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European Business School Auch Rentsch will Geld von EBS

Gutachter des Wirtschaftsministeriums beanstanden, wie das Automobil-Institut der Privatuni Fördersummen verwendet hat. Das Land soll zudem die Förderung der EBS beschlossen haben, ohne deren Geschäftsmodell zu prüfen.

12.09.2012 16:44
Volker Schmidt
Schickes Ambiente fürs Studium: Der Campus der EBS in Oestrich-Winkel. Foto: Michael Schick

Gutachter des Wirtschaftsministeriums beanstanden, wie das Automobil-Institut der Privatuni Fördersummen verwendet hat. Das Land soll zudem die Förderung der EBS beschlossen haben, ohne deren Geschäftsmodell zu prüfen.

Auf die European Business School (EBS) kommt wohl eine weitere Rückzahlung an das Land Hessen zu. Ein Gutachten im Auftrag des Wirtschaftsministeriums stellt nach Informationen der Frankfurter Rundschau die korrekte Verwendung von Fördergeld beim Automotive Institute for Management (AIM) infrage, dem automobilwissenschaftlichen Institut der EBS. Es geht um eine Fördersumme von insgesamt 300.000 Euro im Jahr 2010

Ein Sprecher von Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) bestätigt die Existenz des Gutachtens, will sich aber zu Inhalten noch nicht äußern, da es derzeit zur Stellungnahme bei der EBS liege. Ein Sprecher des Institutes sagte der FR, bei der Prüfung gehe es „unter anderem um die Fragen, ob Kostenpositionen angemessen waren und Verwaltungskostenpauschalen korrekt in Ansatz gebracht worden sind“. Minister Rentsch sitzt wie Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) und der CDU-Landtagsabgeordnete Walter Arnold in Gremien der EBS.

Nach FR-Informationen spielt eine Rolle, dass der Geschäftsführer des AIM nicht dort angestellt gewesen sein soll, sondern Tagessätze in Höhen abgerechnet habe, wie sie für externe Berater üblich sind. Geschäftsführer Fridtjof Langenhan hat das AIM nach Angaben des Instituts zum 15. August verlassen. Er gilt als Weggefährte des früheren EBS-Präsidenten Christopher Jahns, hatte das AIM zusammen mit ihm und dem EBS-Professor Ronald Gleich gegründet. Heute ist er Partner der Unternehmensberatung Staiger, Gleich & Partners (SGP).

EBS muss bereits knapp eine Million zurückzahlen

Die Privatuni hatte Jahns gekündigt, nachdem die Staatsanwaltschaft Wiesbaden Ermittlungen wegen Untreue gegen ihn eingeleitet hatte. Die zum Teil ihm gehörende Firma Brainnet, so die Behörde, habe in seiner Amtszeit als Präsident rund 180.000 Euro von der EBS erhalten, ohne dass angemessene Gegenleistungen erkennbar wären. Mittlerweile liegt die Anklage beim Landgericht Wiesbaden.

Das Ministerium für Wirtschaft und Verkehr fördert Gründung und Aufbau des AIM seit 2010 für vier Jahre mit 300.000 Euro im Jahr. Weil das Institut 2010 geringere Ausgaben hatte als veranschlagt, zahlte es 2011 laut Ministerium 60.700 Euro zurück. Weitere 31.300 Euro bekam die Stadt Frankfurt erstattet, die das AIM auch fördert.

Zur Höhe der fragwürdigen Posten im Geschäftsjahr 2010 und einer möglichen Rückzahlung wollten sich weder Uni noch Ministerium äußern. Laut AIM-Sprecher steht das Institut „im Dialog mit dem Ministerium, arbeitet kooperativ mit diesem zusammen, um alle Fragen zu klären“. Das könnte heißen, die Uni akzeptiert einen Teil der Beanstandungen. Die EBS musste bereits eine knappe Million Euro an das Wissenschaftsministerium zurückzahlen, weil sie das Geld nicht wie vereinbart für den Aufbau einer juristischen Fakultät verwendet hatte. Unter anderem gab die Universität große Summen für repräsentative Zwecke aus. Die gesamte Fördersumme des Landes 2009 bis 2013 betrug 24,7 Millionen Euro.

Die SPD rechnet sogar mit 100 Millionen Euro an Landesmitteln, weil sie etwa den Ausbau einer Tiefgarage oder eine Bürgschaft für den geplanten Neubau der EBS addiert. Ein noch unveröffentlichter Bericht des Landesrechnungshofes kritisiert laut Medienberichten, das Land habe die Förderung der EBS beschlossen, ohne deren Geschäftsmodell ausreichend geprüft zu haben.

Zuletzt beharkten die aktuelle EBS-Führung um Präsident Rolf Cremer und Ex-Präsident Jahns einander mit vorwurfsvollen Briefen an die Landesregierung und den Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU). Die EBS wehrte sich gegen Gerüchte, sie stehe vor der Zahlungsunfähigkeit.

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