25. Februar 201710°C Frankfurt a. M.
Lade Inhalte...

Flüchtlinge in Oberursel Deutschschüler sind enttäuscht

Die Migranten in Oberursel würden gern mehr lernen, dürfen aber nicht. Lehrer fordern nun Kurse für alle Flüchtlinge. Die Sozialdezernentin verweist auf die unklare Finanzierung.

Migranten würden gern mehr lernen, dürfen aber nicht. Foto: Rolf Oeser

Unter keinem guten Stern steht der Jahresbeginn für das Verhältnis zwischen dem Hochtaunuskreis und den „Teachers on the road“ aus Oberursel. Die geben seit anderthalb Jahren kostenlosen Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge, doch nun sind sowohl Lehrer als auch Schüler enttäuscht. Sie haben sich mit einem offenen Brief an Katrin Hechler (SPD), Sozialdezernentin des Kreises, gewandt. Inhalt: Flüchtlinge sollen besseren Zugang zu kostenlosen Deutschkursen haben. Hechlers Reaktion hat die Initiatoren verärgert.

Schon vor Weihnachten ging das Schreiben an Katrin Hechler, Landrat Ulrich Krebs (CDU) sowie die Bundesregierung. Die hatte im November ein Paket mit Neuerungen für Asylbewerber beschlossen. Einer der Punkte damals: Auch Flüchtlinge, deren Asyl-Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, sollen Zugang zu Sprachkursen haben.

Bei den Schülern der „Teachers on the road“ habe das „zunächst für Begeisterung gesorgt“, heißt es in dem offenen Brief, der von ihnen initiiert und von den Lehrern verfasst wurde. Sie hätten sich erhofft, „ihre bisher erworbenen Sprachkenntnisse zu verbessern“.

Doch aus der Begeisterung wurde schnell Enttäuschung. Denn es gibt Auflagen. Das neue Angebot richtet sich nur an Menschen aus Syrien, Iran, Irak und Eritrea, da bei diesen Ländern die Anerkennungsquote bei über 50 Prozent liegt.

Die Oberurseler Sprachschüler gehen noch weiter. Denn eine weitere Auflage besagt, dass sich die Kurse nur an Sprachanfänger richten. Das sehen sie als Diskriminierung an. Die Kurse ausschließlich für absolute Sprachanfänger anzubieten sei „ein falsches Signal“. Geflüchtete, „die eigenverantwortlich schon Deutsch lernen“, würden dadurch ausgeschlossen.

Für die Schüler sei das schlimm, da sie, wie es im Brief heißt, verstanden haben: „Nur wenn wir Deutsch lernen, finden wir eine Arbeit und eine Wohnung.“ Im Umkehrschluss hieße das, so die Schüler: „Wenn wir kein Deutsch können, müssen wir vom Sozialamt leben und das kostet viel Geld.“

Die Gruppe wendet sich daher mit der Bitte an Katrin Hechler und Ulrich Krebs, die Deutschkurse für alle Flüchtlinge zu öffnen. „Nur so kann eine nachhaltige Integration und gesellschaftliche Teilhabe erreicht werden.“

Katrin Hechler hat reagiert, doch damit sind die Verfasser des Briefes nicht zufrieden. Sie sind enttäuscht, dass die Einladung zu einem Gespräch nur an die Lehrer ging, obwohl der Brief von den Schülern stamme.

Hechler erklärte auf Nachfrage, dass die den „Teachers on the road“ dankbar sei für ihr Engagement. Darüberhinaus verweist sie lediglich auf Unklarheiten bei der Finanzierung der Kurse und verweist auf weitere Gespräche. Ein solches hat sie auch den „Teachers on the road“ angeboten. Die sehen darin allerdings nur einen Sinn, „wenn von Seiten der Verantwortlichen eine Chance aufgetan wird, die Nationalitätsbeschränkungen aufzuheben“.

Annehmen werden sie das Angebot Hechlers dennoch. Ende Januar soll es das Treffen geben.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Kontakt
  • Wir über uns
  • Impressum