Lade Inhalte...

Experiminta in Frankfurt Physik für Flüchtlinge

Ein Besuch der Experiminta in Frankfurt ist Teil des Projektes „Physik für Flüchtlinge“, das vor allem geflüchtete Kinder und Jugendliche mit Experimenten spielerisch integrieren möchte.

05.08.2016 15:49
Jonas Göcke
Flüchtlinge entdecken die Welt der Physik beim Besuch der Experiminta. Foto: peter-juelich.com

Die Waage ins Gleichgewicht bringen, das ist Eissa Talebs Aufgabe im Frankfurter Museum Experiminta. Der 70-Jährige ist als Flüchtling aus dem Irak nach Frankfurt gekommen und wohnt zurzeit in der Flüchtlingsunterkunft der Johanniter an der Bockenheimer Warte. Konzentriert schaut er auf die unterschiedlich großen und schweren Platten, die vor ihm liegen. In welchem Verhältnis müssen sie auf die beiden Seiten verteilt werden, damit die Waage ausgeglichen ist? Die Furchen auf seinem vom Alter gezeichneten Gesicht werden noch ein bisschen tiefer. Er probiert hin und her und kommt seinem Ziel immer näher. Letzter Versuch: Alle Platten sind auf der Waage verteilt, sie pendelt sich langsam ein. Schade, ein kleines Stück fehlt, zeigt Taleb mit zwei Fingern.

Der Besuch der Experiminta ist Teil des Projektes „Physik für Flüchtlinge“ der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der Georg-August-Universität Göttingen, das vor allem geflüchtete Kinder und Jugendliche mit Experimenten spielerisch integrieren möchte. In etwa 20 Städten bauen freiwillige Helfer Stromkreise oder spielen mit Elektromagneten. Zu diesen Freiwilligen gehört auch Anton Mlynczak, studierter Physiker, der das Projekt in Frankfurt übernommen hat. An fünf Mittwochnachmittagen im Juni und Juli hat der 68-jährige Rentner gemeinsam mit jungen Menschen in der Flüchtlingsunterkunft experimentiert. Weil viele Kinder in den Schulferien nicht da sind oder andere Ferienaktionen locken, ist Mlynczak schon zum zweiten Mal mit einer kleinen Gruppe in der Experiminta.

Kontakt zu Phänomenen

Dort hat Ahmadzia Anwarzai aus Afghanistan die Solarautos für sich entdeckt. Der 24-Jährige lenkt die Fahrzeuge mithilfe einer Taschenlampe über eine Mondlandschaft. Ganz langsam geht es voran. Er lernt erst seit ein paar Monaten Deutsch, kann aber schon erklären, wie das funktioniert. Die Taschenlampe sei die „Sonne“ sagt er, die Solarzellen auf dem Fahrzeug bezeichnet er als „Spiegel“.

Leiter Mlynczak geht es bei dem Projekt „Physik für Flüchtlinge“ vor allem darum, jungen Menschen den Kontakt zu Phänomenen zu ermöglichen, die sie so nicht kennen. Dabei sei es nicht so wichtig, Details zu verstehen, vielmehr sollten die Geflüchteten staunen, sagt Mlynczak. Und abgesehen davon: „Wenn es leuchtet, sind die Kinder glücklich.“ Er möchte helfen, macht das Projekt aber nicht ganz uneigennützig: „Es macht mir einfach selber viel Spaß.“

Nachdem die Gruppe viel mit Pendeln und Seifenblasen, Waagen und Autos herumexperimentiert hat, gibt es noch eine große Abschlussshow. Bei dieser hat der elfjährige Ferdous seinen großen Auftritt. Er ist schon zum zweiten Mal dabei und weiß, wie vieles funktioniert. Die Vorstellung dreht sich um eine drei Meter große, rotierende Scheibe, auf der allerhand passiert. Bei allem ist Ferdous vorne mit dabei. Er rollt einen Ball über die Scheibe oder setzt sich auf die Platte und kennt immer die richtige Antwort. Als ein Wassereimer auf die Scheibe gestellt wird, sagt er „Ah, ich weiß“ und zeigt mit der Hand, was passiert. Die Wasseroberfläche wird schräg, weil die Flüssigkeit durch die Drehung nach außen gedrückt wird.

Das Projekt sucht noch Freiwillige. Informationen im Internet unter www.dpg-physik.de/pff.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen