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Fall Gustl Mollath Geldstrafe im Mollath-Prozess

Das Amtsgericht Wiesbaden verurteilt den Juristen, der ein gefälschtes Fax zur Befreiung des Justizopfers Gustl Mollaths abgeschickt haben soll, zu einer Geldstrafe.

Justizopfer Gustl Mollath. (Archivbild) Foto: dpa

Bis zuletzt hielt der Anwalt an seiner Behauptung fest, mit dem gefälschten Gerichtsbeschluss nichts zu tun zu haben. Dieser war am Abend des 14. Juni 2013 als Fax an die forensische Psychiatrie in Bayreuth geschickt worden, um den wohl prominentesten Insassen Gustl Mollath zu befreien. Doch all die Beteuerungen halfen nichts: Der 55-jährige Wiesbadener wurde gestern vor dem Wiesbadener Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt.

Seine Einlassung, ein befreundeter Mandant habe das Schreiben abgeschickt und zudem sein Faxgerät so manipuliert, dass als Absender das Landgericht Regensburg erschienen sei, überzeugte das Gericht nicht. Die Erklärungen wertete der Richter als „äußerst unwahrscheinlich, konstruiert und nicht glaubhaft“.

Den Namen des Mandanten wollte der Rechtsanwalt nicht preisgeben. Er berief sich auf seine Schweigepflicht. Doch diese Argumentation ließ der Richter nicht gelten. Es gehe um eine Straftat. Würde ein Rechtsanwalt während eines Gesprächs von einem Mandanten geschlagen oder beleidigt, würde er sicher nicht darüber nachdenken, ob er ein Geheimnis verrate, wenn er die Identität des Mandanten weitergebe. Sich auf einen „ominösen Hintermann“ zu berufen, mache skeptisch, sagte der Richter.

Für ihn sei zweifelsfrei erwiesen, dass der 55-Jährige die Unterbringung von Mollath in der Psychiatrie als „große Ungerechtigkeit“ empfunden habe. Er habe dabei protestieren wollen und durch das Fax seine Freilassung billigend in Kauf genommen. Schließlich sei das Fax an einem Freitagabend versendet worden. Es habe keine Möglichkeit zur Überprüfung gegeben. Wäre das Schreiben am Samstag entdeckt worden, wäre Mollath unter Umständen tatsächlich entlassen worden.

Der Richter verurteilte den 55-Jährigen zu 120 Tagessätzen à 120 Euro. Die Staatsanwältin hatte 120 Tagessätze à 60 Euro gefordert, der Verteidiger einen Freispruch. Er berief sich auch auf Verfahrensfehler, die seinem Mandanten nun zur Last gelegt würden. Unter anderem wurde eine E-Mail, die nach dem 14. Juni an die Psychiatrie versendet worden war und die sich auf den Inhalt des Fax bezog, nicht weiter verfolgt. Die Schuld seines Mandaten könne nicht zweifelsfrei bewiesen werden, so der Verteidiger.

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