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Extremismus in Hessen Rechtsradikaler Hetzer darf in Hessen auftreten

Der TV-Moderator Velimir Bujanec, ein exponierter Vertreter der extremen Rechten Kroatiens, tritt in Heusenstamm bei einem Fest auf. Es ist nicht das erste Mal.

Kroatien
Die kroatische Flagge Foto: Imago

Eigentlich sollte die Ricicka Noc ein gänzlich harmloses Familienfest für die kroatisch-sprachige Gemeinschaft im Rhein-Main-Gebiet sein. „Die Nacht von Ricice“ – benannt nach einer kleinen Ortschaft im dalmatinischen Hinterland – zieht bereits seit 16 Jahren einmal im Jahr Hunderte Besucher an, die im Heusenstammer Sport- und Kulturzentrum Martinsee zu kroatischer Musik tanzen und Spenden für humanitäre Zwecke sammeln.

Doch es sind nicht nur Musiker, die bei der „Nacht von Ricice“ auftreten. Als am vergangenen Samstag die 17. Auflage des Fests stattfand, durften von der Bühne aus verschiedene Redner das Wort an das Publikum richten. Dazu zählte mit dem TV-Moderator Velimir Bujanec ein exponierter Vertreter der extremen Rechten Kroatiens.

Bujanec gehörte in den 90er Jahren verschiedenen rechtsextremen Organisationen an und tat sich unter anderem dadurch hervor, dass er Vertreter von Minderheiten bedrohte und für kroatische Medien im martialischen Outfit der faschistischen Ustascha-Bewegung und mit Hakenkreuzbinde posierte.

Ende der 2000er begann seine zweite Karriere als Moderator einer politischen Talkshow, die inzwischen als inoffizielles Verlautbarungsorgan kroatischer Nationalisten gilt und die Bujanec vor allem für Angriffe auf politische Gegner und Minderheitenvertreter nutzt. Im vergangen Jahr wurden Bujanec beziehungsweise der Sender, der seine Talkshow ausstrahlt, in Kroatien zweimal erstinstanzlich wegen übler Nachrede verurteilt. Erst Anfang Dezember sorgte Bujanecs Sendung für einen Skandal, als ein Gast forderte, den ehemaligen Staatspräsidenten von Kroatien, Stjepan Mesic, öffentlich zu lynchen.

Bujanec gilt in Teilen der kroatischen Auslandsgemeinschaft als äußerst beliebt. Bei der „Nacht von Ricice“ durfte er bereits zum zweiten Mal nach 2016 auftreten. Über einen ähnlichen Auftritt von Bujanec bei der 60-Jahr-Feier der kroatisch-katholischen Gemeinde in Mainz hatte Anfang November letzten Jahres die FR berichtet. Damals hatte sich das Bistum Mainz zu einer Distanzierung genötigt gesehen.

Für Irritationen sorgte der Auftritt des nationalistischen Talkshow-Gastgebers auch bei anderen Gästen der Veranstaltung. Manfred Pentz, Generalsekretär der hessischen CDU – der selbst Kroatisch spricht –, zeigte sich gegenüber der FR „überrascht von dem Auftritt“. Die Aussagen Bujanecs seien „inhaltlich befremdlich“ gewesen, so Pentz. Entsprechend sei es im Saal auch zu ablehnenden Reaktionen gekommen.

„Jeder ist willkommen“

Im Gegensatz zu vorherigen Auftritten wurde bislang von Bujanecs Ansprache kein Video veröffentlicht. Auch in Deutschland erscheinende kroatischsprachige Medien, die bislang immer über die Auftritte des TV-Moderators in Deutschland berichtet hatten, erwähnten seine Ansprache in Heusenstamm mit keinem Wort – obwohl sie von der Veranstaltung selbst berichteten.

Belegt ist der Auftritt indes durch Fotos in den sozialen Netzwerken und durch Bujanec selbst. Der hatte am Montag zu Beginn seiner Talkshow seinen Besuch in Heusenstamm erwähnt und den Pfarrer der kroatisch-katholischen Gemeinde in Offenbach, Tomislav Dukic, dessen Gottesdienst er besucht haben will. Über Dukic, der in seiner und anderen kroatischen Gemeinden immer wieder Auftritte von nationalistischen Politikern und Publizisten organisiert hatte – darunter auch den Mainzer Auftritt von Bujanec – hatte die FR bereits Ende Dezember berichtet.

Der Organisator der „Nacht von Ricice“, Jakov Budimir, betont derweil den karitativen und kulturellen Charakter der Veranstaltung. Diese stünde grundsätzlich allen offen. „Wir unterteilen nicht nach links oder rechts. Wir feiern gemeinsam mit Serben und Bosniaken. Jeder ist willkommen“, betont Budimir. Die Frage, wieso die Organisatoren Bujanec zum wiederholten Mal eine Bühne bieten, lässt er unbeantwortet. „Jeder muss für seine Aussagen selbst die Verantwortung übernehmen.“

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