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Feuerwehr Hooligans am Löschschlauch

Eine nordhessische Dorffeuerwehr besteht zu mehr als einem Drittel aus rechtsextremen Fußballfans. Die sollen jetzt in einer „Ehrenerklärung“ ihren „extremistischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Bestrebungen“ abschwören.

25.07.2011 20:44
Carsten Meyer und Joachim F. Tornau
Im Blickpunkt: Mitarbeiter der Feuerwehr. Foto: Michael Schick

Bunt soll es zugehen bei Deutschlands Brandschützern. Unter dem Motto „Für ein offenes Miteinander!“ hob der Deutsche Feuerwehrverband kürzlich ein Integrationsprojekt aus der Taufe – und präsentierte die Freiwillige Feuerwehr aus dem nordhessischen Binsförth als leuchtendes Vorbild. Denn in dem kleinen Dorf im Schwalm-Eder-Kreis versieht eine der wenigen schwarzen Feuerwehrfrauen Deutschlands ihren Dienst.

Übersehen wurde bei aller Begeisterung über die aus Afrika stammende Stieftochter des Wehrführers jedoch, wer sich noch alles so in der kleinen Wehr engagiert: Neonazis und Fußball-Hooligans nämlich. Von den 24 Mitgliedern der Einsatzabteilung bekennen sich über soziale Netzwerke im Internet nicht weniger als neun zu der rechten Hooligan-Vereinigung „Rasselbande Cassel Hamburg“. Einer Gruppe, die von der Polizei als gewaltbereit eingestuft wird und die auf ihrer Internetseite noch bis vor kurzem stolz Fotos von den Ausschreitungen bei der Fußball-WM 1998 in Frankreich präsentierte. Damals hatten deutsche Hooligans in Lens einen französischen Gendarm ins Koma geprügelt.

Bilder verschwinden

Nachdem die „Rasselbande“ von den Recherchen der Frankfurter Rundschau Wind bekommen hatte, verschwanden zunächst die Bilder von der Seite – ebenso wie die „Empfehlung“ für die Rechtsrock-Hooligan-Band „Kategorie C“, die in ihren Liedern Schwarze als „aidsverseuchte Aasgeier“ beschimpft oder droht: „Euer Alptraum, der wird wahr / Die Deutschen sind wieder da!“ Und mittlerweile ist die Seite ganz aus dem Netz verschwunden.

Auf einen Nazi-Hooligan in den Reihen der Binsförther Feuerwehr hatte die Frankfurter Rundschau bereits vor einem Jahr aufmerksam gemacht. Folgen hatte das für Manuel S. – immerhin Gerätewart der Wehr – keine.

Der 27-Jährige behauptete, sich längst von der Szene gelöst zu haben und durfte im Amt bleiben. Dabei hatte er noch im April 2010 an einem Solidaritätskonzert für einen inhaftierten Neonazi der berüchtigten Kameradschaft „Freie Kräfte Schwalm-Eder“ (FKSE) teilgenommen. Auch danach trieb er sich weiter in einem braunen Internetforum herum – und ist bis heute Mitglied der „Rasselbande“.

Bürgermeister will handeln

Mit diesen Informationen konfrontiert, mag sich auch Bürgermeister Herbert Wohlgemuth nicht länger schützend vor den Feuerwehrmann stellen: Er sei „durch unwahre Beteuerungen geblendet worden“, räumt das parteilose Oberhaupt der Gemeinde Morschen, zu der das Dörfchen Binsförth zählt, selbstkritisch ein. Jetzt aber will der Bürgermeister handeln. Er sehe „keinerlei Möglichkeit der Vereinbarkeit“ zwischen der Freiwilligen Feuerwehr und einer Gruppierung wie der „Rasselbande“, erklärt Wohlgemuth. Er werde deshalb ein Ausschlussverfahren gegen Manuel S. beantragen.

Doch wie der Gerätewart stehen auch fast alle anderen der rechten Fußballfans in der Feuerwehr – darunter der Vize-Wehrführer und die stellvertretende Jugendfeuerwehrwartin – über soziale Internetnetzwerke in Kontakt zu rechtsextremen Funktionären aus der Region, zu den antisemitischen Hassmusikern der Band „Kommando Freisler“ oder sind Kunde des Kleidungsherstellers „Thor Steinar“. Dessen Produkte gelten als Erkennungszeichen der rechten Szene und sind deshalb im Bundestag ebenso wie in etlichen Schulen und Fußballstadien verboten.

Dennoch dürfen diese acht Brandschützer in der Binsförther Wehr bleiben, zumindest vorerst. Sie sollen lediglich eine „Ehrenerklärung“ unterzeichnen, in der sie „extremistischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Bestrebungen“ abschwören.

Vorverurteilung vermeiden

Erst wenn sie künftig dagegen verstoßen, droht ihnen der Ausschluss. Man wolle sich nicht dem „Vorwurf einer vorverurteilenden Hexenverbrennung aussetzen“, sagt der Bürgermeister. Und so hofft Wohlgemuth selbst bei Feuerwehrkamerad Jörn P., der die „Rasselbande“ vor 15 Jahren mitgegründet hat und dem die Internetseite der Vereinigung gehört, auf ein „belastbares“ Bekenntnis zur Demokratie. Dabei hat sich der einschlägig polizeibekannte 35-Jährige seine braune Gesinnung sogar eintätowieren lassen: Auf der Brust trägt er die SS-Parole „Unsere Ehre heißt Treue“ und auf dem Rücken den Zahlencode 88, der bei Neonazis für das verbotene „Heil Hitler“ steht.

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