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Flüchtlinge Sozialhilfe statt Integration

Eine Lücke in der Förderung macht jungen Flüchtlingen in Hessen die Entscheidung für eine Berufsausbildung schwer.

Asylbewerber
Asylbewerber, die eine Ausbildung beginnen, fallen häufig aus der Förderung heraus. Foto: Winfried Rothermel (epd)

Flüchtlinge in Ausbildung zu bringen, ist erklärtes Ziel der hessischen Landespolitik. Fördert es doch zum einen die Integration und kann zum anderen dem Fachkräftemangel abhelfen. Und doch können viele Geflüchtete keine Ausbildung absolvieren – weil sie in eine „Förderungslücke“ fallen, wie es der Paritätische Wohlfahrtsverband nennt.

Die Sache ist nicht ganz unkompliziert. Menschen, die sich noch im Asylverfahren befinden, können kein Bafög erhalten. Die Alternative dazu, die Berufsausbildungshilfe, gibt es aber ausschließlich für Geflüchtete aus Iran, Irak, Syrien, Eritrea und Somalia. Asylbewerber, die nicht aus einem dieser fünf Länder stammen, erhalten also keine Unterstützung. Nach 15 Monaten Aufenthalt gibt es auch keine Sozialleistungen mehr, wenn eine Ausbildung aufgenommen wurde. Es sei denn, die Sozialämter würden auf einen Härtefall erkennen, was aber in deren Ermessen liegt.

Vergütung in etwa so hoch wie die Miete

„Es ist widersinnig, Flüchtlinge einerseits dazu aufzufordern, sich über Arbeit und Ausbildung schnell zu integrieren, ihnen andererseits aber nur dann ein Auskommen zu ermöglichen, wenn sie in der Sozialhilfe bleiben, statt eine Ausbildung zu beginnen“, kritisiert Lea Rosenberg vom Paritätischen.

Einer der Betroffenen ist Amar (Name geändert) aus Afghanistan. Seine geplante Ausbildung zum Dachdecker, die in diesen Tagen beginnen soll, steht nach Angaben des Mittelhessischen Bildungsverbands auf der Kippe. Seine Ausbildungsvergütung wäre in etwa so hoch wie die Miete, die er zu zahlen hat. Ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung bliebe zum Leben kaum etwas übrig.

Der Wohlfahrtsverband, der Mittelhessische Bildungsverband sowie der Flüchtlingsrat fordern die Landesregierung auf, die Versorgungslücke zu schließen, sodass ergänzende Sozialleistungen gezahlt würden.

„Flüchtlinge hätten damit die Sicherheit, dass sie die Ausbildung beginnen und beenden können“, sagt Timmo Scherenberg vom Flüchtlingsrat. Gute Beispiele dafür gebe es bereits aus Bayern, Berlin, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

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