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Flüchtlinge in Frankfurt Rödelheimer fühlen sich missverstanden

Zunächst verläuft die Debatte um Asylbewerber in Rödelheim sehr sachlich. Doch bei einem CDU-Termin Ende Januar kippt die Stimmung. Am Dienstag soll jetzt eine weitere Informationsveranstaltung folgen.

Es war proppenvoll im Vereinshaus. Foto: Monika Müller

"Wir sind keine Rechten“, sagt Cornelia Kästle-Schott, und es gibt keinen Grund, ihr nicht zu glauben. Mehr noch: Dass Kästle-Schott und ihre Mitstreiter aus dem westlichen Rödelheim Rechte seien, hat zumindest öffentlich gar keiner behauptet. Dennoch betont sie im Gespräch mit der FR immer wieder, keine Anhängerin von AfD oder noch extremeren Parteien zu sein. Kästle-Schott ist vorsichtig geworfen, seit sie und etwa 50 weitere Rödelheimer sich in einem Offenen Brief über eine Flüchtlingsunterkunft geäußert haben.

Es ist Mitte Januar, als sich Kästle-Schott in die Debatte über Asylbewerber einmischt. Im Ortsbeirat 7 hört sie, wie Manuela Skotnik, Sprecherin im Sozialdezernat, eine weitere Bleibe für Flüchtlinge ankündigt. In einer großen Halle auf einem alten Fabrikgelände In der Au sollen 500 Menschen unterkommen. Die Rede ist von Schlafabteilen für die Flüchtlinge, die nach oben offen sein sollen.

Kästle-Schott, die in der Nähe der Au wohnt, ist gegen diese Pläne. Sie tut sich mit anderen Anwohnern zusammen und schreibt den offenen Brief an Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Es wird ein langer Brief. An mehreren Stellen äußern sich die Verfasser skeptisch, dass es den Flüchtlingen auf dem Gelände gutgehen werde. Wegen der offenen Schlafabteile. Und weil einfach zu viele Menschen auf zu engem Raum leben müssten.

„Dass die Flüchtlinge menschenwürdig untergebracht werden, war der eigentliche Anlass, den Brief zu schreiben“, sagt Kästle-Schott. Doch es gibt noch andere Passagen in dem Brief. Von einer drohenden „Ghettoisierung“ ist die Rede. Und von zu vielen männlichen Flüchtlingen.

Der offene Brief erscheint auf der Website der Initiative „Willkommen in Rödelheim“ und in der Rödelheimer Stadtteilzeitung. „Es gab keinerlei negative Resonanzen“, sagt Kästle-Schott. Im Gegenteil: Birkenfeld antwortet den Verfassern. Es ist eine freundliche Antwort. Die Sozialdezernentin verspricht, einen Raum einzurichten, in dem sich Flüchtlinge und Alteingesessene aus dem Stadtteil treffen können. Das hatten die Rödelheimer in dem offenen Brief gefordert. Ansonsten wirbt Birkenfeld um Verständnis dafür, dass die Stadt jede Möglichkeit nutzen müsse, Asylbewerber unterzubringen.

Vorwürfe an die Redaktion

Das alles klingt entspannt. Doch am 30. Januar kippt die Stimmung. Birkenfeld kommt zu einem CDU-Termin ins Vereinshaus des Rödelheimer Fußballclubs. Mindestens 70 Menschen erwarten sie. Sie machen ihrem Ärger Luft, kritisieren die Unterbringung der vielen Flüchtlinge. Mehrfach muss Ortsvorsteher Veljko Vuksanovic die Besucher zur Ordnung rufen. „Das war ein emotionaler Termin“, sagt Kästle-Schott. So beschreibt auch die Frankfurter Rundschau die Veranstaltung. „Verbitterung und Häme“, so der Titel des Berichts. Darin heißt es mit keinem Wort, bei den Besuchern habe es sich um Menschen mit rechter Gesinnung gehandelt.

Dennoch fühlen sich die Rödelheimer von der FR missverstanden. Mehrere Leserbriefe gehen ein, in denen der Redaktion vorgeworfen wird, sie wolle berechtigte Kritik als rechtes Gebrüll abtun. Noch mehr Zuschriften kommen, als wenig später ein Interview mit Helga Dieter in der FR erscheint. Dieter ist Vorsitzende des Vereins „Courage gegen Rassismus“.

Auch sie behauptet nicht, die Anwohner seien Rechte. Sie stellt sogar klar, die 70 Besucher der CDU-Veranstaltung seien keine Rechtsradikalen, und sagt, der offene Brief enthalte vernünftige Forderungen und sei „nicht unbedingt ein Zeichen der Abschottung oder Fremdenfeindlichkeit“. Allerdings kritisiert sie eine Passage, in der von den vielen männlichen Flüchtlingen die Rede ist und im folgenden Satz die „in Deutschland bestehende Gleichberechtigung der Frau“ betont wird. Dieter spricht von einem „rassistischen Generalverdacht“.

Viele Rödelheimer werten diese Kritik offenbar als persönlichen Angriff. Dieter, so beschweren sie sich, habe gar nicht verstanden, worum es ihnen gehe. Nämlich um die Rechte der Flüchtlinge. Doch in Wahrheit hebt sie genau diesen Aspekt des Briefs positiv hervor. An den Plänen für die Unterkunft hat sich derweil nichts verändert. Kommenden Dienstag wird es in Rödelheim eine weitere Informationsveranstaltung dazu geben. Cornelia Kästle-Schott wird hingehen. Und vermutlich sagen, dass sie und ihre Mitstreiter keine Rechten sind.

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