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Feuerwerk Regeln gegen Knallerei

Immer mehr sommerliche Feste werden von einem Feuerwerk gekrönt. Im Rheingau leistet eine Bürgerinitiative Widerstand, weil die Anwohner den Lärm und Dreck nicht länger aushalten wollen. Jetzt arbeitet die Stadt an einer Gefahrenverordnung.

Die Anwohner wollen den Lärm und Dreck nicht länger ertragen. Foto: Andreas Arnold

Wer schon Silvester nicht mag, weil sich um Mitternacht Katze und Hund verkriechen, während Böller lautstark das neue Jahr ankündigen, muss immer öfter auch im Sommer leiden. Zu großen Festen gehört heutzutage ein Feuerwerk. Das gilt längst nicht nur für Großveranstaltungen wie am kommenden Sonntag wieder auf dem Frankfurter Museumsuferfest. Auch kleine Gemeinden krönen ihr Stadtfest mittlerweile gern mit Lichtfontänen und Raketen; Vereine eifern ihnen nach. Wer das bunte Spektakel liebt, kann beinahe jedes Wochenende irgendwo im Rhein-Main-Gebiet eines genießen.

Da wollen auch private Feierer mithalten. Feuerwerk ist auch bei Hochzeiten, runden Geburtstagen, rauschenden Sommerfesten in Mode gekommen. Doch es regt sich Widerstand gegen die bunte Knallerei, die nicht nur Lärm, sondern auch viel Feinstaub produziert. Im Rheingau, einem mit Schlössern, Weinbergen und guten Restaurants reich ausgestatteten Landstrich, regt sich Widerstand. Weil es in Geisenheim so schön ist, wird dort besonders gern gefeiert, Hochzeitspaare stoßen oft im Vier-Sterne-Hotel Burg Schwarzenstein im Ortsteil Johannisberg auf ihr Glück an und lassen es dazu gern krachen. Im Sommer passiert das fast jedes Wochenende.

Weil Anwohner den Lärm und Dreck nicht länger aushalten wollen, gründeten sie im Sommer eine Bürgerinitiative und haben Unterschriften gesammelt. Jetzt arbeitet die Stadtverwaltung an einer Gefahrenabwehrverordnung. Frank Kilian (parteilos), seit fünf Jahren Bürgermeister in Geisenheim, will mit der örtlichen Rechtsvorschrift für Ruhe in Johannisberg sorgen.

Hochzeitspaare lassen es besonders gern krachen

Denn der Veranstalter ist formal im Recht, ein beauftragter Feuerwerker hat lediglich Anzeigepflicht. Wer kein Profi ist, sagt Kilian, haben in seiner Kommune ohnehin keine Chance. „Für Privatleute erteilen wir grundsätzlich keine Genehmigung“, sagt er, „wir wollen keinen Präzedenzfall schaffen.“

Die Gefahrenabwehrverodnung, die die Verwaltung derzeit erarbeite, berge jedoch ein Dilemma. Es sei wohl rechtlich nicht zulässig, die Zahl der Feuerwerke einzuschränken. „Entweder verbieten wir sie ganz oder gar nicht“, sagt Kilian. Er will sich für die neue Verordnung noch rechtlichen Beistand beim Hessischen Städte- und Gemeindebund holen, denn ein grundsätzliches Verbot würde auch das Sommerfest des Rheingau-Musikfestivals im Schloss Johannisberg und das Sommernachtsfest des Karnevalsvereins am Rheinufer betreffen – beides beliebte Veranstaltungen, die die Bürgerinitiative eigentlich auch nicht einschränken möchte.

Kilian setzt daher auf den Dialog mit dem Veranstalter, im Dezember soll die Gefahrenabwehrverordnung in der Stadtverwaltung beschlossen werden. „Damit haben wir eine gute Verhandlungsgrundlage“, sagt er. Michael Teigelkamp, Geschäftsführer der ins Kreuzfeuer der Kritik geratenen Burg Schwarzenstein wolle sich mit den Anwohnern verständigen, betont er. Er habe sich mit den anderen Festveranstaltern im Ort zusammengesetzt und einen Vorschlag erarbeitet. Die Böller sollen kleiner und etwas außerhalb des Ortes abgeschossen werden. Doch insgesamt 14 Feuerwerke pro Saison seien vertretbar, findet er.

Streit über Feuerwerk gibt es nicht nur im Rheingau. In oberbayerischen Ferienregionen wird schon länger über sommerliche Hochzeitsknallerei gestritten. Am Tegernsee einigten sich große Hotels mit Anwohnern schon vor zwei Jahren auf eine Selbstverpflichtung, in Schliersee beschäftigte das Thema vergangenen Sommer die Kommunalpolitiker, und in Mürnsee sind Feuerwerke zwar verboten, trotzdem geriet im Mai wegen illegal abgebrannter Raketen eine Rinderherde in Panik, wie lokale Medien berichteten. In der Schwarzwald-Gemeinde Schömberg erstritt sich ein Anwohner in diesem Jahr nach jahrelangem Rechtsstreit die Beschränkung der Feuerwerke bei privaten Feiern auf acht Genehmigungen pro Jahr.

In Bad Homburg soll Feuerwerk etwas besonderes bleiben

In anderen Städten im Rhein-Main-Gebiet, in denen auch gern gefeiert wird, stellt sich das Problem nicht. In Frankfurt zumindest ist Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamts, „keine einzige Beschwerde bekannt“. 24 Anträge auf privates Feuerwerk gingen in diesem Jahr bei der Stadt ein, die meisten nicht von professionellen Feuerwerkern, sondern von Bürgern, die mit dieser Genehmigung Raketen einkaufen und auf ihrem Grundstück anzünden dürfen. „Das läuft bei uns reibungslos“, sagt Jenisch.

Auch in Bad Homburg herrscht meist Ruhe. Außer an Silvester gibt es nur zwei Feuerwerke im Jahr, sagt Pressesprecher Andreas Möring: beim Laternenfest und dem Bad Homburger Sommer. Hochzeiten würden zwar auch in der Kurstadt reichlich gefeiert, das Golfhaus im Kurpark sei sehr beliebt. Mit Rücksicht auf die historische Anlage seien Feuerwerke dort jedoch nicht erwünscht, auch von anderen Restaurants gebe es hier keine Begehrlichkeiten. „Bei uns soll Feuerwerk ein besonderes Ereignis bleiben“, sagt Möring.

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