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Flüchtlinge in Frankfurt Hilfe für geflüchtete Ärzte

Ein neues Programm bereitet ausländische Mediziner in Frankfurt auf die Kenntnisprüfung vor, die notwendig ist, damit sie in Deutschland praktizieren können.

Die Ärzte Zaher Mohamad (links) und Suzan Issa unterstützt der Verein, hierzulande eine Approbation zu bekommen. Foto: Peter Jülich

Als in Christian Klepzigs Offenbacher Arztpraxis ein junger Syrer vorsprach, war der Diabetologe für einen Moment ratlos, denn der Geflüchtete sprach so wenig Deutsch wie Klepzig Arabisch. Dass der Arzt dem jungen Diabetiker dennoch weiterhelfen konnte, lag an seiner Hospitantin Suzan Issa, die übersetzte.

Die junge Ärztin aus Damaskus ist zwar erst ein Jahr hier, spricht aber schon sehr gut Deutsch. Um als Ärztin arbeiten zu dürfen, muss sie allerdings erst die Kenntnisprüfung für die Approbation bestehen und so nachweisen, dass sie fachsprachlich und fachlich auf demselben Stand ist wie in Deutschland ausgebildete Ärzte. Klepzig unterstützt Issa und den aus der Ostukraine geflüchteten afghanischen HNO-Arzt Zaher Mohammad dabei als ehrenamtlicher Mentor im Rahmen eines hessenweit einmaligen Angebots der Frankfurter Beratungsstelle Beramí.

Seit April bereitet Beramí 43 ausländische, überwiegend geflüchtete Zahn- und Humanmediziner aus 13 verschiedenen Nationen auf diese Prüfung vor. Denn, wie Christof Diefenbach, Leiter des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamtes im Gesundheitswesen, ausführt, scheiterten die zugewanderten Ärztinnen und Ärzte häufig an dieser Prüfung, etwa weil sie nicht die nötigen fachsprachlichen Kenntnisse hätten oder in ihren Heimatländern mit veralteter Technik arbeiten mussten. Auch Doris Seiz vom Vorstand der Landeszahnärztekammer betont, dass die zugewanderten Zahnärzte nicht unbedingt fachliche Defizite hätten, sondern oft schlicht mit den Prüfungsabläufen überfordert oder nicht mit den gesetzlichen Qualitätsstandards in Deutschland vertraut seien.

„Wir müssen den Kollegen keine Medizin beibringen“, sagt der medizinisch-fachliche Leiter des Beramí-Angebotes, Atilla Vurgun. Es gehe vielmehr darum, „wie nutzen wir Ressourcen und integrieren im Ausland ausgebildete Ärzte ins deutsche Gesundheitssystem“. So sei es in vielen Ländern etwa nicht gängig, mit lateinischen Fachbegriffen zu arbeiten. Auch die Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten laufe vielerorts anders.

Teil der noch bis Februar laufenden und durch Bildungsgutscheine von Arbeitsagenturen und Jobcentern finanzierbaren Fortbildung sei daher intensiver Deutschunterricht, ergänzt durch ein Sprachpatenprogramm mit mehr als 100 Ehrenamtlichen. Dazu kämen zahn- oder humanmedizinische Fachsprache, fachlicher Unterricht durch Ärzte und Zahnärzte, sowie eine zweimonatige Hospitanz im Klinik- oder Praxisalltag. Der Bedarf sei riesig, weiß Beramí-Projektleiterin Sükriye Altun Mangel aus vielen Beratungsanfragen. Hatte sie bei der Vorbereitung des Programms mit 16 Teilnehmenden gerechnet, stünden nun über die 43 Teilnehmenden hinaus noch 57 Mediziner auf der Warteliste. Damit diese 2017 berücksichtigt werden können, würden noch weitere Fachdozenten gesucht.

Zahnärzte und Ärzte, die ihre Kenntnisse weitergeben wollen, können sich an Sükriye Altun Mangel und Atilla Vurgun wenden unter altun@mangel.de und vurgun@berami.de

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