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Fastnachtszug Mainz Rekord-Rosenmontagszug in Mainz

Nach der wetterbedingten Absage im vergangenen Jahr herrscht diesmal wieder fröhliche Stimmung am Rosenmontag in Mainz. Die Sicherheitsvorkehrungen waren wegen möglicher Terrorgefahr erhöht worden.

27.02.2017 20:44
Rosenmontagszug in Mainz 2017
Ein Kanonier sitzt in Mainz beim Rosenmontagszug auf der Kanone eines Motivwagens. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Hunderttausende Narren haben in Mainz friedlich den bisher längsten Rosenmontagszug der Stadt gefeiert. Der närrische Lindwurm aus fast 10 000 Teilnehmern rollte mit neun Kilometern Länge durch die Innenstadt. Bei frühlingshaftem, trockenen Wetter säumten am Montag zahlreiche verkleidete Zuschauer die Straßen und riefen «Helau!». Der Zug fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt - für größere Lkw galt ein Fahrverbot. Die Polizei sprach von einem ruhigen Verlauf. Im vergangenen Jahr war der Zug wegen einer Sturmwarnung abgesagt worden.
Der Mainzer Carneval-Verein (MCV), der den Umzug organisiert, ging von mehr als einer halben Million Besuchern aus. Es dürfte so voll sein wie vor zwei Jahren, sagte MCV-Sprecher Michael Bonewitz. Damals seien es geschätzt 550 000 Menschen gewesen. Bei der Straßenfastnacht laufe es in diesem Jahr auf eine Rekordbeteiligung hinaus.

Beim Zug machten 120 Reiter, 70 Musikgruppen, 32 Zugpferde und 92 Fahnen- und Schwellkopp-Träger, also Träger überdimensionierter Köpfe aus Pappmaché, mit. In diesem Jahr zogen US-Präsident Donald Trump (als «Trumpeltier»), der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan und der Brexit auf den Motivwagen den Spott der Mainzer Narren auf sich. Bis zu 160 Tonnen Süßigkeiten wurden geworfen.

Nach der Zwangspause im vergangenen Jahr waren diesmal 154 Zugnummern angemeldet - so viele wie noch nie. Für noch mehr Zugteilnehmer reicht der Platz zum Aufstellen laut Zugmarschall Markus Perabo nicht. Als kleine Spitze in Richtung Kölner Karneval sagte er: «Wir wollen nicht den längsten, wir wollen den schönsten Rosenmontagszug haben.»

Die Polizei zog eine positive vorläufige Bilanz. Der Rosenmontagszug sei bis zum Nachmittag relativ ruhig verlaufen. Kleinere Streitigkeiten, meist wegen Alkohols, hätten die Einsatzkräfte zügig unterbinden können. Bei 100 Kontrollen meist jüngerer Leute stellte die Polizei zwölf Liter hochprozentigen Alkohol sicher.

Ein neunjähriges Kind wurde für kurze Zeit vermisst, aber wiedergefunden. Zwei Kinder suchten ihre Eltern und fanden sie mit Hilfe der Beamten. Die Polizei bat die Fastnachter, ihren Urin nur in Toiletten zu hinterlassen. «Lasst die Hauswände trocken», schrieb sie bei Twitter. «Macht ihr bei euch zu Hause auch nicht ...»

Für die Sicherheit sollten rund 1000 Polizisten sorgen, dazu etwa 200 Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste. In der Innenstadt galt ein Fahrverbot für Lastwagen ab 3,5 Tonnen. Größere Fahrzeuge wie Müllautos und Drehleiterwagen der Feuerwehr wurden so positioniert, dass Zufahrten zur Zugstrecke blockiert waren. Das Glasverbot wurde offensichtlich kaum durchgesetzt - überall flogen Sektkorken, Weinflaschen wurden entkorkt. Viele Narren kamen laut Polizei der Bitte nach, keine echt aussehenden Spielzeugwaffen mitzunehmen. Sie seien nur vereinzelt sichergestellt worden.

Auch viele Politiker feierten mit. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte auf die Frage, ob sie es genieße, eine Pause von der politischen Arbeit zu haben: «Ja, aber fröhlich bin ich ja eigentlich immer.» CDU-Landeschefin Julia Klöckner war doppelt mit von der Partie. Sie lief in der Uniform der Mainzer Ranzengarde mit und auf einem Motivwagen saß eine Karikatur von ihr eingeklemmt in der «Maus(s)efalle» - eine Persiflage auf die Affäre um anonyme Spenden an die CDU in Rheinland-Pfalz, die Ex-Geheimagent Werner Mauss zugerechnet werden. «Das ist Fassenacht», sagte Klöckner lachend.

Die Wagen setzten sich um 11.11 Uhr in Bewegung. Rund um den Zug mit dem Motto «De Dom gehört zu Meenz am Rhoi, wie Fassenacht, Weck, Worscht un Woi» wurde geschunkelt, getanzt und gefeiert. Anders als in früheren Jahren war die «Zug-Ente» nicht der Abschluss des Rosenmontagszuges. Das Gefährt - nach MCV-Angaben ein mehr als 30 Jahre alter VW Käfer mit übergestülpter Ente - fiel aus. Vermutlich sei ein Marderschaden die Ursache gewesen, sagte MCV-Sprecher Bonewitz. Bei einem Zugwagen betätigte sich die Polizei als Freund und Helfer - mehrere Kollegen leisteten Anschubhilfe bei einer Panne. (dpa)

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