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Fasching in Eschborn Häppchenweise Närrisches

Im Niemandsland zerreißt es den Eschborner Jubiläums-Fastnachtszug. Das närrische Fußvolk bekommt ihn Häppchen für Häppchen serviert, stört sich daran aber nur wenig.

Fastnachtsumzug in Eschborn-Niederhöchstadt
Der Jubiläums-Fastnachtszug zieht durch die Straßen Niederhöchstadts mit 108 Nummern und 1600 bewegten Narren. Foto: Rolf Oeser

Helene Fischer hetzt schon atemlos durch die Nacht, das Jungvolk vor der Tanke hat schon reichlich Alkoholisches zu sich genommen, da ist es nicht mal zwei Uhr nachmittags am Fastnachtssamstag. Und auf der unteren Hauptstraße sonst echt nix los. Kommt er oder kommt er net? Es dauert, bis der „Hecksterter Ordnungshüter“ mit Pickelhaube und Schelle als Nr.1 am Übergang zum Niemandsland zwischen Niederhöchstadt und Eschborn den Jubiläums-Fastnachtszug einläutet. Die närrische Startzeit um 13.11 Uhr konnte nicht ganz eingehalten werden, der Zug kommt in den Straßen Niederhöchstadts nur langsam in Bewegung.

Der „Lugi“ weiß das, so nennen sie den Jürgen Lugert, der den Zug in Höhe der Polizeistation seit Jahrzehnten kommentiert. Und die Wartezeit mit Zahlen garniert. Hundertacht Nummern kündigt er an, 1600 bewegte Narren plus 16 Pferde, 13 Kapellen mit 270 Spielleuten, ein Dutzend Motivwagen, 34 Fußgruppen, jede Menge Garden, das gesamte närrische Aufgebot verteilt auf einem Kilometer Zuglänge. Darauf ein dreifach donnerndes Helau. Kein neuer Rekord, aber „wir sind ausbaufähig“, sagt Lugi. Und können auch Gäste aus Thüringen und dem Westerwald begrüßen, die extra zur närrischen Großdemonstration angereist sind. Getreu dem Motto 2018: „Eschborns Fastnachtszug ist toll, nun sind die 40 Jahre voll.“ Nur zweimal ist er ausgefallen, während des Golfkrieges und zuletzt 1995 bei heftigem Regen.

Im jeweils innersten Kern von „Heckstert“ und Eschborn sind die Straßenränder gut gefüllt mit bunt gekleideten Narren aller Altersstufen, mit kunterbuntem närrischen Volk, das bereit ist für jede Menge dreifach donnernde Helaus und die süßen Wurfgeschosse, die von den Wagen regnen. Natürlich auch für besondere Ehrengäste wie Prinzessin Nadine I. alias „Sodenia die 70.“ aus der Nachbarstadt Bad Soden, die von hoch droben auf dem Wagen winkt, der von plastiksonnenbebrillten meist älteren Herren dominiert wird. „Wir hoffen auf 25 000 Zuschauer“, haut „Lugi“ raus, runter in die Hauptstadt kann er da nicht gucken. Denn erst kommt das „Niemandsland“ zwischen den beiden Ortsteilen, das auch Bürgermeister Matthias Geiger mit Narrenkappe so nennt, der mit Zugmarschallin Martina Förster als „Zugspitze“ mit der Startnummer 4 unterwegs ist. Und die Helau-Pause für einen heißen Schluck aus der Thermoskanne und die Schonung der Helau-Stimme nutzt. Rund 4,5 Kilometer sind vom Start oben in „Heckstert“ bis zum Auslauf an der Unterortstraße knapp vorm Westerbach zu bewältigen.

Ohnehin schon zerrissen, gerät der Zug auf der laaangen Hauptstraße völlig aus der Bindung. Das närrische Fußvolk bekommt ihn Häppchen für Häppchen serviert, stört sich daran aber nur wenig. Gibt ja genug Aufladestationen, um die innere Temperatur und die im närrischen Gemüt hochzuhalten. Und im Café Nigro direkt hinterm Kreisel gibt es bei Mamma Italia einen wunderbar heißen Espresso. Ob es am Ende wirklich 25 000 am Wegesrand waren, wer weiß das schon. Zumindest in der Ortsmitte wird’s kuschelig, so wie es bei einem Fastnachtszug sein muss, damit auch Stimmung aufkommt. Beim Vorbeiziehen der Eschborner Landfrauen und der „Sexy Waldfeen“ aus Steinbach, beim Männerballett „Dalles Dreamboys“ aus Oberhöchstadt und mindestens sechs Zugnummern der Eschborner „Käwwern“, die mit dem Kappen-Club Niederhöchstadt immer wieder den Fastnachtszug organisieren. Ohne ein dreifach donnerndes Eschborn Helau oder Heckstert Helau verlässt hier keiner die närrische Piste.

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