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Anflugrouten Rhein-Main Unmut in Frankfurt wird lauter

Die Bewohner der nördlichen Frankfurter Stadtteile sind massiv verärgert. Obwohl weit weg vom Flughafen, kriegen sie seit der Umstellung der Routen reichlich Lärm ab - und die Stadtteilpolitiker vor Ort jetzt als erste den Zorn darüber.

Fluglärm stört immer mehr Menschen. Foto: FR/ Oliver Weinert

Die Bewohner der nördlichen Frankfurter Stadtteile sind massiv verärgert. Obwohl weit weg vom Flughafen, kriegen sie seit der Umstellung der Routen reichlich Lärm ab - und die Stadtteilpolitiker vor Ort jetzt als erste den Zorn darüber.

Rein wettertechnisch hatte der Frankfurter Norden in diesem Jahr keinen Grund sich zu beschweren. Sonnenschein, frühsommerliche Temperaturen und ein strahlend blauer Himmel. Für den Einwohner Berkersheims, der am Montagabend im Ortsbeirat des benachbarten Stadtteils Harheim das Wort an sich reißt, war das lange Wochenende „eine einzige Katastrophe“. Denn Sommerwetter und arbeitsfreie Tage seien angesichts des Fluglärms über seinem Stadtteil kaum zu genießen gewesen.

Eine Klage, die der Harheimer Ortsvorsteher Helmut Seuffert (Grüne) dieser Tage nicht zum ersten Mal hört. Seit der am 10. März vorgenommenen Anpassung der An- und Abflugrouten für den Frankfurter Flughafen häufen sich bei ihm die Beschwerden: „Es sind inzwischen schon gut ein Dutzend.“ Und auch in anderen Stadtteilen nördlich des Alleenrings wächst der Ärger.

Es ist vor allem die nördliche Gegenanflugroute, die insbesondere den Einwohnern von Berkersheim, Harheim und dem Frankfurter Berg zu schaffen macht. Flugzeuge, die aus Osten oder dem Nordwesten kommend in Rhein-Main landen wollen, müssen einen großen Bogen fliegen, der sie in westlicher Richtung bis tief nach Rheinland-Pfalz führt, ehe sie zum Endanflug einschwenken.

Flughöhe teils unter drei Kilometer

Dabei überfliegen sie bei Ostwetterlage auf einer vorgegebenen Route das Frankfurter Stadtgebiet von Nordosten nach Südwesten, bei Westwetterlage in umgekehrter Richtung, um beim Landen den Gegenwind nutzen zu können. Teilweise unterschreiten die Maschinen dabei eine Flughöhe von drei Kilometern.

Neu ist dieses Vorgehen nicht. Bereits vor dem 10. März verlief eine ähnliche Route über dem Frankfurter Norden. Allerdings wurde diese im Zuge der Neuausrichtung um 2,7 Kilometer weiter nach Norden verschoben, womit sie nunmehr direkt über den Ortskernen von Berkersheim und Frankfurter Berg liegt. Eine Anpassung, die sich durch die Verschiebung der Endanfluglinie ergeben habe, erklärt Ute Otterbein, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung: „Zwischen dieser und der Gegenanfluglinie müssen aus Sicherheitsgründen mindesten fünf nautische Meilen liegen.“ Eine ähnliche Anpassung sei auch im Luftraum südlich von Frankfurt vorgenommen worden.

Die Neuausrichtung der Flugrouten war im Rahmen der Vorbereitungen für die Inbetriebnahme der neuen Nordwest-Landebahn notwendig geworden, die im Herbst 2011 in Betrieb genommen werden soll. „Da sind natürlich jetzt neue Betroffenheiten entstanden“, erkennt Otterbein. Entsprechende Beschwerden lägen nicht nur aus dem Frankfurter Norden, sondern auch aus südlichen Nachbargemeinden, dem Rheingau und Rheinland-Pfalz vor.

Mehr Beschwerden bei gutem Wetter

Auffällig sei, das besonders viele Beschwerden eintreffen, wenn nach einem Wechsel der Wetterlage auch die Betriebsrichtung sich ändert. „Bei gutem Wetter ist der Fluglärm besonders auffällig“, glaubt Otterbein.

In den Stadtteilen formiert sich derweil der Protest. Politiker und Bürgerinitiativen fürchten, dass nach Eröffnung der Nordwestbahn noch höhere Belastungen auf Frankfurts Norden zukommen könnten. Der Harheimer Ortsbeirat fordert inzwischen vom Magistrat Auskunft über die Auswirkungen der Flugroutenverschiebung. Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) und die Flugsicherung sollen in eine der nächsten Sitzungen eingeladen werden.

Einen Schritt weiter könnte der Ortsbeirat 10, unter anderem zuständig für Berkersheim und Frankfurter Berg, gehen. Dort fordert die FDP gleich eine öffentliche Anhörung zum Thema. Zumindest beim Umweltdezernat zeigt man sich da gesprächsbereit: „Wenn die Bürger da Informationsbedarf haben, stehen wir gerne zur Verfügung“, versichert Wendelin Friedel, Referent der Umweltdezernentin.

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