Lade Inhalte...

Europawahl Euro-Adler mit Erfahrung

Thomas Mann tritt nach 20 Jahren im Parlament erneut an der Spitze der CDU-Liste an.

Thomas Mann geht sicher wieder nach Brüssel. Foto: Michael Schick

#bigimage[0]

Thomas Mann will es genau wissen. „Was stinkt mir an Europa?“, hat der CDU-Europaabgeordnete auf die weiße Tafel geschrieben. Den Rentnern in Kelkheim fällt dazu vieles ein: Die „Regelungswut“, die Reisekarawane der Politiker zwischen Brüssel, Straßburg und Luxemburg, die „fehlende einheitliche Stimme in der Außenpolitik“. „Prima, dass sie das sagen“, freut sich Kandidat Mann. Mehr Europa in der Außenpolitik fände er selber gut.

Unermüdlich reist der Christdemokrat aus Schwalbach durch Hessen, wirbt für das „Friedensprojekt“ Europa und die Bedeutung des Europaparlaments. Und nicht nur nebenbei für sich selbst. Haxen-Essen mit der CDU Gießen, Stammtisch bei der CDU Westend, Heringsessen mit der Frauen-Union im Kreis Kassel.

Heute will er von der Senioren-Union im Main-Taunus-Kreis wissen, was ihr „stinkt“ an Europa. Mit seinen 68 Jahren hat Mann selbst schon das Senioren-Alter erreicht, doch er wirkt frischer und munterer als alle anderen in dem nüchternen Gaststätten-Hinterzimmer.

Nach 20 Jahren im Europäischen Parlament strebt der gelernte Industriekaufmann, der zwei Jahrzehnte lang in der Werbung arbeitete, eine weitere Legislaturperiode an. Um den Sitz im Parlament muss er sich keine Gedanken machen – Mann führt die hessische Landesliste der CDU an. Auf dem ebenso sicheren Platz zwei kandidiert, wie bereits bei den vorigen Wahlen, der 54-jährige Michael Gahler aus Hattersheim.

#infobox[0]

„Was ist gut an Europa?“, steht auf der zweiten Tafel im Kelkheimer Gaststätten-Hinterzimmer. Auch hierzu hat die Rentnerrunde viel zu sagen. Die Freizügigkeit, die einheitliche Währung. „Wie ist es mit Angie?“, fragt der Kandidat in die Runde. „Ist das gut in Europa?“ Klar, antwortet das CDU-nahe Publikum. Die Kanzlerin, sie tue „etwas für alle, nicht nur für Deutschland“, sagt ein Herr. Allgemeines Nicken.

Das Konterfei von Angela Merkel hängt allerorten in diesem Europa-Wahlkampf der CDU. Dabei steht sie gar nicht zur Wahl. Auch Thomas Mann verteilt Postkarten, die ihn beim Handschlag mit der Bundeskanzlerin zeigen. „Vertrauenssache!“, steht auf der Karte. Mann will „Volksvertreter“ im wahrsten Sinn des Wortes sein. Besorgt fragt der Abgeordnete den Pressefotografen, ob er auf dem Motiv nicht rüberkomme wie ein „arroganter Pinkel“.

In der Beschäftigungspolitik sieht Thomas Mann seine größten Erfolge. Die Bodenverkehrs-Richtlinie etwa, mit der „hohe Hürden gegen Billig-Jobs und prekäre Arbeitsplätze“ am Frankfurter Flughafen errichtet worden seien, schreibt er seinem Einsatz zu.

Auch im Kampf gegen Schwarzarbeit und Sozialdumping auf Baustellen und in Schlachthöfen ist der CDU-Abgeordnete stolz auf seinen Einfluss. Als Vizepräsident des Beschäftigungsausschusses steht Mann zwar nicht in der ersten Reihe. Aber mit 20 Jahren Erfahrung im Parlament kann er damit punkten, seine „Pappenheimer“ zu kennen. Die „eigentlichen Machthaber“ seien die Beamten in den Generaldirektionen der Europäischen Union (EU) – und zu denen pflege er den Kontakt, berichtet Mann aus Brüssel.

#article[all]

Die Kelkheimer Senioren versucht er mit einem emotionaleren Argument für sich einzunehmen. „Ich bin zweiter Vorsitzender der Euro-Adler“, berichtet Thomas Mann. Das ist der Fanclub des Fußballvereins Eintracht Frankfurt im Europäischen Parlament – mit 33 Mitgliedern eine ernstzunehmende Fußball-Fraktion.

Er hätte sich gefreut, wenn die Eintracht auch im nächsten Jahr wieder europäisch mitgekickt hätte. Daraus ist sportlich nichts geworden. Thomas Mann allerdings wird für weitere fünf Jahre in der europäischen Liga spielen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen