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Flüchtlinge in Wiesbaden Für Flüchtlinge und Wiesbadener

Der neue Verein „wisawi“ bringt Wiesbadener und Flüchtlinge zusammen. Die Vereinsmitglieder setzen dabei auf Aktivitäten. Es gibt Kochabende; es wird gebastelt, genäht, gewerkelt.

Es riecht nach Petersilie und Zwiebeln. Mohammad schneidet Lammfleisch in kleine Stücke. Er hat vergessen, zu sagen, dass er für sein Gericht Hackfleisch benötigt. „Nicht so schlimm“, sagt er und lacht. Kurzerhand hat er umdisponiert. Das Fleisch wird in größeren Stücken auf die Tomaten verfrachtet, gewürzt und kommt in den Ofen.

In der Küche der Kreativfabrik brodelt es. Der Verein wisawi hat Flüchtlinge zum gemeinsamen Kochen eingeladen. 30 Männer, Frauen, Kinder sind gekommen. Viele wirbeln umher, schneiden Gemüse, kochen Reis. Einige sitzen an den Tischen und spielen. Es wird gelacht, erzählt, sich auf die Schulter geklopft.

Bettina Winkelmeier, Spitzname Sara, begrüßt jeden Neuankömmling herzlich. Sie ist eine von drei Vorsitzenden des wenige Monate alten Vereins wisawi, der zum Ziel hat, Vorurteile, Sorgen und Ängste gegenüber Fremden abzubauen – und zwar durch gegenseitiges Kennenlernen.

Die Vereinsmitglieder setzen dabei auf Aktivitäten. Es gibt nicht nur die gemeinsamen Kochabende. Bei „Upcycling and more“ wird gebastelt, genäht, gewerkelt, zudem wird bei Gesellschaftsspielen Deutsch gelernt. Darüberhinaus bringen die Wisawiler Wiesbadener und Geflüchtete bei einem Welcome Dinner zusammen: Auf der Homepage des Vereins können sich Wiesbadener anmelden und zu sich nach Hause einladen. Das funktioniere gut, die Nachfrage sei groß, sagt Winkelmeier.

Freizeitgruppe geplant

Auch eine Freizeitgruppe sei geplant und eine Internetplattform über die man sich zum Joggen oder zum Kino gehen verabreden kann, erläutert Winkelmeier. Und es gebe noch viele weitere Ideen. „Wir sind erst noch am Anfang.“ Zusammengefunden haben sich die Vereinsmitglieder über das Begegnungscafé der Hochschule Rhein-Main. Man sprach, tauschte Ideen aus. Schnell sei klar gewesen, dass man einen Verein gründen wollte. Es gebe bereits einen Rechtsruck in der Gesellschaft. „Wir wollen dagegen halten und den Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft bewahren, indem wir interkulturellen Austausch und internationale Begegnung schaffen“, sagt Winkelmeier, deren Mann und Tochter sich ebenfalls bei wisawi engagieren. „Es geht um Partizipation auf Augenhöhe.“

Auch zahlreiche Studenten sind im Verein aktiv. Verena de Luca beispielsweise, die eigentlich „Upcycling and more“ betreut. Sie wolle sich heute einmal den Kochabend anschauen, sagt sie und schaut drei Jungs über die Schulter, die gerade Unmengen an Petersilie für den Taboulé-Salat kleinhacken. „Das macht Spaß“, sagt einer und lacht. Verena streicht ihm über den Rücken. Es wirkt vertraut. Man kennt sich. „Es sind mittlerweile schon einige Freundschaften entstanden“, sagt die Studentin.

Der 18-jährige Max ist an diesem Abend zum ersten Mal in der Küche der Kreativfabrik dabei. Ein Freund habe ihm von dem Kochabend erzählt. Er sei neugierig gewesen und fasziniert von der fröhlichen Atmosphäre, sagt er. Max will wiederkommen, was Sara Winkelmeier freut. Sie hofft, dass sich noch viel mehr Wiesbadener engagieren.

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