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Wiesbaden Fastnacht Kirchengemeinde zensiert Kinderkostüme

In einem evangelischen Kindergarten in Wiesbaden dürfen sich die Kleinen an Fastnacht nicht als Zauberer oder Hexen verkleiden. Derartige Verkleidungen seien für Gott "ein Gräuel", sagt der zuständige Pfarrer. Eine Mutter beschwert sich wegen der Kostüm-Zensur.

Harry Potter hätte in einem evangelischen Kindergarten in Wiesbaden keine Chance. Foto: rtr

In einem evangelischen Kindergarten in Wiesbaden dürfen sich die Kleinen an Fastnacht nicht als Zauberer oder Hexen verkleiden. Derartige Verkleidungen seien für Gott "ein Gräuel", sagt der zuständige Pfarrer. Eine Mutter beschwert sich wegen der Kostüm-Zensur.

In Wiesbaden tobt ein närrischer Streit. Kleine Zauberer, Hexen oder Teufel sind an Fastnacht im Kindergarten der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde unerwünscht. „In der Heiligen Schrift steht, dass die Menschen von Zauberern und Hexen die Finger lassen sollten“, sagte Pfarrer Friedrich-Wilhelm Bieneck am Freitag. „Für Gott ist es ein Gräuel.“ Deshalb sollten die Kleinen auf diese Kostüme verzichten. In der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wird die Haltung des Pfarrers zu den Kinderkostümen mit deutlich gemischten Gefühlen bewertet. „Theologisch halte ich das für überzogen“, sagt Pressesprecher Volker Rahn. „Für die Mehrzahl der Evangelischen hängt das Christenheil nicht an Kinderkostümen.“

Mutter beschwert sich

Öffentlich wurde der Kostümstreit, weil sich eine Mutter in einem Leserbrief darüber beschwert hatte. Daraufhin berichtete das „Wiesbadener Tagblatt“ am Freitag über den Vorfall. Demnach ging es dem Kindergarten ursprünglich um Halloween, das der Kindergarten nicht feiert. Dennoch war der vierjährige Sohn der Frau dem Bericht zufolge am 31. Oktober als Zauberer verkleidet im Kindergarten erschienen. Die Kindergartenleiterin soll dem Kleinen vorgeschlagen haben, den Hut abzunehmen und lieber „Superman“ zu sein. Doch die Mutter zog dem Kind das Kostüm dann komplett aus.

Halloween werde nicht gefeiert, weil es kein christlicher Brauch sei, sagte dazu Bieneck. Dagegen gebe es im Fasching traditionell Kostümpartys im Kindergarten, die aber Mottos hätten wie das Thema „Baustelle“ oder „Tiere“. Am Ausschluss von Zauberern im Kindergarten habe bisher niemand Anstoß genommen – mit Ausnahme der Mutter. Er habe der Frau, die sich in der Einrichtung sehr engagiere, die Haltung der Gemeinde in einem mehrseitigen Brief deutlich gemacht.

Wie Rahn erklärt, sei nichts dagegen einzuwenden, dass der Kindergarten ein konservatives Profil zeige. Solche Vielfalt sei „evangelisch und gewollt“. Die große Mehrzahl der evangelischen Kindertagesstätten habe jedoch mit der Kostümierung der Kinder als Hexe oder Zauberer an Fasching kein Problem.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Fastnacht Rhein-Main

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