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Fastnacht in Fulda Rassismus-Debatte im Karneval

Die Diskussion um Rassismusvorwürfe gegen einen Fuldaer Karnevalsverein überdauert die Fastnacht - und damit die Debatte um politische Korrektheit von Kostümen.

01.03.2017 14:07
Rosenmontagsumzug in Fulda
Wolfgang Schuster (links) vom Karnevalsverein Südend Fulda marschiert beim Rosenmontagsumzug in Fulda ohne schwarz geschminktes Gesicht und Knochenhemd. Foto: Arne Dedert (dpa)

Die Rassismusvorwürfe von Mitarbeitern der Hochschule Fulda gegen einen Fuldaer Karnevalsverein haben der Hochschule nach Ansicht ihres Präsidenten geschadet. «Das hat uns nicht gut getan, weil diese Diskussion mit unserer Institution in Verbindung gebracht wurde. Dabei haben sich die Angestellten als Privatpersonen geäußert», sagte Hochschulpräsident Karim Khakzar am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Die Hochschule habe in den vergangenen Tagen zahlreiche deftige Zuschriften zum Thema erreicht. Zuvor hatte die «Fuldaer Zeitung» darüber berichtet.

Mitarbeiter aus dem Bereich der Sozialwissenschaften hatten als Privatleute den Karnevalsverein Südend Fulda öffentlich kritisiert. Sie werfen dem Verein vor, Rassismus und koloniale Bildwelten zu verbreiten. Denn die Mitglieder des Südend tragen Kolonialuniformen und stellen Schwarze in parodierender Weise dar. «Dadurch wird Völkermord, Unterdrückung und Entrechtung verharmlost und gutgeheißen», heißt es in einer Mail, die breit gestreut wurde.

Der Karnevalsverein, der beim Rosenmontagszug aus Angst vor Übergriffen sogar Polizeischutz erhielt, bekam beim Umzug aber große Solidarität von Zuschauern und anderen Vereinen. Für die Initiatoren der Kritik-Kampagne sei «der Schuss nach hinten losgegangen. Und am Ende kamen die Bösen von der Hochschule», bedauert Khakzar. Zuschauer und Karnevalisten hätten so reagiert, weil sich «die Leute von Externen nichts vorschreiben und verbieten lassen wollen». Deswegen habe es auch diese enormen Sympathiebekundungen gegeben.

Khakzar hofft, dass die Karnevalisten mit den Kritikern mit etwas Abstand wieder in einen Dialog eintreten. «Ich habe die Hoffnung, dass sich beide Parteien sachlich austauschen. Auf das Thema gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Es muss erlaubt sein, Dinge kritisch zu hinterfragen - auch wenn sie seit der Vereinsgründung im Jahr 1938 eine Tradition haben.»

Unterstützung bekamen die Fuldaer Kritiker von Wissenschaftlern anderer Hochschulen: «Der Verein sollte sich historisch bewusst werden, auf welche Tradition er sich bezieht», sagt der Historiker Dirk van Laak von der Universität Leipzig. Deutschland hatte zur Zeit der Vereinsgründung keine Kolonien mehr, sehnte sich aber danach zurück.

Aufstände in den deutschen Kolonien wurden teilweise brutal niedergeschlagen. Man erhebe sich mit kolonial anmutenden Uniformen über die Opfer deutscher Kolonialherrschaft, sagt Winfried Speitkamp, Historiker der Universität Kassel. «Es gibt eine Grenze, wo man doch keine Witze mehr machen sollte.»

Der Karnevalsverein will sich nach der Fastnachtszeit beraten, wie er mit den Vorwürfen umgeht und welche Konsequenzen gezogen werden. (dpa)

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