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Flüchtlinge Offene Arme in Neu-Isenburg

Innerhalb von 24 Stunden haben Katastrophenschutz und freiwillige Helfer die neue Erstaufnahmeeinrichtung auf dem ehemaligen Druckerei-Gelände der Frankfurter Rundschau in Neu-Isenburg hergerichtet, um 700 Menschen auf der Flucht ein vorläufiges Zuhause zu bieten.

Feldbetten im früheren Papierlager. Bis zu 700 Menschen werden auf dem ehemaligen FR-Gelände in Neu-Isenburg untergebracht. Foto: Monika Müller

Die ersten Busse treffen am Samstagabend in Neu-Isenburg ein: Eine Familie steigt zuerst aus, einer der kleinen Jungen rennt sofort auf eines der mobilen Toilettenhäuschen zu, die im Hof des ehemaligen Druck- und Verlagshauses der Frankfurter Rundschau aufgebaut sind. 700 Menschen werden an diesem Wochenende hier aufgenommen, als Entlastung des völlig überfüllten Erstaufnahmelagers für Flüchtlinge in Gießen.

Innerhalb von 24 Stunden hat der Katastrophenschutz unter Leitung des Kreisbrandinspektors Ralf Ackermann mit 200 freiwilligen Helfern in dem seit zwei Jahren leerstehenden ehemaligen Papierlager der Druckerei ganze Arbeit geleistet. Hier wurde ein riesiges Lager aus Feldbetten samt Essensausgabe, Quarantänecontainern und einer Registrierungsstelle aufgebaut.

Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) besichtigte gestern mit Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) die Unterkunft. Er habe mit Leuten gesprochen, die ihre Flucht beschrieben und dazu auch die unzureichenden Schuhe zeigten, in denen sie die Wege zurückgelegt hatten. „Jetzt sind sie froh, hier umsorgt zu werden, und müssen das Erlebte erst mal sacken lassen“, sagte Grüttner. Die Menschen seien über Budapest nach Österreich und dann über München eingereist.

Mit Sachspenden überhäuft

Mit Bussen seien sie dann zur Erstregistrierung nach Gießen gefahren worden und von dort in das neue Erstaufnahmelager nach Neu-Isenburg weitergereist. Hessen sei vorbereitet, 13.000 Leute aufzunehmen, sagte der Minister und appellierte an die Bundesregierung, schnell den hessischen Städten und Gemeinden Hilfe zu leisten, die Aufgabe zu stemmen.

Unterdessen ist in Neu-Isenburg, das 1699 von hugenottischen Glaubensflüchtlingen gegründet wurde, eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge angerollt. Seit Samstagnachmittag haben Menschen vieler Nationalitäten vor dem für Außenstehende abgesperrten Gelände mit Willkommensplakaten ausgeharrt. Die Flüchtlingshilfe der Stadt war bereits vor Ort und überlegte, wie sie die Kinder der ersten Ankömmlinge unterhalten könne und was sie den Erwachsenen bei einem ersten Ausflug in die Stadt zeigen könne.

Einige Menschen boten Dolmetscherdienste an, andere wollten Sachspenden abgeben. Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) und Landrat Oliver Quilling (CDU) waren überwältigt von dieser Reaktion. „Neu-Isenburg ist bereit, diese Menschen zu Mitmenschen zu machen“, sagte Hunkel. Er appellierte gleichzeitig, von Sachspenden, mit denen die Einsatzkräfte derzeit überrannt werden, abzusehen, bis Kapazitäten da seien, diese zu ordnen.

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