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Flüchtlinge in Frankfurt Afrikaner sollen ausziehen

Die Diakonie will ihre Räume im Nordend künftig der Stadt für zugewiesene Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Die dort lebenden afrikanischen Migranten ohne Bleibeperspektive müssen deshalb gehen. Project Shelter kritisiert das und spricht von drohender Räumung.

Die Gutleutkirche war erste Zufluchtsstätte für die Mittelmeer-Flüchtlinge. Foto: Peter Jülich

Die sogenannten „Lampedusa-Flüchtlinge“, die zunächst in der Gutleutkirche Obdach fanden und seit dem Sommer 2015 in Räumen des Evangelischen Regionalverbands in der Rotteckstraße im Nordend wohnen, werden ihre Unterkunft bald verlassen müssen. Stattdessen sollen dort der Stadt Frankfurt zugewiesene Flüchtlinge untergebracht werden, die im Gegensatz zu den 16 meist über Italien eingereisten Afrikanern das deutsche Asylverfahren durchlaufen und Anspruch auf entsprechende staatliche Unterstützung haben.

„Wir haben von Anfang an gesagt, dass es sich nur um eine temporäre Lösung handelt, weil wir das Gebäude umbauen wollen“, sagte der Leiter der Diakonie, Michael Frase, der FR. Frase widersprach jedoch der Darstellung der Gruppe Project Shelter, wonach eine Räumung direkt bevorstehe. Ein konkretes Auszugsdatum gebe es nicht, Ziel sei aber ein Auszug noch im Frühjahr. Die Kirche könne die Afrikaner, die keine realistische Perspektive auf Arbeitsmarktintegration in Deutschland hätten, nicht dauerhaft beherbergen. „Wir arbeiten mit den Bewohnern an einvernehmlichen, individuellen Einzelfalllösungen“, sagte Frase.

Von Rückkehr überzeugen

Aktuell lebten noch 16 von ursprünglich 24 Menschen aus verschiedenen afrikanischen Ländern in dem Gebäude, sagte Frase. Die übrigen habe man, auch finanziell, dabei unterstützt, entweder in ihre Heimatländer zurückzukehren oder nach Italien, wo die meisten Männer nach ihrer Flucht aus Libyen über das Mittelmeer einst registriert wurden, von wo aus sie dann aber mangels Jobperspektive weiter gen Norden gezogen waren.

Das Project Shelter, das sich seit mehr als einem Jahr für wohnungslose Migranten und ein selbstverwaltetes migrantisches Zentrum einsetzt, hatte in einer Pressemitteilung von einer drohenden Räumung geschrieben. Es sei „mit einer baldigen polizeilichen Überraschungsaktion zu rechnen“, nach der die Männer erneut obdachlos wären. Lisa Bogerts vom Project Shelter kritisierte gegenüber der FR, dass verschiedene Migrantengruppen gegeneinander ausgespielt würden, da der Regionalverband das Gebäude künftig dazu nutzen wolle, der Stadt zugewiesene Flüchtlinge unterzubringen.

In der Tat würden bereits in den nächsten Tagen erste zugewiesene Flüchtlinge in die Rotteckstraße einziehen, bestätigte Michael Frase. Sie würden aber bereits renovierte Wohnungen in der vierten und fünften Etage beziehen und nicht die unteren Stockwerke, in denen die Lampedusa-Migranten momentan lebten. Diese sollten aber später ebenfalls als Flüchtlingswohnungen genutzt werden. Was passiere, falls die Afrikaner nicht freiwillig auszögen, ließ Frase offen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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