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Flüchtlinge in der Schule Deutsch lernen allein genügt nicht

Experten formulieren Anforderungen an die Bildung von Flüchtlingen. Zwar ist die Sprachförderung sehr wichtig, doch dabei kommt oft anderes zu kurz.

Lesen, schreiben und - natürlich - auch rechnen will gelernt sein. Foto: Rolf Oeser

Tausende von minderjährigen Flüchtlingen sind in den vergangenen 15 Monaten nach Hessen gekommen, mehr als 26 000 Kinder und Jugendliche fast ohne Deutschkenntnisse besuchen Hessens Schulen. Deutschförderung steht deshalb ganz oben auf der Liste der notwendigen Maßnahmen – doch damit ist es bei Weitem nicht getan. Das wurde am Freitag bei der Anhörung von Expertinnen und Experten in der Enquete-Kommission des Landtags deutlich.

„Das Scheitern setzt häufig ein, wenn diese Kinder und Jugendlichen aus der intensiven Sprachförderung in den normalen Unterricht wechseln“, sagte Mona Massumi von der Universität Köln. Es dauere fünf bis sechs Jahre, bis Seiteneinsteiger das sprachliche Niveau erreicht hätten, das sie zu einem erfolgreichen Bildungsabschluss befähige. Doch die Maßnahmen zur Förderung würden oft nur ein bis zwei Jahre gewährt. Zudem kämen in der Sprachförderung der Fachunterricht und die Berufsorientierung zu kurz.

Einen Zielkonflikt zwischen der intensiven Sprachförderung und der Vermittlung weiterer Kompetenzen sieht auch Birgit Becker von der Frankfurter Goethe-Universität. Sie sprach sich dafür aus, die Zeit in „Ausländerklassen“ so kurz wie möglich zu halten und die Sprachförderung auch nach dem Wechsel in eine normale Klasse weiterzuführen. „Ziel muss es sein, alle zum Reden zu bringen“, sagte Becker. Dafür seien intensive Fortbildungen der Lehrkräfte nötig.

Sie kritisierte, dass Potenziale der Kinder und Jugendlichen häufig nur unzureichend erfasst würden, die Zuweisung an eine bestimmte Schulform oft zufällig erfolge. Dort blieben sie dann unabhängig von ihrem Leistungsvermögen „hängen“. Lehrkräfte müssten daher in ihren Diagnosefähigkeiten fortgebildet werden.

Neben Deutsch müssten Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften, Politik, Wirtschaft und Ehtik vermittelt werden, forderte Annette Greilich von der Arbeitsgemeinschaft der Berufsschuldirektoren. Dies sei nötig, um die oft mangelnde Schulbildung aus den Herkunftsländern ausgleichen zu können.

Schwer durchschaubare Konflikte

Der Abgeordnete Gerhard Merz (SPD) merkte an, viele Familien der Geflüchteten seien nicht in der Lage, ihre Kinder beim Schulbesuch zu unterstützen. Um diese Familien besser einzubeziehen, müsse verstärkt die Jugendhilfe mitarbeiten. Zudem brauche es mehr Sprachvermittler, um die Kontakte überhaupt zu ermöglichen.

Die Personalratsvorsitzende der Lehrkräfte in Hessen, Angela Scheffels, berichtete von zahlreichen Konflikten zwischen Flüchtlingen und anderen Schülern sowie innerhalb der Gruppe der Flüchtlinge selbst. „Diese Konflikte sind von den Lehrkräften oft nicht zu durchschauen“, sagte Scheffels. „Es gibt massive Probleme mit Anfeindungen und Übergriffen.“ Die Schulen bräuchten deshalb mehr Sozialpädagogen und Sozialarbeiter. Auch würden mehr Schulpsychologen benötigt. Ebenso wie bei den Lehrkräften für Deutsch als Zweitsprache seien diese aber zurzeit kaum zu bekommen.

Insgesamt sei es nötig, für junge Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund eine durchgängige sprachliche Förderung in allen Schulfächern und in der Berufsbildung einzurichten, betonte der Bildungsexperte Kai Maaz. Insellösungen für Flüchtlinge müssten vermieden werden.

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