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Fastnacht in Oberursel Närrische Großdemonstration

Zehntausende bejubeln den Taunus-Karnevalszug in Oberursel. Die Weltpolitik ist auch dort im närrischen Diskurs eher rar.

Fastnacht in Oberursel
Die USA und ihr skurriler Präsident waren an mehreren Stellen präsent im Umzug. Foto: Rolf Oeser

Ohne Donald Trump geht mal gar nichts in dieser Karnevalssaison. Das war abzusehen. Hoch auf dem Wagen, geerdet zu Fuß oder in diversen Varianten im Publikum, der Meister aus Amerika mit seiner extrem coolen Frisur war vielfach präsent beim Taunus-Karnevalszug. Great again, das möchten sie alle gerne sein, dafür steht der skurrile US-Präsident, selbst wenn er zur Comic-Figur mutiert. Insgesamt war die Weltpolitik im närrischen Diskurs eher rar, wenn es da nicht den Oberurseler Verein „Kunstgriff“ gäbe, der mit einem nachgebauten Panzer der Leo-Generation deutsche Waffenexporte in Kriegsgebiete aufs Korn nahm.

In der närrischen Szene gilt der Orscheler Zug als absoluter Höhepunkt des Frohsinns. Da kommt man auch, wenn es am Morgen noch nach Schneechaos aussieht. Aber oh Wunder, die Luft bleibt (fast) trocken, der Schnee taut unter den Füßen von Eisbären und heißen Teufelchen, Engelchen mit Flügelchen und anderen Typen weg, die große Straßenparty kann fast uneingeschränkt stattfinden.

Mehrere zehntausend Menschen waren es wohl wieder am Straßenrand. Und auf dem Parcours der Zugteilnehmer, zwischen Rahmtor und Polizeistation, war die närrische Vereinigung aus dem Hochtaunuskreis und angrenzenden Gebieten nahezu vollständig vertreten. Kelkheimer und Schwalbacher Narren waren dabei, Bad Soden und Oberhöchstadt sind gekommen, Bad Homburg, Seulberg, Wehrheim und viele andere. Nur vereinzelte Absagen gingen am Morgen bei noch dichtem Schneetreiben beim Zugmarschall ein, die Lücken wurden schnell geschlossen. Der rechte Narr kennt kein schlechtes Wetter, allenfalls ungünstige Wetterlagen, die ihn aber nicht von Feiern abhalten.

Das erste Zugloch, das vor der Ehrentribüne am Marktplatz mit einem „dreifach donnernden Orschel Helau und all die anneren Helau“ gefeiert wird, war nicht den wenigen Ausfällen geschuldet. Eher wohl den kleinen Sonderauftritten mancher Tanzgarde und mancher Musikgruppe, die zum Zug gehören wie die Gardemädchen, die ihre strammen Beine unentwegt auf und ab schleudern und dabei gekonnt den Arm in der typischen Helau-Bewegung von links unten nach rechts oben führen können. Ab Zugnummer 100 wurden die Löcher allerdings zunehmend größer, nach zwei Stunden vor allem im Auslaufbereich. Da strömten die Narren im leichten Nieselregen schon in Massen weg, bevor der Prinzenwagen mit Prinz Karsten I. und seinenUntertanen vom Karnevalverein Frohsinn überhaupt auf der Piste aufgetaucht waren.

In andere Sphären abgetaucht waren da auch schon viele junge Freunde des Straßenkarnevals am „Hot Spot“ Epinayplatz, inzwischen ein Platz des reichlichen Alkoholgenusses unter Teenagern. Entsprechend hoch war das Aufmerksamkeitslevel der Sicherheitskräfte, noch nie hat man so viele gesehen wie dieses Jahr. Ganz abgesehen von der privaten Konkurrenz in Kampf-Kostümen, SEK, FBI, SWAT, Special Security, diese aber eher schwankend und nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne. „Alles gechillt“, sagt einer der „Echten“, die Drohung im Hintergrund scheint zu wirken. Ein Meer von Scherben auf dem Platz, aber ansonsten alles friedlich.

Das Peace-Zeichen zeigt auch der „American Jesus“ mit Mähne, Bart und Brusthaar-Toupet im Stars-and-Stripes-Boxerkittel und kurzen Hosen, der auch im vergangenen Jahr schon auf seinem Torpfosten am Marktplatz gesessen hat. Ob er das gute Gewissen der Trump-Nation oder das genaue Gegenteil ist, ließ sich auch dieses Mal nicht einwandfrei ermitteln. Uncle Sam war auf jeden Fall brav.

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