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Flüchtlinge in Frankfurt Pläne für Massenunterkunft vorgestellt

Die Stadt und der Betreiber Johanniter stellen das Betreuungskonzept für Frankfurts erste Massenunterkunft vor. Bis zu fünf Jahre sollen 400 Flüchtlinge in drei Komplexen in Rödelheim leben.

Das ehemalige Gelände der Firma Ambrosius wird zur Flüchtlingsunterkunft, im vorderen Komplex kommen 24 Frauen unter. Foto: Alex Kraus

Bis zu 400 Flüchtlinge sollen in drei Komplexe in Rödelheim ziehen. Die Planungen stellten die Stadt und der Betreiber Johanniter am Dienstag den Bürgern vor. Auf dem ehemaligen Areal der Firma Ambrosius, In der Au 2–14, entsteht Frankfurts erste Massenunterkunft für bereits zugewiesene Flüchtlinge. Bis zu fünf Jahre sollen die Menschen dort leben.

In einem ehemaligen Bürogebäude sollen ab März 24 besonders schutzbedürftige Frauen, etwa Schwangere, leben. Sie werden eigene Kochmöglichkeiten haben. In einem weiteren Bürogebäude werden ab Mai Zimmer für bis zu 100 Menschen entstehen, die von Familien bezogen werden sollen. Gemeinsame sanitäre Anlagen und Aufenthaltsräume sind geplant, eine eigene Versorgung ist nicht möglich.

In einem Hallentrakt, der in fünf Bereiche unterteilt wird, werden ab Juni zudem bis zu 275 Männer unterkommen. Durch Trennwände sollen 25 bis 35 Quadratmeter große Einheiten für je vier Bewohner entstehen. Eine weitere Halle dient nicht wie zunächst geplant als Unterkunft für weitere 100 Flüchtlinge, sondern als Begegnungszentrum für Rödelheimer und Flüchtlinge. „Uns haben viele Anschreiben mit berechtigten Sorgen erreicht“, sagte Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), „als Zugeständnis haben wir die Anzahl auf 400 reduziert“.

In einem offenen Brief hatten Anwohner die Hallen wegen der fehlenden Privatsphäre kritisiert, Willkommensinitiativen schlossen sich dem an. Die Trennwände sind nach oben offen, es gibt nur wenige Fenster, Licht und Heizung werden zentral gesteuert. „Die Männer haben kleine Lichter in den Kojen“, sagte Oliver Pitsch, Regionalvorstand der Johanniter. Er möchte einen Bewohnerbeirat mit Vertretern aus allen Gebäuden und Kulturen etablieren.

Nach verbalen Ausschreitungen auf einer CDU-Veranstaltung im Januar sind Stadt und Johanniter um den sozialen Frieden im Stadtteil bemüht. Immer wieder sagte Skotnik, bei den erwarteten 10 000 Zuweisungen 2016 keine Alternative zu Massenunterkünften zu haben. Kolja Müller von der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement sagte: „Vor sechs Monaten hätten wir nicht gedacht, dass so ein Projekt möglich ist.“ Die rund 200 Bürger diskutierten sachlich. Sie stellten vor allem Fragen zur Beschäftigung und psychosozialen Betreuung und gaben Anregungen zur schnellen Integration, etwa durch Kooperationen mit Vereinen.

Arbeitsgelegenheiten schaffen

Zwölf Sozialarbeiter werden in der Unterkunft arbeiten. Nachts sind zwei Betreuer und Sicherheitskräfte vor Ort. Ein Sicherheitskonzept wird derzeit mit der Polizei erarbeitet. Es wird zwei zusätzliche Stellen im Stadtteilbüro geben. Eine Steuerungsgruppe, unter anderem mit Skotnik, Einrichtungsleiterin Selma Kaya und Quartiersmanagerin Heike Hecker, soll Kritik koordinieren. Laut Skotnik arbeitet die Stadt mit dem Verfassungsschutz zusammen, um radikale Strömungen früh zu erkennen.

Die Johanniter wollen vor Ort Deutschunterricht in Kleingruppen und Sexualaufklärung anbieten sowie Arbeitsgelegenheiten schaffen. „Den Bedarf an Freizeitmöglichkeiten möchten wir mit den Bewohnern erörtern“, sagte Leiterin Kaya. Für Muslime soll es Gebetsräume geben.

Die Schulleiterin der Brentanoschule, Regina Winkelhagen, sprach die bereits ausgeschöpften Kapazitäten in den Schulen an. Platz für Intensivklassen mit nicht deutsch sprechenden Kindern gebe es nicht. Für kleinere Kinder ist eine Kinderbetreuung auf dem Gelände vorgesehen. Skotnik sagte, die Stadt wisse noch nicht, wer zugewiesen würde. „Ich habe für das Problem keine Lösung.“

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