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Festspiele in Bad Vilbel Stelldichein mit Pippi und den Nibelungen

Am Sonntag beginnt in Bad Vilbel die Festspiel-Saison. Das Programm ist seit 1987 stetig gewachsen.

05.05.2018 08:00
Schauspieler
Laura Bleimund spielt Pippi, Martin Bringmann Kapitän Langstrumpf. Foto: Monika Müller

Pippi Langstrumpf bereitet sich im ehemaligen Bürgerhaus auf dem Bad Vilbeler Heilsberg auf ihren großen Auftritt in der historischen Wasserburg vor. Seit einigen Wochen klettert Laura Bleimund, die Astrid Lindgrens Romanfigur mit den Sommersprossen und roten Zöpfen spielt, dafür fast täglich auf einer dreistöckigen bunten Holzkonstruktion herum.

In der Wasserburg verpassen Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt ihren Rollen in der Kinderoper „Hänsel und Gretel“ schon den letzten Schliff. Mächtige Bäume, deren Stämme sich öffnen lassen und die so zum Hexenhaus werden, bilden hier die Kulisse. Morgen ist Premiere. Proben für das Abendprogramm, das im Juni beginnt, finden unter anderem im Kurhaus und in einer Reithalle in Dortelweil statt. 

Die Vorbereitungen für die 32. Spielzeit der Burgfestspiele Bad Vilbel sind über die ganze Stadt verteilt.

Mit Fahnen im Kurpark, Bannern und Broschüren wird für sie geworben. An der S-Bahn-Unterführung Kasseler/Homburger Straße zieren Graffiti des Künstlerkollektivs Herakut zu den vier großen Abendinszenierungen die ansonsten tristen Betonflächen.

In der Theaterwerkstatt wird seit November gesägt, gehämmert, geschweißt. Viele Ensemblemitglieder haben für die Dauer der Spielzeit Zimmer unweit der Wasserburg bezogen. In Frankfurts Nachbarstadt grassiert einmal mehr das Festspielfieber. 

Mit dem Kartenvorverkauf, der bereits am 1. November begann, sei sie ganz zufrieden, sagt Festspiel-Dramaturgin Ruth Schröfel. Einzig bei den Nibelungen, Friedrich Hebbels Trauerspiel von 1861, das am 22. Juni Premiere hat, sei „Luft nach oben“. Für das Theater für Kinder, Pippi Langstrumpf, Hänsel und Gretel und Peter Pan, habe man bislang schon 22 000 Karten verkauft, so Schröfel.

In der Spielzeit 2017 hatten sich rund 105 000 Besucher die Vorstellungen in der Wasserburg, wo die Festspiele seit 1987 stattfinden, dem Theaterkeller und bei den auswärtigen Gastspielen angeschaut. Das war ein leichter Rückgang gegenüber 2016. Trotzdem blieben die Festspiele die am besten besuchten in ganz Hessen – vor Bad Hersfeld. Erstmals hatten sie 2014 die 100 000er-Marke geschafft. 

Dabei begann die Bad Vilbeler Erfolgsgeschichte ganz bescheiden, als sich im Sommer 1987 der Vorhang zu den ersten Burgfestspielen in der jahrhundertealten Ruine öffnete. Auf dem Spielplan stand mit Dario Niccodemis Komödie „Scampolo“ gerade mal ein Stück. Aufgrund der guten Resonanz vergrößerte sich das Programm alle paar Jahre. Aus wenigen Tausend Zuschauern wurden Zehntausende. Es kamen Gastspiele und musikalische Matineen hinzu. Das Theater für Kinder mit eigenen Inszenierungen gibt es seit 2011. Außerdem bieten die Burgfestspiele Workshops für Kinder und Jugendliche an. In diesem Jahr kann zum ersten Mal jeder Karten für einen „Blick hinter die Kulissen“ erwerben. 

Diese „Vielfalt“ im Programm sei ein Grund des Erfolgs, sagt Dramaturgin Schröfel. „Ihr habt ein Programm wie ein kleines Stadttheater“, habe sie schon einige Male zu hören bekommen. Außerdem wüssten die Leute, „dass die Qualität hier stimmt“. Die Kulisse der alten Burg, der sie umgebende Wassergraben und illuminierte Burgpark täten ein Übriges. „Es gibt Leute, die die Burg lieben“, sagt Schröfel. 

Im Vilbeler Rathaus weiß man um die Bedeutung der Burgfestspiele für die 35 000 Einwohner zählende Stadt. „Für den Kulturstandort Bad Vilbel sind die Festspiele essenziell“, sagt Stadtsprecher Yannick Schwander. Sie strahlten weit über die Region hinaus und gehörten zu den am besten besuchten Freiluftfestspielen Deutschlands. Die Stadt lässt sich das etwas kosten. Knapp 2,8 Millionen Euro beträgt laut Schwander das Festspiel-Budget in diesem Jahr; es sei ungefähr so hoch wie 2017. Das Land Hessen steigerte seine Förderung der Burgfestspiele in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich. Lag sie 2014 noch bei 7000 Euro, sind es laut einem Sprecher des Hessischen Wissenschafts- und Kunstministeriums in diesem Jahr 55 000 Euro. Es ist Geld, das den Kinderproduktionen zugute kommt. 

Sie werden die Burgfestspiele von morgen an auch in gewohnter Manier einleiten. Den Auftakt machen am Sonntag Hänsel und Gretel. Pippi Langstrumpfs Stunde schlägt am 13. Mai in der Burg. Dann wird sich die bunte Holzkonstruktion auf der Bühne drehen und sich das freche, lebensfrohe Mädchen dort seinen Platz in der Welt erobern. Martin Bringmann, der Pippis Vater Kapitän Langstrumpf spielt, sagt, das gelinge ihr nicht zuletzt durch „Begeisterungsfähigkeit“. Auf die wird es auch beim Publikum ankommen. 

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