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Bannwald Rückschlag für den Bannwald

Das Verwaltungsgericht Darmstadt lehnt den Einspruch gegen die Rodung am Langener Waldsee ab. Damit geht der Streit um den Bannwald in die nächste Runde.

Das Verwaltungsgericht Darmstadt hat keine Einwände gegen das Roden des Bannwaldes.

Das Verwaltungsgericht Darmstadt hat den Weg für eine Erweiterung des Langener Waldsees freigemacht – damit beginnt ein neues Kapitel im Ringen zwischen dem Langener Baustoffwerk Sehring und dem Regierungspräsidium Darmstadt auf der einen und Umweltschützern auf der anderen Seite. Sehring will hier auch in den kommenden Jahren Sand und Kies fördern, Naturschützer hingegen den Bannwald im Südosten der Kiesgrube erhalten.

Das Verwaltungsgericht begründete am Montag seine Entscheidung vom Freitagnachmittag: Das Vorhaben leiste „einen wesentlichen Beitrag zur Rohstoffversorgung des Rhein-Main-Gebiets“, schreibt Richter Jürgen Gasper, der Pressesprecher. „Entsprechende Rohstoffmengen von außerhalb der Region einzuführen, wäre mit erheblichen Umweltbelastungen und einem entsprechenden Kostenaufwand verbunden.“ Es sei die Rede von bis zu einer Million Tonnen Sand und Kies im Jahr, die Sehring hier abbauen wolle. Eingriffe in den Naturhaushalt seien hierfür nicht vermeidbar. Die Beeinträchtigung gefährdeter Fledermausarten wie des Großen Abendseglers und des Kleinabendseglers seien „nicht hinreichend wahrscheinlich“, da entsprechende Schutzmaßnahmen wie Baumkontrollen vorgesehen seien.

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts sei am Freitag um 16.40 Uhr bei der Rechtsanwältin des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der gegen die Rodung des eigentlich streng geschützten Waldes klagt, per Fax eingegangen, berichtete Thomas Norgall, stellvertretender Geschäftsführer der Umweltschutz-Organisation gestern.

Bereits um 19 Uhr habe der BUND die Beschwerde gegen den Beschluss beim VGH Kassel eingereicht. „Das hat keine aufschiebende Wirkung“, sagt Norgall, „aber es ist üblich, dass sich die Richter mit dem Antragsteller in Verbindung setzen. Die Gerichte sind da völlig frei.“

Suche nach formalen Fehlern

In den kommenden Tagen werde der BUND den nicht öffentlichen Gerichtsbeschluss genau auswerten, um seinen neuen Antrag detailliert zu begründen. Dabei geht es um mögliche formale Fehler der ersten Instanz, nicht um neue Argumente. "Wir sind mitten im Wettrennen", sagt Norgall.
Die Ablehnung der Darmstädter Richter sei allerdings "eine bittere Enttäuschung", doch der BUND habe schnell gehandelt. „Die Erfahrung vom Dezember sitzt uns noch in den Knochen."

Am 9. Dezember 2013 hatte das RP dem Baustoffwerk Sehring den Sofortvollzug von Fällarbeiten auf 7,5 von insgesamt 63,7 Hektar genehmigt. Umweltschützer sprachen damals von einer "Überrumpelungsstrategie des Regierungspräsidiums und der Firma Sehring", weil die Behörde die Genehmigung am Montag kurz nach 8 Uhr erteilte und die Firma sofort mit dem Roden begann. Als das Gericht sich bei Sehring und dem RP meldete, wurden die Arbeiten eingestellt.

Die Umweltrelevanz des Vorhabens ist nach Auffassung des RP im Planfeststellungsverfahren umfassend geprüft worden. Auch die Stadt Langen unterstützt Sehring. Die neue schwarz-grüne Landesregierung hat sich zwar einen besseren Schutz des Bannwaldes in den Koalitionsvertrag geschrieben, bestehende Genehmigungen sind davon aber nicht betroffen.

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