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Flüchtlinge in Frankfurt Chat nach Syrien

Um ihre Familien zu kontaktieren, brauchen Flüchtlinge Internet. „Freifunk Frankfurt“ spendiert ihnen einen Zugang. Mittels technischer Tricks umgehen die Netz-Enthusiasten dabei die Störerhaftung. Juristisch ist dieses Vorgehen noch nicht eindeutig geklärt.

Flüchtlinge aus dem Irak hoffen am Münchner Bahnhof auf Internetzugang. Foto: dpa

WhatsApp, Facebook, Skype und Viber: Wer Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea oder Afghanistan fragt, wie sie Kontakt zu ihrer Familie und ihren Freunden zu Hause halten, der bekommt als Antwort sofort die Namen der üblichen Chat-Dienste genannt. Smartphone und Internet sind für die meisten die einzige Möglichkeit, ihre Angehörigen wissen zu lassen, dass sie in Deutschland angekommen sind, dass es ihnen einigermaßen gut geht.

So ist es auch bei der Gruppe von Afghanen und Pakistanern, die vor der Sporthalle Süd in Sachsenhausen beisammenstehen. Seit Ende Juli leben sie jetzt mit insgesamt 50 Flüchtlingen notdürftig in der großen Turnhalle, die fehlende Privatsphäre und das ungewohnte Essen machen ihnen zu schaffen, sagen sie.

Hanif, der am besten Englisch spricht, übersetzt für die anderen. „Es ist wichtig, dass es Internet gibt, um überhaupt Kontakt mit der Familie halten zu können“, sagt der 23-Jährige, der aus Afghanistan geflohen ist. Freunde und Verwandte machten sich schließlich Sorgen, wenn man die weite Flucht nach Europa wage. Alle hier hätten deshalb die Apps der bekannten Chatdienste auf ihren Telefonen installiert, sagt Hanif, egal ob WhatsApp oder den Messenger von Facebook. „Wir nutzen die alle“, sagt er.

Auch Hasan kann seine Familie nur kontaktieren, wenn er eine stabile Internetverbindung hat. Der schüchterne 20-Jährige ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und hat sich bis nach Frankfurt durchgeschlagen. Viele seiner Familienmitglieder seien ebenfalls auf der Flucht und steckten derzeit in Griechenland oder in der Türkei fest, sagt er leise. Nur über das Internet könne er sich mit ihnen austauschen und versuchen, ihnen von Frankfurt aus irgendwie zu helfen.

All diese Geschichten haben Timur Beygo und Manfredo Mazzaro motiviert, die Sporthalle Süd ans Netz anzuschließen. Die beiden Aktivisten vom Verein „Freifunk Frankfurt“ haben spontan zwei WLAN-Router aufgebaut, als die Notunterkunft geöffnet wurde. Das sei eine Art solidarischer Nothilfe, sagt Manfredo Mazzaro. „Die Leute gehen sonst mit ihrem wenigen Geld ins Internet, weil es ihnen so wichtig ist.“ Über eine Freundin habe er Kontakt zum Deutschen Roten Kreuz aufgenommen, das die Unterkunft betreibt, zwei Wochen später hätten die Flüchtlinge WLAN-Zugang gehabt. Internet zur Verfügung zu stellen, sei ein wichtiger Beitrag, findet auch Timur Beygo. „Wenn Bürger neu anfangen wollen in der Flüchtlingshilfe, dann ist das ein guter Einstieg.“

Freifunk-Initiativen gibt es bundesweit, sie kümmern sich auch abseits der Flüchtlingshilfe darum, kostenloses, anonymes Internet zur Verfügung zu stellen. Mittels technischer Tricks umgehen die Netz-Enthusiasten dabei die Störerhaftung, also die juristische Haftung desjenigen, der seinen Netzzugang mit anderen teilt. Juristisch ist dieses Vorgehen noch nicht eindeutig geklärt, gerade bei staatlichen Behörden gibt es daher noch Bedenken. Man sei gerade dabei, sich zu der Freifunk-Idee für Flüchtlinge eine Meinung zu bilden, heißt es im Dezernat von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Man müsse die Bedürfnisse von Flüchtlingen, den Betreibern der Unterkünfte und auch der Sicherheitsbehörden abwägen.

Dierk Dallwitz vom Roten Kreuz in Frankfurt hat sich bei der Sporthalle Süd über alle Bedenken hinweggesetzt. Einige Kollegen in Nordrhein-Westfalen hätten auch schon mit Freifunkern kooperiert, sagt er, deshalb habe er der Idee als „Testballon“ spontan zugestimmt. „Es hat einen Nutzen gehabt, der für die Flüchtlinge direkt spürbar geworden ist“, sagt Dallwitz. Da die Flüchtlinge aus der Sporthalle Süd jetzt an den Dornbusch umzögen, müsse man sehen, was am neuen Standort möglich sei. Aber er vertraue auf die Freifunker, sagt Dallwitz. „So wie ich die kennengelernt habe, werden die auch da was möglich machen.“

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