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Flüchtlinge in Hanau Solidarität mit Schutzsuchenden

Die Initiative Lampedusa in Hanau engagiert sich seit drei Jahren für Flüchtlinge. Vielen Geflüchteten droht die Abschiebung.

Flüchtlinge in Hanau
Die Aktivisten demonstrieren gegen Abschiebungen. Foto: Monika Müller

Ich fühle mich verantwortlich, will helfen, mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben. Auch weil ich es selbst erlebt habe“, sagt Asefaw. Mit „es“ meint der junge Mann aus Eritrea die Überfahrten von Libyen nach Italien, während der viele Geflüchtete, auf kleinen, alten Booten aneinandergepresst, hoffen, zu überleben. Die Fahrten, während denen Tausende sterben. Asefaw meint aber auch die Angst vor einer Abschiebung aus Deutschland, zurück ins Elend oder in den Tod. Weil er die Betroffenen unterstützen will, hat Asefaw, der 2013 über das Meer flüchtete und schließlich den Main-Kinzig-Kreis erreichte, sich „Lampedusa in Hanau“ angeschlossen.

Die Initiative, die von gut 50 Asylsuchenden und von Aktivisten wie Marion Bayer, Hagen Kopp und Herwig Putsche getragen wird, verfolgt eine Reihe von Zielen und hat seit ihrer Gründung vor drei Jahren einiges erreicht: Sie hat dazu beigetragen, dass mit Hilfe von Kirchenasyl mehr als 30 Menschen nicht abgeschoben wurden. Die Ehrenamtlichen haben einen Deutschkurs für Geflüchtete aufgebaut, die keinen Zugang zu staatlichen Kursen haben. Sie haben mit Öffentlichkeitsarbeit und Demonstrationen, etwa auf dem Hanauer Marktplatz, auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam gemacht. Nicht zuletzt haben sie sich für den Austausch zwischen Geflüchteten und Einheimischen eingesetzt, auch, indem sie ein Sommerfest veranstalteten.

Lampedusa in Hanau startete im Februar 2014 mit Geflüchteten vor allem aus Eritrea und Somalia, die in Hanau und Umgebung untergebracht waren. Und zwar aus einer Not heraus: „Vielen der Asylsuchenden drohte zu jener Zeit akut die Abschiebung wegen der sogenannten Dublin-Verordnung“, erinnert sich Hagen Kopp. Die Betroffenen hatten in Italien, auf Lampedusa,  europäischen Boden betreten und waren dort teilweise mit heftiger Gewalt gezwungen worden, Fingerabdrücke abzugeben. Nun sollten sie nach Italien abgeschoben werden, weil Deutschland gemäß der Verordnung nicht für sie zuständig war. In Italien aber sind viele Geflüchtete auf sich allein gestellt, leben auf der Straße, weil die Behörden sie kaum oder gar nicht unterstützen.

Doch Lampedusa in Hanau konnte etwa 14 Kirchengemeinden aus dem Main-Kinzig-Kreis als Partner gewinnen. Unter deren Schutz konnten die Asylsuchenden die sechs Monate verbringen, bis Deutschland für ihren Asylantrag zuständig war. „Das war ein großer Erfolg. Alle konnten bleiben“, sagt Kopp. Durch das Kirchenasyl seien weitere helfende Strukturen entstanden, etwa die Ökumenische Flüchtlingshilfe Steinheim, später kam der Arbeitskreis Asyl dazu. Als wichtig bewertet Kopp auch die öffentlichen Auftritte von Lampedusa in Hanau, zum Beispiel am 1. Mai, als ein Geflüchteter bei der großen Kundgebung am Goldschmiedehaus eine Rede hielt und für Solidarität warb.

Wertvolle Unterstützung, etwa als Dolmetscher, leisten die Mitglieder der Initiative laut Kopp im Flüchtlingscafé im autonomen Kulturzentrum Metzgerstraße, wo eine Beratung in Bleiberechtsfragen angeboten wird. Die Nachfrage sei enorm: „Wir sind am Ende unserer Kapazitäten“, sagt Kopp. Derzeit kämen 80 bis 90 Ratsuchende pro Termin. Die Dublin-Verordnung werde wieder häufig angewandt, weshalb vielen Afrikanern die Abschiebung drohe, aber auch viele Afghanen seien betroffen. Die Lage spitze sich zu, so Kopp: „Wir brauchen gerade jetzt Solidarität in der Stadt.“ Er hofft, dass Lampedusa in Hanau und ihre Partner wachsen, sich ihnen mehr Unterstützer anschließen, um die Herausforderungen bewältigen zu können. Zu den Zielen gehören neue Plätze im Kirchenasyl und bessere Chancen bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche.

Asefaw will sich weiter engagieren. An Lampedusa in Hanau schätzt er vor allem „den Zusammenhalt unter Leuten aus verschiedenen Ländern“. Er kümmert sich auch um das von Kopp mitgegründete „Watch The Med Alarm Phone“, eine Hotline für in Seenot geratene Flüchtlinge, die die zuständige Küstenwache alarmiert. „Ich habe in meiner Heimat und auf der Flucht gesehen, wie viele Menschen leiden, wie viele in Not geraten. Da kann ich nicht tatenlos zusehen.“

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