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Fall Gustl Mollath Rechtsanwalt bestreitet Fälschung

Wiesbadener Jurist soll ein gefälschtes Fax zur Befreiung Gustl Mollaths verschickt haben. Bei einer Verurteilung droht ihm der Verlust seiner Zulassung.

Justizopfer Gustl Mollath. (Archivbild) Foto: dpa

Am 14. Juni 2013 trudelt in der forensischen Psychiatrie Bayreuth ein Fax ein. Es ist Freitag, 22.21 Uhr. Absender ist dem Briefkopf nach zu urteilen das Landgericht Regensburg. Gustl Mollath solle unverzüglich freigelassen werden, heißt es. Der Beschluss einer Richterin ist angehängt, trägt ihre Unterschrift. Einen Tag später kommt heraus: Das Fax ist gefälscht. Es wurde aus der Wohnung eines Wiesbadener Rechtsanwalts abgeschickt.

Seit gestern muss sich der 55-Jährige vor dem Wiesbadener Amtsgericht wegen Urkundenfälschung und versuchter Befreiung eines Gefangenen verantworten. Der Befreiung Gustl Mollaths, der sieben Jahre lang für seine Entlassung aus der Psychiatrie gekämpft hatte und als Opfer eines Irrtums der bayerischen Justiz in die Geschichte einging.

Der Wiesbadener bestreitet die Vorwürfe. Hätte er das Fax gefälscht, hätte er es richtig gemacht. Unter anderem hätte er das Landgericht Bayreuth als Absender angegeben und nicht die Behörde in Regensburg, die dafür nicht zuständig sei. Zudem wisse er, was auf dem Spiel stehe. Wird er zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt, verliert er seine Zulassung.

Der Wiesbadener sieht sich als Opfer seiner eigenen Gutmütigkeit. An diesem Abend habe er einem langjährigen Mandanten erlaubt, von seinem Faxgerät aus zweimal einen Leserbrief zum Thema Mollath an Zeitungen zu senden. Der Fall Gustl Mollath habe seinen Mandanten schon seit längerem beschäftigt. Immer wieder habe er von einer „himmelschreienden Ungerechtigkeit“ gesprochen und dass es Zeit für einen Protest sei. So auch an diesem Abend.

Rätselhafter Brief

Als der Mann, dessen Namen der Beschuldigte wegen seiner Schweigepflicht nicht preisgeben will, das Schreiben verschickte, sei er nicht anwesend gewesen. Später habe er von dem gefälschten Beschluss im Internet gelesen und sei stutzig geworden. Er habe das Sendeprotokoll seines Fax-Gerätes ausgedruckt, seinen Anwalt und die Staatsanwaltschaft informiert.

Bei Durchsuchungen fanden die Ermittler unter anderem ein Schreiben auf dem PC des Wiesbadeners, das der vor dem 14. Juni an Mollath richtete. Darin gab er dem Inhaftierten Tipps für das Wiederaufnahmeverfahren. Er habe Mollath helfen wollen, erklärt der Beschuldigte. Wie die Fragmente des gefälschten Faxes auf seinen PC kamen, wisse er hingegen nicht.

Dass Mollath nicht aufgrund dieses Faxes freigelassen wurde, ist unter anderem Recherchen der Nachrichtenagentur dpa zu verdanken, die das gleiche Schreiben an diesem Abend erhalten hatte. Nach einer Anfrage beim bayerischen Justizministerium kam heraus, dass es sich um eine Fälschung handelte. Eine gut gemachte, wie der Chefarzt der Klinik bei der Polizei aussagte. Hätte der Generalstaatsanwalt nicht gewarnt, hätte man Mollath eventuell freigelassen.

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