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Flüchtlinge in Frankfurt Privatsphäre in der Kirche

Freiwillige Helfer verbessern das Leben der 22 Lampedusa-Flüchtlinge in der Kiche im Gutleutviertel. Neben der optimierten Wohnsituation organisiert eine Gruppe ehrenamtlicher Lehrer auch Sprachkurse. Doch nach wie vor ist die Zukunft der Flüchtlinge ungewiss.

Dank vieler Helfer hat sich die Situation für die 22 Flüchtlinge in der Gutleutkirche deutlich verbessert. Foto: Peter Jülich

Auf einmal sieht der große Raum der Gutleutkirche völlig anders aus. Hohe Wände aus Holzplatten zerteilen das Kirchenschiff in kleine Kabinen, deren Türen mit Stoff verhängt sind. Am Eingang ist ein Bereich freigelassen, der mit Ledersofa und Fernseher als Wohnzimmer eingerichtet ist. „Morgen!“, grüßt ein Mann, der mit Handtuch und Badelatschen aus einem der Zimmer kommt, freundlich.

Die 22 Flüchtlinge aus verschiedenen westafrikanischen Staaten, die seit einer Woche in der leerstehenden Kirche wohnen, haben ab sofort etwas mehr Privatsphäre: Vier Schreiner von der Frankfurter Firma „Hoch 4“ haben die Kirche Anfang der Woche in elf kleine Kabinen geteilt, in die jeweils zwei der Männer ihre Feldbetten gestellt haben. Man habe über die Kirche erfahren, dass Trennwände gesucht würden, sagt Tom Büsching, einer der Inhaber von „Hoch 4“. „Da haben wir gesagt: Das ist eine gute Sache, da helfen wir gerne“, sagt er. „22 Leute in einer Halle, das ist ja kein Zustand – jetzt haben sie richtige kleine Zimmerchen.“

Mehr als 30 freiwillige Lehrer

Das Holz im Wert von rund 1000 Euro hat die Frankfurter Holzgroßhandlung Christian Göbel gespendet. „Dazu waren wir sofort bereit“, sagt Geschäftsführer Oliver Nocht. Die vier Schreiner, die um Hilfe gebeten hätten, seien schon seit vielen Jahren gute Kunden – außerdem verfolge man die Situation der 22 Afrikaner sehr aufmerksam. Die Flüchtlinge selbst sind von den neu entstandenen Räumen angetan.

„Unser Leben ist viel besser jetzt“, sagt Ola, ein Sprecher der Gruppe. „Die Arbeiten sind wirklich sehr gut geworden.“ Mit den neuen Zimmern, dem kostenlosen Mittagessen in der benachbarten Kaffeestube der Hoffnungsgemeinde und vielen anderen Spenden sind die Grundbedürfnisse der Männer jetzt fürs Erste abgedeckt. „Bis vor kurzem haben wir noch unter der Brücke geschlafen“, sagt Ola. „Und jetzt sind wir okay.“

Und da kommt auch schon Uli Tomaschowski durch die Tür. Der 42-Jährige ist Organisator der „Teachers von the road“, einer Gruppe von Freiwilligen, die ehrenamtliche Deutschkurse für Flüchtlinge organisiert. „Die eigentliche Idee ist, Flüchtlinge in ihren isolierten Unterkünften zu besuchen“, sagt Tomaschowski. „Das ist oft der erste Schritt, um ihre Isolation zu durchbrechen.“

Sorge um Bleiberecht

Als die Gruppe von den 22 Männern aus Lampedusa gehört habe, habe man sofort begonnen, Sprachkurse vorzubereiten, erzählt Tomaschowski. Mittlerweile gibt es jeden Tag mehrere Lerngruppen, mehr als 30 ehrenamtliche Sprachlehrer beteiligen sich bereits an ihnen. „Dass wir so viele Ehrenamtliche haben, ist hervorragend“, sagt Tomaschowski zufrieden. „So können wir auch diejenigen besser betreuen, die nicht so gut lesen und schreiben können.“ Manche der Helfer hätten keine Lehrerfahrung, viele arbeiteten aber auch sonst als Lehrer, sagt er – und packt Arbeitsblätter und Stifte für seine erste Unterrichtseinheit aus.

Für Ola und die anderen sind die Sprachkurse eine Chance, das Leben in Deutschland besser zu verstehen. Trotz aller Hilfe treiben sie aber eigentlich andere Sorgen um: Was sie wirklich bräuchten, sagt Ola, sei Rechtsberatung und Hilfe von den Behörden. „Wir brauchen die Erlaubnis zu bleiben und dann die Erlaubnis, einen Job anzunehmen“, sagt er. „Wir wollen von niemandem mehr abhängig sein. Wir wollen arbeiten.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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