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Flughafen Frankfurt Gemeinsamer Kampf gegen Fluglärm

Der Main-Kinzig-Kreis sowie die Kommunen Hanau, Maintal und Neu-Isenburg wollen die Belastung durch den Frankfurter Flughafen in den Randzeiten reduzieren.

Nachdem die Flughöhen reduziert worden sind, häufen sich beim Main-Kinzig-Kreis die Beschwerden über Fluglärm. Foto: Renate Hoyer

Sie wollen zusammen für mehr Ruhe kämpfen. Deshalb bringen der Main-Kinzig-Kreis, Hanau, Maintal und Neu-Isenburg einen gemeinsamen Antrag in die Fluglärmkommission ein. Darin fordern sie das hessische Verkehrsministerium auf, intensiv zu prüfen, ob sich Flüge aus dem nächtlichen Zeitraum herausnehmen oder verschieben lassen. Dazu soll das Ministerium mit den Fluggesellschaften verhandeln.

Die Städte und der Main-Kinzig-Kreis zielen dabei auf die Randzeiten zwischen 22 und 23 Uhr und vor allem zwischen 5 und 6 Uhr ab. Und sie untermauern ihre Forderung mit einer von ihnen in Auftrag gegebenen Untersuchung des Deutschen Fluglärmdienstes (DFLD): Demnach handelt es sich bei etwa 25 Prozent der morgendlichen Anflüge (2 bis 6 Uhr) auf den Frankfurter Flughafen um Frachtflüge (18,3 Prozent), Touristenflüge (6,3 Prozent) sowie Kurzstreckenflüge (2,1 Prozent). Für den Hanauer Verkehrs- und Umweltdezernenten Andreas Kowol (Grüne) zeigt diese Statistik, dass es sich bei einem großen Teil der Flugbewegungen in den Randstunden weder um „systemrelevante“ noch um „zeitsensible“ Flüge handele. Wenn sie verschoben würden, würde dies die Funktion des Flughafens und der Fluggesellschaften nicht stören, so Kowol. Etwas anders sei dies bei den langen, für die Lufthansa wichtigen Interkontinentalflügen. Aber auch diese sollten einzeln bewertet werden.

Kowols Maintaler Kollege Ralf Sachtleber (parteilos), die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD) und Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) interpretieren die Zahlen genauso. In Bezug auf die Frachtflüge fragt Simmler etwa: „Muss der Banker in Frankfurt die Zeitung aus London schon frühmorgens auf dem Tisch haben?“

Viele Frachtflüge am Morgen

Bei der Studie des DFLD wurden den Angaben zufolge von Ende April bis Ende September vergangenen Jahres 4222 Anflüge in den frühen Morgenstunden ausgewertet. Flüge, deren Art sich nicht eindeutig klären ließ, wurden nicht gezählt. Unter den morgendlichen Abflügen liegt der Anteil der Touristenflüge bei 90 Prozent – auch hier müsse hinterfragt werden, ob Flüge zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden könnten.

Die Allianz wird in der Sitzung der Fluglärmkommission am 28. September zudem beantragen, dass der Flughafenkoordinator bei der Vergabe der Slots – der Zeitfenster für Starts und Landungen – seinen Ermessensspielraum stärker dazu nutzen soll, den Lärm zu reduzieren.

Auf dem Klageweg war es nicht gelungen, mehr Ruhe durchzusetzen. Nun soll dies mit Hilfe von Anträgen geschehen, nach „erfolglosen Versuchen, immer mehr Lärm einfach nur anders zu verteilen“, sagt Simmler und fügt hinzu: „Die sogenannten Lärmpausen haben nie ihrem Namen Ehre gemacht.“ Sie betont, dass sie und ihre Mitstreiter den konstruktiven Dialog mit dem Flughafenbetreiber Fraport, den Fluggesellschaften und dem Land suchen. „Wir stellen nicht die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens infrage, wir wollen die Lebensqualität der Menschen wieder erhöhen“, sagt Sachtleber.

Maintal, besonders der Stadtteil Bischofsheim, ist auch vom Lärm bei Abflügen betroffen. Simmler beobachtet, dass beim Kreis vermehrt Beschwerden über Fluglärm eingehen. Belastend und gesundheitsschädlich sind laut Andreas Kowol vor allem die Bewegungen zwischen 5 und 6 Uhr, wenn der Schlaf nicht mehr so tief ist. Von einem echten Nachtflugverbot könne bisher keine Rede sein. Wenn ein Flieger um 5 Uhr in Frankfurt lande, werde „etwa 15 bis 20 Minuten vorher das Kinzigtal verlärmt“.

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