zudem können sie über eine Internetplattform Anregungen geben oder Fragen stellen. Auch werden 30 zufällig ausgewählte Bürger aus den betroffenen Gebieten in die Beratungen mit den Experten einbezogen. Im Schnitt hebt über die Startbahn-West Richtung Amtix-kurz derzeit alle sechs Minuten ein Flugzeug ab. Mit Fertigstellung des Terminal 3 wird eine Steigerung von 13 Prozent erwartet. Nach Prüfung verschiedener Varianten hat die Expertengruppe der Forums Flughafen und Region (FFR) Variante vier empfohlen, die eine deutliche Entlastung für die Bürger in den Darmstädter Stadtteilen Kranichstein und Arheilgen bedeuten würde. Allerdings würden der Stadtteil Wixhausen und die Gemeinde Erzhausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) stärker belastet werden, weil sich der Lärmpegel des Bereichs von 50 bis 60 Dezibel verschiebt.

In Kranichstein wären statt derzeit 4900 Personen, die sich statistisch gesehen hoch belästigt fühlen, nur noch einhundert betroffen. In Erzhausen hingegen würde die Zahl von null auf 500 Personen steigen, in Wixhausen um 200 steigen, in Weiterstadt etwa gleich bleiben. Für das sehr stark unter Fluglärm leidende Mörfelden-Waldorf würde die Zahl der Hochbelästigten von 3700 auf 3500 sinken. Auch in der Nacht verschieben sich die Belastungen entsprechend.

Kein Wunder, dass in den jeweiligen Gebieten bereits mehrere Tausend Unterschriften sowohl für die Verlegung als auch dagegen gesammelt wurden. „Variante vier hat das ausgewogenste Ergebnis zwischen Be- und Entlastung“, sagt Olaf Glitsch, Leiter der Arbeitsgruppe Operatives Umweltmanagement des FFR. Zudem müsse man nicht nur den Kapazitätsanforderungen des Flughafens gerecht werden, sondern auch darauf achten, dass die neue Route mit der konventionellen – also von allen Flugzeugen genutzten – Navigation fliegbar sei.

Es ist zwar das erste Mal, dass die Bevölkerung bei einer solchen Maßnahme einbezogen wird, „aber es ist kein Beteiligungsverfahren, bei dem am Schluss abgestimmt wird“, räumt Christoph Ewen vom moderierenden Projektbüro aus Darmstadt ein. Wenn etwas übersehen worden sei, könne man es noch einmal prüfen. Der Experte für solche Dialogverfahren erwartet keinen Konsens. Am Schluss werde eine Dokumentation der unterschiedlichen Meinungen stehen.

Ziel des Verfahrens ist es, Transparenz herzustellen. Die Ergebnisse werden in die endgültige Entscheidung von FFR und Fluglärmkommission einfließen, so Wallert. Falls sich die Gremien für eine Empfehlung zur Routenverlegung entscheiden, müsse das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung der Maßnahme zustimmen und sie mit der Deutschen Flugsicherung umsetzen. Ab Ende 2019 könnte dann der Probebetrieb beginnen.

Zwei weitere Konsultationsverfahren sind geplant: einmal für eine Entlastung von Hanau, Mainz und Offenbach sowie eine Verlagerung von Flugzeugen auf die Route 07-Ost, um Anwohner in Frankfurt und Offenbach zu entlasten.

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