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Flüchtlinge in Neu-Isenburg Glücklich über Job im Nobelhotel

Das noble Hotel Kempinski stellt Flüchtlinge ein. Der Erste hat nun überglücklich seinen Job angetreten. Gebreyesus kann als Vorzeige-Flüchtling gelten. Vom ersten Tag an habe er fleißig Deutsch gelernt und immer über den Büchern gesessen.

Ghebru Gebreyesus vor seinem neuen Arbeitsplatz, dem Hotel Kempinski in Gravenbruch. Foto: Rolf Oeser

Ghebru Gebreyesus ist glücklich. Sagt er. Der Eritreer, der nach gefährlicher Flucht durch die Sahara und über das Meer an der italienischen Küste landete, Ende 2013 in Deutschland ankam und inzwischen in Neu-Isenburg lebt, hat Arbeit gefunden. Im noblen Hotel Kempinski in Gravenbruch. „Jetzt habe ich eine neue Zukunft“, sagt der Vierunddreißigjährige und lächelt scheu. Dann schweigt Gebreyesus und überlässt anderen das Reden, obwohl er am Donnerstag eigentlich im Mittelpunkt eines Pressetermins stehen sollte. Denn der Eritreer ist der erste Flüchtling, den das Kempinski nach Kontakten mit der Stadt Neu-Isenburg eingestellt hat.

Die erfolgreiche Jobvermittlung sorgte am Vormittag für einen besonderen Auflauf im Hotelfoyer: Journalisten und Fotogra-

fen waren gekommen, Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos), Alexander Gerstenberger-Vogt und Cornelia Mateos von der städtischen Flüchtlingsarbeit. Selbst die Hotelmanagerin Karina Ansos und die Leiterin der technischen Abteilung, Gabriele Gath, nahmen sich Zeit, Auskunft über ihren neuen Mitarbeiter zu geben, der im bequemen Sessel eine Kaffeepause einlegen durfte.

Kirchenasyl nach langer Flucht

Gebreyesus kann als Vorzeige-Flüchtling gelten. Vom ersten Tag an habe er fleißig Deutsch gelernt und immer über den Büchern gesessen, erzählt Gerstenberger-Vogt. Da der Eritreer sich schon länger als 15 Monate in Deutschland aufhält, bekam er zügig eine Arbeitserlaubnis.

Ansos lobte die reibungslose Zusammenarbeit mit der Kommune. Ende September habe sie sich an die Stadt gewandt. Wenig später absolvierte der Eritreer ein Praktikum. Und fiel angenehm auf, weil er schnell lernte und sich in das Team einfügte. Jetzt hat er einen festen Vertrag über sechs Monate, der sich automatisch verlängert, wenn beide Seiten zufrieden sind.

Gebreyesus, der nach eigenen Worten über keine Ausbildung verfügt, wird im weitläufigen Hotelpark je nach Saison Blätter zusammenrechen und Laub entsorgen, den Rasen mähen, Büsche zurückschneiden, Schnee räumen oder Blumenkübel bepflanzen. Aktuell hilft er auch bei der Weihnachtsdekoration. Probleme, seine Arbeitsstelle zu erreichen, hat Gebreyesus nicht. Er legt die rund sechs Kilometer zwischen dem Hotel und der Gemeinschaftsunterkunft an der Beethovenstraße, in der er sich eine Wohnung mit fünf weiteren Männern teilt, mit dem Fahrrad zurück.

Über die Vergangenheit spricht er nicht gerne. Er sagt nur: „Ich hatte in Eritrea keine Zukunft. Es gibt so viele Kriege. Da bin ich einfach weggelaufen.“ Gerstenberger-Vogt wird konkreter. Der Mann sei zunächst in den Sudan geflohen, weil er als evangelikaler Christ einer religiösen Minderheit angehöre, die wegen ihres Glaubens verfolgt werde. In Neu-Isenburg hat sich Gebreyesus der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde angeschlossen, die ihm mehr als ein halbes Jahr Kirchenasyl bot, als seine Abschiebung nach Italien drohte.

Dem Staat nicht zur Last fallen

Gerstenberger-Vogt erzählt, dass der Eritreer in Neu-Isenburg

anfangs in einem Hotel untergebracht war. Der Komfort dort habe ihn „geplättet“, sagt der städtische Mitarbeiter und erinnert daran, wie glücklich Gebreyesus damals gewesen sei. Der aber korrigiert ihn: „Ich bin bis heute glücklich.“

Bürgermeister Herbert Hunkel nutzte den Termin, um sich bei den Bürgern für ihr Engagement und bei jenen Unternehmen zu bedanken, die bereits Zuwanderer eingestellt haben. „Das wird die Integration erleichtern. Denn wir als Stadt können uns nicht allein um diese Menschen kümmern“, sagte er und sprach angesichts von 180 der Kommune zugewiesenen Flüchtlingen und bald 1000 Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung von einer großen Herausforderung „für uns alle“. Das Beispiel des Hotels Kempinski, das Neubürgern eine Perspektive biete, nannte er motivierend. „Denn es gibt ja auch andere Stimmen“, spielte er auf die kontroverse Debatte über die Aufnahme von Flüchtlingen an.

Gebreysus lobte seinerseits die Verantwortlichen Neu-Isenburgs. „Die Stadt hat uns gut gebildet“, sagte er über die Deutschkurse, die er für unentbehrlich hält. „Denn es ist unmöglich, in einem Land zu leben, ohne die Sprache zu beherrschen.“ Ihm jedenfalls hat sein gutes Deutsch bei der Jobsuche geholfen. Die Arbeit ist Gebreyesus aus zwei Gründen wichtig: Er will dem Staat nicht zur Last fallen und erst dann eine Familie gründen, „wenn ich auf eigenen Füßen stehen kann“.

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