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Extremisten in Hessen Radikal gegen Extremisten

Die Landesregierung will mit dem Film „Radikal“ auf Jugendliche einwirken, um zu verhindern, dass sie sich Extremisten anschließen. Unter Schülern dürfte der spannend gemachte Streifen für Diskussionsstoff sorgen.

Der Film warnt vor dem Weg in die Gewalt. Foto: HMdIS

Die Geschichte des 19-jährigen Jungen Simon, der sich von Extremisten und Gewalttätern in den Bann ziehen lässt, dürfte in hessischen Schulklassen für Diskussionsstoff sorgen. Denn der Film „Radikal“, in dem Theo Trebs als Simon die Hauptrolle spielt, zeigt, wie leicht frustrierte junge Leute sich radikalisieren können.

Nicht alle Tage stellen Minister einen Film vor, in dem der Frust in die Worte „Fickt Euch doch alle“ gepackt wird und Musik des Offenbacher Rappers Haftbefehl den Soundtrack liefert. Innenminister Peter Beuth (CDU) stellte den Streifen, den er in Kooperation mit Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in Auftrag gegeben hat, in dieser Woche in Wiesbaden vor. „Ich bin sicher, dass wir mit diesem Film einen ebenso notwendigen wie wichtigen Beitrag zur Präventionsarbeit leisten, um junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren und eine differenzierte Auseinandersetzung anzustoßen“, sagte Beuth.

Der professionelle 17-Minuten-Film der Regisseure Julian Köberer und Arto Sebastian soll ein Teil der Auseinandersetzung mit Extremismus in den achten bis zehnten Klassen werden. Dabei greift er die in den Sicherheitsbehörden vorherrschende Sichtweise auf, dass es von zufälligen Begegnungen abhängt, ob ein verunsicherter Jugendlicher sich linken Autonomen, rechtsradikalen Gruppen oder Salafisten anschließt.

Diese Perspektive wird spannend und nachvollziehbar in Szene gesetzt. Denn der Film zeigt gleich drei verschiedene Geschichten, wie sich Simon Anerkennung, Gemeinschaft und Orientierung holt.

In der ersten Version begeistert sich der junge Mann für gesellschaftskritische Diskussionen von Linksautonomen und beteiligt sich an gewalttätigen Demonstrationen. In der zweiten Fassung sucht er Kameradschaft unter Neonazis und ist dabei, als ein ausländisch aussehender Mann übel zugerichtet wird.

Und im dritten Teil gibt ihm die Gemeinschaft mit Islamisten scheinbar einen Lebenssinn, ehe er in den Krieg zieht – wo seine Leute einen Jungen töten, der ihn an seinen kleinen Bruder erinnert. Alle drei Versionen beginnen gleich – nur der Zufall führt Simon zu Begegnungen mit den jeweiligen Szenen. Dabei wird auch die Agitation von Extremisten im Internet thematisiert.

„Der Film ist hervorragend für den Schulunterricht geeignet, um eine Auseinandersetzung mit Ursachen von Radikalisierungsprozessen anzuregen und auf diese Weise auch die Manipulationen durch extremistische Internetpropaganda zu durchschauen“, kommentierte Kultusminister Alexander Lorz.

In den mitgelieferten Materialien bekommen Lehrer Anregungen, wie sie die Diskussion über den Umgang mit Ungerechtigkeit oder über Propaganda vertiefen können. Auch darin wird die Grundthese des Films bekräftigt: „Es ist meist vom sozialen Umfeld abhängig, ob Jugendliche, die sich radikalisieren, linksextremistisch werden, sich einer rechtsextremistischen Szene oder einer islamistisch-extremistischen Gruppierung anschließen“, heißt es darin.

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