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Flüchtlinge in Hessen Kündigung wegen Panne im Jobcenter

Vier Monate braucht das Jobcenter im Hochtaunuskreis, bis es einem Flüchtling das ihm zustehende Geld für seine Miete überweist. Wegen des langen Hickhacks mit der Behörde verliert er seine Unterkunft.

Flüchtlinge in Hessen
Eine Panne im Jobcenter hat einem Flüchtling im Hochtaunuskreis die Wohnung gekostet. (Symbolbild) Foto: dpa

„Eine Bearbeitungszeit von vier Monaten ist nicht hinnehmbar“, räumt Kreissprecherin Andrea Herzig ein. So lange hat es gedauert, bis das Jobcenter des Hochtaunuskreises Ali Ahmed (Name von der Redaktion geändert) erstmals das ihm zustehende Geld für seine Miete überwiesen hat. Weil das Hickhack mit dem Amt für den Geflüchteten aus Somalia damit aber noch nicht zu Ende war, hat er inzwischen sogar die Kündigung erhalten.

Bis zum Jahresende müsse er aus dem Reihenhaus in Friedrichsdorf ausziehen, in dem er ein Zimmer bewohnt, berichtet der 22-Jährige im Gespräch mit der FR. Er kann das Ganze nicht nachvollziehen; er habe sich immer bemüht, alle Unterlagen vorzulegen. Doch im Jobcenter seien manche Papiere dann nicht mehr aufzufinden gewesen. Das bestätigt Erika Müller (Name geändert). Sie und ihr Mann unterstützen Ali Ahmed beim Deutschlernen und bei Behördengängen.

Hochtaunuskreis räumt Fehler ein

Nachdem er im vergangenen Herbst ein Praktikum bei einem Unternehmen in Offenbach begonnen hatte, war er umgezogen. „Damit ich ein bisschen mehr Ruhe habe“, sagt der 22-Jährige. Inzwischen hat er einen Ausbildungsvertrag zum Industriemechaniker in der Tasche. „Ich will arbeiten und mein eigenes Geld verdienen“, sagt er.

Ali tue wirklich alles, um sich zu integrieren, lobt Erika Müller. Sie habe ihrerseits immer wieder versucht, die Probleme mit dem Jobcenter zu klären, sei aber auch nicht weitergekommen. Um das Schlimmste zu verhüten, hatten die Müllers die Miete für Dezember, Januar, Februar und März vorgestreckt. Als das Jobcenter dann für April das Geld ausbezahlt hatte, habe sie gedacht, nun sei alles geklärt, berichtet Erika Müller. Doch für Mai sei dann schon wieder kein Geld überwiesen worden. Stattdessen sei Ali plötzlich aufgefordert worden, Verdienstbescheinigungen für die vorhergehenden Monate vorzulegen. „Das hatte er aber längst getan“, berichtet Erika Müller. Die Miete für Mai habe Ali dann aus eigener Tasche bezahlt, doch für Juni habe sein Geld nicht mehr gereicht.

„Wir bedauern sehr, dass Herr Ahmed wegen dieser Verzögerungen mit seiner Wohnung Probleme bekommen hat“, teilt Kreissprecherin Andrea Herzig mit. Die Mietzahlungen seien im Mai noch einmal eingestellt worden, weil ein Folgeantrag habe gestellt werden müssen; die Lohnnachweise seien dafür nötig gewesen. Die lange Bearbeitungszeit für den ersten Antrag habe wiederum mehrere Gründe gehabt: zum einen die notwendige Prüfung des BAföG-Anspruchs sowie die zeitliche Begrenzung des Mietvertrags. Zum anderen seien die Unterlagen aus der Asylabteilung wegen einer Langzeiterkrankung der zuständigen Mitarbeiterin erst verzögert im Jobcenter eingetroffen.

Die zuständigen Behörden würden aus dem Fall lernen, versichert die Kreissprecherin. „Es hat bereits neue Absprachen der Abteilungen Jobcenter und Asylstelle gegeben, die dazu führen sollen, dass die Prozesse optimiert werden.“ Das Geld für den Juli sei nun ordnungsgemäß ausgezahlt worden. Bei der Suche einer neuen Wohnung könne der Hochtaunuskreis allerdings nicht helfen. „Die Wohnungsvermittlung läuft über die Städte und Gemeinden.“ Der Kreis habe keinen eigenen Wohnungsbestand.

Er suche nun wieder ein Zimmer oder eine kleine Wohnung, sagt Ali Ahmed. „Hauptsache, es ist ruhig.“ Erika Müller und der Arbeitskreis Asyl Friedrichsdorf wollen ihn dabei unterstützen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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