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Flüchtlinge in Frankfurt Integration an der Nähmaschine

Geflüchtete Frauen fertigen in der Frankfurter Schneiderwerkstatt „Stitch by Stitch“ Mode für lokale Labels. Das Start-up aus dem Nordend wird über das Stipendienprogramm „Ankommer“ gefördert.

Die geflüchteten Frauen arbeiten für Frankfurter Modelabels. (Symbolbild) Foto: Christoph Boeckheler

In Damaskus hat Esraa Ali begonnen zu nähen. Schon als Teenager habe sie von einer Karriere als Modedesignerin geträumt, sagt die 21-Jährige. Ihr Studium konnte sie aber nicht beenden. Denn Ali musste aus Syrien fliehen. Vor rund zwei Jahren kam sie nach Deutschland. Nun hat sie in Frankfurt auch beruflich eine neue Heimat gefunden. In der Schneiderwerkstatt „Stitch by Stitch“ hat die junge Syrerin im September eine Ausbildung begonnen. Sie ist Teil eines Start-ups, das noch vor einem Jahr nicht mehr als eine Idee der Sozialunternehmerinnen Nicole von Alvensleben und Claudia Frick war.

„Nähen ist eine globale Sprache, die auch ohne Worte verstanden wird“, sagt Frick, die in der Werkstatt auch für ihr eigenes Modelabel „Coco Lores“ nähen lässt. Mit der Kommunikationsdesignerin und Werbekauffrau von Alvensleben habe sie die Idee entwickelt, geflüchteten Frauen, die von daheim Näh-Erfahrung und besondere Handarbeitstechniken mitbringen, eine berufliche Perspektive aufzuzeigen. Und damit zugleich hiesigen Modelabels die Möglichkeit zu geben, ihre Prototypen und kleine Kollektionen vor Ort produzieren zu lassen.

Mit diesem Vorhaben überzeugten die beiden Frauen im vergangenen Herbst das Gründerzentrum „Social Impact Lab“ und die KfW-Stiftung, die das Start-up acht Monate lang förderten. 13 weitere Projekte kamen in den Genuss dieses „Ankommer“-Stipendiums, das deutschlandweit sozialunternehmerische Ideen zur Integration von Geflüchteten unterstützt und gerade in die nächste Runde geht. Im Mai wurde „Stitch by Stitch“ als eines von drei Ankommer-Start-ups zum „Leuchtturmprojekt“ gewählt und gewann eine Anschubfinanzierung in Höhe von 20 000 Euro.

So konnten Frick und von Alvensleben eine eigene Werkstatt im Frankfurter Nordend mieten, die Mitte August eröffnete. Neben Esraa Ali lernt dort auch eine Iranerin den Beruf der Maßschneiderin. Außerdem gehören noch zwei erfahrene Schneiderinnen aus Aleppo und Herat, eine deutsche Damenschneiderin und eine Betriebswirtin zum Team. Eine Afghanin absolviert gerade eine von der Arbeitsagentur finanzierte Vorbereitungsmaßnahme. Gemeinsam fertigen sie Handschuhe für das Berliner Label „Myrka Studios“; aber auch Frankfurter Unternehmen wie das Taschenlabel „Frisch Beutel“ gehören zu den Auftraggebern.

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