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Ferienresort Beberbeck Jetzt geht’s ums Geld

Das Aus für das Ferienresort im nordhessischen Beberbeck droht zum finanziellen Fiasko für Hofgeismar zu werden. Die Besitzgesellschaft hat Insolvenz angemeldet. Wird das Verfahren eröffnet, muss die Stadt für ihre Bürgschaft in Höhe von 3,5 Millionen Euro einstehen.

Staatsdomäne Beberbeck in Nordhessen. Foto: dpa

Das Aus für das Ferienresort im nordhessischen Beberbeck droht zum finanziellen Fiasko für Hofgeismar zu werden. Die Besitzgesellschaft hat Insolvenz angemeldet. Wird das Verfahren eröffnet, muss die Stadt für ihre Bürgschaft in Höhe von 3,5 Millionen Euro einstehen.

Wem die Domäne Beberbeck nicht gehört, der kann ihre Grundstücke nicht verkaufen. Nach dieser einfachen Logik hapert es der Besitzgesellschaft Domäne Beberbeck mbH & Co.KG, einem Tochterunternehmen der nordhessischen Stadt Hofgeismar, mittlerweile an einer Geschäftsgrundlage. Ohne Grundstücksverkäufe kann sie aber auch ihre Ausgaben nicht wieder hereinholen.

Die kommunale Firma, die einst gegründet wurde, um die Vision von Europas größtem Tourismusprojekt voranzutreiben, hat beim Kasseler Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt.

Das Ringen um die Verteilung der finanziellen Schäden aus dem Großvorhaben hat damit begonnen. Nach dem Scheitern des Projekts drohen Hofgeismars Bürgern Belastungen von 3,5 Millionen Euro. Denn in dieser Höhe hatte die Stadt für Kredite gebürgt, mit denen die Besitzgesellschaft wirtschaften konnte. Insgesamt habe die Planung noch mehr gekostet, ist sich der SPD-Fraktionsvorsitzende des Städtchens, Frank Nikutta, sicher. Denn schon vor Gründung der Besitzgesellschaft habe die Stadt Geld für das Beberbeck-Projekt ausgegeben.

Die Bürgschaft über die ersten zwei Millionen Euro für die Besitzgesellschaft habe seine Fraktion auch mitgetragen, räumt Nikutta ein. Dann aber kam 2009 Klaus Sterns Dokumentarfilm „Henners Traum“ in die Kinos. Auf der Leinwand konnten die Hofgeismarer plötzlich ihrem Bürgermeister Heinrich Sattler (CDU) bei der Investorensuche zusehen – aber auch dabei, wie wenig erfolgreich diese bisher tatsächlich verlaufen war. Die Bewilligung weiterer 1,5 Millionen erhielt deutlich dünnere Unterstützung. Man habe „für dieses Abenteuer“ nicht mehr zur Verfügung stehen wollen, sagt etwa Nikutta.

Sondersitzung im Parlament

Wie der Insolvenzantrag beschieden wird, ist noch offen. Der zuständige Richter sei zurzeit in Urlaub, erläuterte am Freitag Amtsgerichtssprecher Reinhold Kilbinger. Einer der beiden Geschäftsführer der Besitzgesellschaft, Wilfried Eckart, beschreibt den Vorgang allerdings ohnehin eher als Formsache: Auf Empfehlung der Steuer- und Rechtsberater hätten er und sein Kollege den Antrag gestellt. Dass die Bürgschaften der Stadt greifen müssten, wenn die Besitzgesellschaft keine Einnahmen erzielen könne, sei bekannt: „Dieses Risiko ist bei der Beschlussfassung deutlich gemacht worden.“

Wie viel der 3,5 Millionen Euro die Besitzgesellschaft tatsächlich ausgab, wie viel die Finanzberatungs-, Steuerberatungs- und Planungsbüros erhielten, die für das Projekt bemüht wurden, wissen die Bürger bis heute nicht. Bis heute wüssten die Stadtverordneten auch nicht, mit welchen Investoren der Bürgermeister angeblich bis zuletzt verhandelt habe, beklagt SPD-Mann Nikutta. Am kommenden Mittwoch geht die Aufarbeitung im Parlament weiter – in einer Sondersitzung. Auch ein Nachtragshaushalt müsse her, sagt Nikutta. Schon im bisherigen Etat stehe die Stadt mit rund zwei Millionen Euro im Minus.

Hessens Grünen-Fraktion forderte gestern die Landesregierung auf, Hofgeismar mit den Beberbeck-Schulden nicht alleinzulassen. Wiesbaden habe zu lange tatenlos zugesehen, wie sich die Kleinstadt übernehme.

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