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Festival Visionale 09 Vom Musikvideo bis zum Trickfilm

"Marivanna" ist der Beitrag der 27-Jährigen Olga Petrova zur Visionale, dem Festival der Kinokunst junger Menschen. Junge Künstler zeigen ihre Arbveiten beim größten hessischen Jugendfilmfestival. Von Anne Lemhöfer (Mit Video)

Leben und Tod als Stick-Teppich: Olga Petrovas "Marivanna". Foto: Petrova

"Am 2. März 1904 wurde ich geboren, als eines von 16 Kindern, von denen die Hälfte starb." Das erzählt Olga Petrova im Plauderton. Es ist der Beginn ihres fünfminütigen Animationsfilms "Marivanna", der Abschlussarbeit der 27-Jährigen zum Ende ihres Studiums an der HfG in Offenbach. Ein computeranimierter Stick-Teppich - mit Absicht, wie Olga Petrova sagt, klischee-russisch angehaucht - erzählt das Leben ihrer Urgroßmutter.

Es ist ihr Beitrag zur Visionale, zum Festival der Kinokunst junger Menschen, bei dem erste Kamera-Experimente von Schülern genauso ihren Platz finden wie die handwerklich ausgefeilten Kurzfilme hessischer Filmstudenten, die als "Young Professionals" eine eigene Wertungskategorie besetzen. Zu ihnen gehört Olga Petrova. 87 Filme laufen von Freitag, 27., bis Sonntag, 29. November, im Frankfurter Gallus Theater.

Olga Petrovas Teppich entrollt sich im Stil eines PC-Spiels der ersten Generation. In immer gleich lapidarem Duktus kommt Petrova von der Liebe ("Mit 14 sah ich meinen Zukünftigen zum ersten Mal") über den Schrecken ("Mit 17 fand ich ihn regungslos, krank und erfroren vor unserem Haus") zum brutalen Alltag im Russland des frühen 20. Jahrhunderts ("Nach dem Typhus kam der Bürgerkrieg"). Eine Geschichtsstunde im Schnelldurchlauf, in der geliebt, gestorben, gelitten, verkraftet, neu angefangen wird - ohne dass die Zeit auch nur einen Moment innehält.

Marivanna from olga petrova on Vimeo.

Vom Musikvideo bis zum Krimi voller Spezialeffekte, von der Liebesgeschichte bis zum Trickfilm: Die Bandbreite der eingereichten Arbeiten für die Visionale ist enorm. Da hat eine Projektgruppe der Neu-Isenburger Goethe-Schule ein Video zu Mobys "Why does my heart feel so bad?" hergestellt, bei dem ein fieser roter Zettel einem jungen Mann verlässlich im falschen Moment aus der Tasche fällt und mehrere gerade aufkeimende Beziehungen versaut: Die Frauen schauen drauf, und weg sind sie. Unschön: Der Zettel symbolisiert sein wahres Ich, das er unzureichend versteckt. Als ein Plädoyer für die offensiv gelebte eigene Identität wollen die Schüler die Geschichte (mit Happy End) verstanden wissen.

Durchaus martialischer geht es bei "In der Gewalt des Trixxers" zu. Im Film der Kinder aus der Kita Feuerwache im Frankfurter Nordend versetzt "ein Supergangster ganz Mainhätten" in Aufruhr.

Meist zum allerersten Mal zeigen die jungen Künstler ihre Produktionen auf dem größten hessischen Jugendfilmfestival, einer gemeinsamen Veranstaltung von Medienzentrum Frankfurt, Jugend- und Sozialamt, Gallus Zentrum, Gallus Theater und Filmhaus Frankfurt. Die 87 Filme laufen in vier Blöcken - geordnet nach dem Alter der Einreichenden: Neben einer Kinderkategorie bis 14 Jahre gibt es die Jugendkategorie bis 19 und eine weitere bis 27 Jahre. Der Eintritt zur Visionale ist an allen Tagen frei.

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