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Fachkräftemangel Beamte sollen künftig weniger arbeiten

Der öffentliche Dienst muss attraktiver werden, fordert der DGB und fordert die Reduzierung der Arbeitszeit von Beamten auf das Niveau von Tarifbeschäftigten.

Stempel
Stempel in einer hessischen Amtsstube. Foto: Andreas Arnold

Als Claudia Mäves vor 25 Jahren begann, bewirtschaftete die Försterin 700 Hektar Wald mit sieben Mitarbeitern. Aktuell kümmert sie sich mit drei Leuten um 1700 Hektar, und demnächst soll das Revier im Vogelsberg nochmals vergrößert werden. Eine komplette Kontrolle über eine so große Fläche sei bei solchen Arbeitsbedingungen nicht mehr gegeben, sagte Mäves, Landesvorsitzende der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt.

Schuld sei der Personalmangel, der ihrer Erfahrung nach aus der im Bundesländervergleich schlechten Bezahlung resultiere: „In Hessen fehlen uns allein 50 Förster.“

Attraktiv durch weniger Arbeitszeit

Nicht nur bei der Landesbehörde Hessen-Forst besteht nach Auffassung des DGB Hessen-Thüringen Fachkräftemangel. Auch Polizei oder Schulen kämpften mit Nachwuchsproblemen, warnte die Vorsitzende Gabriele Kailing am Montag in Wiesbaden. Die im Bundestagswahlkampf versprochenen Steuersenkungen lehnt sie ab. Der Staat müsse hingegen mehr in sein Personal investieren, um es zu halten. „Gegenüber der Arbeit in anderen Wirtschaftszweigen ist der öffentliche Dienst in den vergangenen Jahren abgewertet worden“, kritisierte Kailing. Ein erster Schritt wäre die Reduzierung der Arbeitszeit der hessischen Beamten auf das Niveau der Tarifbeschäftigten. Das könne die Attraktivität erhöhen, urteilt sie.

Sorge bereitet dem DGB auch der Investitionsstau in Landkreisen und Kommunen. Der Entwurf des Landeshaushalts 2018/2019 bleibe „im Allgemeinen“. Es fehle eine Übersicht mit konkreten Zahlen zu den Investitionsstaus an Schulen oder Straßen, sagte Kailing. „Das sind mitunter unzumutbare Zustände.“

Die Folgen der jahrelangen Spar- und Kürzungspolitik der Landesregierung könnten mit dem geplanten Aufstocken der Mittel nicht so schnell repariert werden. Auch stelle sich die Frage, wie nachhaltig ein solcher Haushalt im Schatten von Wahlen und in Zeiten prallgefüllter Kassen ist. „Was passiert, wenn die Konjunktur wieder rückläufig ist?“, fragte Kailing.

Die im Haushaltsentwurf vorgesehene Schuldentilgung hält die Gewerkschaft für wenig zielführend. „Unsinnig“ seien solche Pläne, urteilte Kai Eicker-Wolf, Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung. „Sinnvoller wären dauerhafte Investitionen und der Aufbau von Personal.“ Mit diesen verlässlichen Zukunftsplänen könnten Bauwirtschaft und Beschäftigte ihre Zukunft besser planen.

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