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83. Montagsdemo am Flughafen Enttäuscht von Schwarz-Grün

1400 Menschen kommen zur 83. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen - der letzten im Jahr 2013. Von den Vereinbarungen der neuen schwarz-grünen Koalition halten sie wenig bis nichts.

Bouwazir? Nein Danke! Die Frau hat eine klare Meinung zu Schwarz-Grün. Foto: Christoph Boeckheler

Thomas Ollig aus Sachsenhausen hat ein neues Plakat kreiert: „Schöne Bescherung“, steht darauf. „Grüne Soße mit Kerosin serviert.“ Auch andere haben auf das Ergebnis der schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen reagiert: „Hessen vor! Wirbelschleppen jetzt 100-prozentig Öko“ hat Michael Burkard auf seinen laminierten DIN-A4-Zettel gedruckt. Er sei enttäuscht von den Grünen, sagt der Niederräder, der so gut wie keine Montagsdemonstration auslässt. „Ich habe meine Stimme verschenkt.“ Und eine Gruppe skandiert nicht nur das übliche „Bouffier muss weg.“ Es ist auch „Al-Wazir muss weg“ zu hören.

Es ist die letzte Montagsdemo der Flughafenausbaugegner in diesem Jahr, und mit rund 1400 Menschen ist sie eine beeindruckende. Rechts vor der Rednerkanzel steht ein kleines Orchester mit Flöten, Geigen, Gitarren, Trommeln. Einen Trompeter gibt es auch und einen Engel. Zum 83. Mal hat das Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) die Versammlung in Terminal 2 organisiert. Es ist die dritte Weihnachtsdemo. Diesmal geht es nach der Begrüßung ins Freie. Wenig später zieht sich eine lange Menschenkette durch den gesamten Abflugbereich. Die Menschen halten Grablichter in den Händen.

Grüner Abgeordnete stellt sich

Als sie wieder hereinströmen, steht Frank Kaufmann in der Halle. Der Grünen-Landtagsabgeordnete tut, was er in den vergangenen zwei Jahren häufiger getan hat: Er demonstriert für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Und diskutiert mit Teilnehmern. Darüber, dass es im Land nun mal keine politische Mehrheit für ihre Forderungen gebe. Dass er sich auch mehr Lärmschutz wünsche. „Ich finde es schade, dass die Menschen enttäuscht sind“, sagt er der FR. Aber es sei nicht richtig, dass mit den Grünen jetzt jene zum Feindbild erklärt würden, die den Lärmgegnern am nahesten stünden.

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Die Hauptrednerin des Tages, Pfarrerin Silke Alves-Christe von der Evangelisch-lutherischen Dreikönigsgemeinde in Sachsenhausen, fordert die Menge auf, nicht lockerzulassen. Zum dritten Mal müssten die Menschen hier die Adventszeit „unter dieser quälenden Überflugbelastung“ feiern. Anders als sie könnten die Verantwortlichen wie Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Fraport-Chef Stefan Schulte oder Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) an den Festtagen ausschlafen. Die Pfarrerin versichert, dass die Proteste weitergehen werden. „Wir kämpfen unerbittlich und werden auch im dritten Jahr nach Eröffnung der Landebahn nicht nachlassen.“

Nur Unverbindliches zum Terminal 3

Auch der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen ist enttäuscht über den Koalitionskompromiss. Nötig sei ein rechtsverbindliches neues Lärmschutzkonzept, lässt Vorstandssprecher Thomas Rahner verlauten: „Es wird lauter, nicht leiser! Der schwarz-grüne Lärmdeckel wird am aktuellen Lärm nichts ändern. Er wird nur die Lärmzunahme deckeln.“ Positiv bewerte man die Verlängerung der Nachtruhe und dass aktiver Schallschutz gegenüber dem passiven Priorität genießen soll. „Deutlich zu unverbindlich“ sei hingegen das Ergebnis zum Bau des Terminals 3.

Ursula Fechter von der Bürgerinitiative Sachsenhausen (BiS) lässt kein gutes Haar an der Koalitionsvereinbarung. Aufhorchen lasse lediglich die Aussage von CDU-Generalsekretär Peter Beuth, man werde sich die Änderung der Betriebsgenehmigung vorbehalten. „Der in Stein gemeißelte Planfeststellungsbeschluss, der zwar noch nicht rechtskräftig ist, an dem man aber angeblich nichts mehr ändern kann, kann wohl doch noch einmal aufgemacht werden.“

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