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Fastnachtsumzug in Frankfurt Frankfurter Narren setzen auf Altbewährtes

Beim Frankfurter Fastnachtsumzug, dem größten in Hessen, gibt es in diesem Jahr nicht viel Neues. Viele Motivwagen und Mitläufer kennt man schon aus den vergangenen Jahren.

Fastnacht in Frankfurt
Trainer Niko Kovac als Superman: Da kann ja nichts mehr schiefgehen für die Eintracht. Foto: Michael Schick

Der mit Abstand komischste, subversivste, doppelbödigste Moment des Fastnachtszugs spielt sich ab, als der Zug noch gar nicht da ist. Etwa eine Viertelstunde vor den ersten Zugteilnehmern fährt ein Cabrio mit prächtig ausstaffierten Fastnachtsprinzen einsam durch die Braubachstraße. „Wo habt Ihr dann Euer Volk gelasse?“, ruft ein Zuschauer, die Prinzen zucken die Achseln. Anfangs hofft man noch, dies sei ein gelungener humoriger Auftakt, ein närrisches Gleichnis dafür, wie weit sich Regierung und Volk mittlerweile voneinander entfernt haben.

201 Zugnummern später weiß man: Die Prinzen sind einfach zu schnell gefahren.

Wer den Frankfurter Fastnachtsumzug besucht, der weiß aus Erfahrung: Es wird laut. Von jedem zweiten Wagen plärrt Ballermann-Musik in trommelfellkritischer Lautstärke. Aus den Lautsprechern an der Ehrentribüne dröhnt der Song eines gewissen Sandy Sahne. Sein „Schneepinkelsong“ thematisiert einen Mann, der sein Leben dem Biertrinken und Wasserlassen gewidmet hat. „Ich schreibe mit Pipi meinen Namen in den Schnee“, singt Sandy Sahne, „ich trink‘ noch einen Schluck und schon hab ich wieder Druck.“ Na dann Helau!

Angesichts der Musikauswahl der Organisatoren, die sich ganz offenbar an Volltrunkene und Kleinkinder richtet (und damit tatsächlich einen großen Teil der Zuschauer direkt anspricht), ist man beinahe froh, dass der dem Zug voranschreitende Spielmannszug Werratal Sahnes Notdurft-Schlager mit „El Condor Pasa“ übertönt. Wenn man sich an „El Condor“ erfreut, dann ist vermutlich Faschingszeit!

Viele Motivwagen und Mitläufer des Fastnachtszugs kennt man schon aus den vergangenen Jahren. Die Schwellköpp, der Struwwelpeter – alles gute alte Bekannte, deren Wiedersehen auch tatsächlich ein bisschen Freude bereitet. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der erste Motivwagen auftaucht, den man noch nicht gesehen hat: Er zeigt Eintracht-Trainer und Eintracht-Adler beim Freudentänzchen. Das war es dann aber auch mit der Tagesaktualität. Angeblich, so stand es irgendwo geschrieben, soll es auch einen Motivwagen geben, der Donald Trump als Lügenbaron zeigt, aber so dolle ist das dann auch nicht, als dass man für diesen Anblick zwei Stunden lang in eisiger Kälte und Kamellegewittern steht und mit Liedern beschallt wird, die sich ausschließlich um Penetration, Alkoholisierung und Intimhygiene drehen.

Wie immer sind auch jede Menge Frankfurter Vereine, Institutionen und Unternehmen dabei, deren Bezug zur Fastnacht sich nicht jedem erschließt. Warum es die Feierlaune heben soll, wenn am Anfang des Zugs der „Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst“ mitmarschiert, bleibt vielen unklar und stimmt sie eher traurig. Lobend zu erwähnen sind zweifellos die Frauen vom hessischen Hebammenverband, die mit ihrem Motto „Pressen für Hessen“ das humoristische Highlight des Zugs funkeln lassen.

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