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Fastnacht Rassismus Von „Afro-Tucken“ und „Dschungelbewohnern“

Kann Fassenacht rassistisch sein? Betroffene finden: ja. Doch Vereine wie die Frankfurter Karnevalsgesellschaft „Kameruner“ können die Kritik nicht nachvollziehen. Niemand mache sich über Schwarze lustig, so der Vorsitzende Peter Bauernfeind. Es sei einfach eine Persiflage auf Karneval.

Politisch korrekt? Clowns feiern in Mainz ausgelassen Fastnacht. Foto: dpa

Kann Fassenacht rassistisch sein? Betroffene finden: ja. Doch Vereine wie die Frankfurter Karnevalsgesellschaft „Kameruner“ können die Kritik nicht nachvollziehen. Niemand mache sich über Schwarze lustig, so der Vorsitzende Peter Bauernfeind. Es sei einfach eine Persiflage auf Karneval.

Der Mohr ist schon ausverkauft. Zumindest in den Herrengrößen 56 bis 64 ist „das schöne Kostüm für den Sultan“ im Online-Shop von Karnevalswierts – der an der Borsigallee auch eine Frankfurter Filiale betreibt – nicht mehr erhältlich. Die dunkle Schminke, mit der sich das weiße Model die Haut gefärbt hat, wird gleichwohl noch als passender Zusatz empfohlen. Frauen, die sich als Klischee-Abbild einer Romni oder Sintezza verkleiden wollen, haben hingegen keine Chance mehr: „Zigeunerin Classic“ ist in allen Größen aus. Sie könnten im Karneval-Depot fündig werden: Der Frankfurter Online-Shop hat die „sexy Zigeunerin“ noch auf Lager.

Während sich der baden-württembergische „Karneval-Megastore“ unlängst wütenden Online-Protest einhandelte, weil er unter anderem als gleichermaßen rassistisch wie homophob kritisierte Kostüme für „Afro-Tucken“ und schwarz angemalte „Dschungelbewohner“ samt Knochen im krausen Haar anbot, sieht der Frankfurter Geschäftsführer von Karnevalswierts, Frank Schröder, kein Diskriminierungspotenzial in seinem Kostümangebot. Beschwerden habe es noch nie gegeben. „Der Mohr ist doch ein anerkanntes Karnevalskostüm“, meint Schröder und verweist auf die lange Tradition in den Niederlanden, wo sein Unternehmen seine Ursprünge hat.

Gerade dort aber hatte es in der Winterzeit, nicht zum ersten Mal, eine breite Debatte über „Blackfacing“, also das Schwarzschminken weißer Menschen, gegeben, weil viele schwarze Menschen die traditionelle Figur des „Zwarte Piet“, der in Holland den Nikolaus begleitet, als rassistisch und in kolonialer Tradition stehend kritisierten. Auch hierzulande gibt es immer wieder Debatten um Blackfacing, etwa auf Theaterbühnen – oder Ende vergangenen Jahres bei der ZDF-Show „Wetten, dass...?“, als Zuschauer zur Saalwette aufgerufen wurden, sich als Kinderbuchfigur Jim Knopf zu verkleiden und sich dafür mit Schuhcreme oder Kohle schwarz zu färben.

Nichts als „Jux und Tollerei“

Jamila Adler von der Frankfurter Lokalgruppe der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland findet es daher „hochproblematisch“, wenn weiße Menschen es als lustigen Fastnachtsspaß ansehen, sich schwarz anzumalen. „Das ist ganz klar eine kolonialrassistische Praxis“, sagt Adler. Auch die Kostümierung als Roma oder „Native American“ sei „eine Stereotypisierung von Personengruppen, so wie Weiße sie sehen“ und spiegele das gewaltvolle Verhältnis aus Kolonial- und Unterdrückungsgeschichte. „Das ist nicht vergleichbar mit anderen Kostümierungen, etwa als Berufsgruppe. Ich persönlich meide dieses Fest deswegen komplett.“

Karnevalisten zeigten sich diesbezüglich oft wenig einsichtig, sagt Adler, es sei schwierig, zu intervenieren. Vor zwei Jahren war sie dennoch dabei, als Aktivisten gegen die damals noch „Negersitzung“ genannte Fastnachtsveranstaltung des Vereins „Frankfurter Carneval Gesellschaft Die Kameruner 1922 e.V.“ protestierten, deren Logo bis heute ein schwarzer Kopf mit dicken roten Lippen ziert.

Peter Bauernfeind, Vorsitzender der „Kameruner“, kann die Kritik an seinem Verein bis heute nicht ganz nachvollziehen. „Auf überhaupt keinen Fall wollen wir jemanden beleidigen oder diskriminieren“, sagt er. Die „Kameruner“ seien ein traditioneller und fest im Gallus verankerter Karnevalsverein, sie hätten auch schwarze Mitglieder – und dass Teile des Gallus im lokalen Jargon „Kamerun“ genannt würden, habe nichts mit Rassismus, sondern je nach Lesart mit der französischen Besetzung nach 1918 oder den rußenden Fabrikschloten zu tun, die den Arbeitern seinerzeit das Gesicht schwärzten.

Dass die „Kameruner“ vor einigen Jahren ihre „Negersitzung“ in „Hulla Rumba Sitzung“ umbenannt hätten, sei tatsächlich eine Reaktion auf Kritik von außen gewesen, räumt Bauernfeind ein – „Da haben wir mit uns reden lassen.“ Allerdings gebe es auf diesen Sitzungen bis heute schwarz angemalte Weiße. „Das ist nicht Lustigmachen über Schwarze, das ist einfach eine Persiflage auf Karneval“.

Auch aus anderen Frankfurter Fassenachtsvereinen kann man hören, dass Rassismus dort kein Thema ist und auch nicht als großes Problem wahrgenommen wird. „Man darf das auch nicht so ernst nehmen“, sagt etwa Fritz Kaiser von der „Bornheimer Karnevalgesellschaft 1901er“. Kein Narr wolle irgendwen beleidigen. Auch schwarzgemalte Gesichter bei den „Kamerunern“ seien letztlich nichts als „Jux und Tollerei“. Und Peter Ruhr, Pressesprecher des Großen Rats der Karnevalsvereine, kommentiert den ganzen Themenkomplex nur sehr knapp, aber dafür klar: „Es gibt keinen Rassismus in der Frankfurter Fassenacht. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Fastnacht Rhein-Main

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