Lade Inhalte...

Flüchtlinge in Frankfurt Deutschkurse für Migranten bestreikt

Freiberufliche Lehrkräfte, die an der VHS Deutschkurse für Flüchtlinge in Frankfurt geben, streiken und fordern höhere Honorare. Einige Kräfte seien „Hartz-IV-gefährdet“.

Fordern „Fair Pay für DaF-Kursleiter“: Die Deutschlehrkräfte an der Volkshochschule. Foto: peter-juelich.com

Der Schlüssel zur Integration liegt im Hinterhof der Volkshochschule (VHS). Dutzende Lehrkräfte für Deutsch als Fremdsprache (DaF) haben sich in Schlüsselform aufgestellt um darauf hinzuweisen, dass sie es sind, die die Forderung, Zugewanderten frühzeitig Deutsch beizubringen, in die Tat umsetzen. Weil sie dafür aber nicht angemessen entlohnt würden, haben sie am Donnerstagvormittag ihre Arbeit niedergelegt. Auch einige ihrer ausländischen Schülerinnen und Schüler gesellten sich aus Solidarität hinzu.

„Wir sind in einer prekären Situation“, sagt Jens Weissenberg von der Initiativgruppe DaF, zu der sich die freiberuflichen Deutschlehrkräfte an der VHS zusammengeschlossen haben. Einige seien „Hartz-IV-gefährdet“, andere arbeiteten täglich zwölf Stunden, um über die Runden zu kommen.

„Darunter leidet nicht nur die Qualität des Unterrichts, sondern auch unsere Gesundheit.“ Aktuell erhielten DaF-Lehrkräfte je nach Kursart 21,50 bis 24 Euro die Stunde. Zum August habe die VHS-Leitung zwar eine Erhöhung auf 26 Euro angekündigt. Dies sei aber „völlig unzureichend“, so Weissenberg. Die Initiativgruppe fordere ein einheitliches Mindesthonorar von 35 Euro. Auf diesen Betrag plant das Bundesinnenministerium die Honorare für Integrationskurse anzuheben. Dies träfe aber nur einen Teil der Deutschkurse, so Weissenberg. Wer selbstzahlende Migrantinnen und Migranten unterrichte, erhalte weniger als im Integrationskurs, künftig also 26 Euro.

„Diese Honorarunterschiede sind ungerecht und führen zu einer Spaltung der Kursleiterschaft“, heißt es im Streik-Aufruf. „26 Euro hört sich viel an, aber ihr müsst euch selbst versichern, für eure Rente vorsorgen und dürft auch nicht krank werden“, rief Anja Golder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen den Protestierenden zu. Auch Vor- und Nachbereitungszeiten, sowie verdienstfreie Zeiten, etwa zwischen zwei Kursen müssten selbst überbrückt werden, ergänzte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Karola Stötzel. „Dieser rechtlose Zustand gehört abgeschafft. Eigentlich fordern wir die Festanstellung der Deutschlehrer, mindestens aber den Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche Personen.“

VHS-Direktorin Truda Ann Smith sagte der FR, sie sei mit den rund 130 DaF-Lehrkräften „im Gespräch“. „Es ist nicht so, dass wir uns nicht bewegen.“ Sobald die Bundesentscheidung gefallen sei, werde man die Honorar-Erhöhung durch Geld vom Bund finanzieren können. Für die Kurse, die nicht über Drittmittel finanziert werden, sondern nur über Kursentgelte und den kommunalen Zuschuss, sei eine Honoraranpassung aber „nicht in gleichem Tempo und in gleicher Höhe möglich“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum