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Eschborn/Schwalbach Keine Leihfahrräder für Pendler

Eschborn und Schwalbach wollten gemeinsam ein Farradverleihsystem aufbauen. Doch das Pilotprojekt ist endgültig gescheitert. Den beiden Kommunen droht eine Regressforderung.

Leihfahrräder wie in den Großstädten wird es in den Main-Taunus-Kommunen nicht geben. Foto: Andreas Arnold

Es hätte deutschlandweit ein Vorzeigeprojekt werden sollen: Zwei Nachbarstädte, die zusammen ein Fahrradverleihsystem aufbauen, um die umweltverträgliche Nahmobilität zu fördern und es vor allem den vielen Pendlern zu erleichtern, von der S-Bahn-Station zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. Alleine 29 000 kommen jeden Tag von auswärts nach Eschborn.

Mehr als eine Million Euro wollten Eschborn und Schwalbach insgesamt locker machen, 120 Smartbikes sollte es an insgesamt 15 Stationen in den beiden Main-Taunus-Städten geben. Auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wollte in das Projekt finanziell mit einsteigen und die Fahrradvermietstationen außerdem in seine Online-Fahrplanauskunft integrieren.

Nun ist das Projekt, das vor allem die Grünen angeschoben haben, endgültig gescheitert. Die Parlamente beider Kommunen haben das Geld dafür nicht freigegeben. Als Erste stiegen die Schwalbacher aus. Die Stadtverordneten hätten die hohen Kosten und den vergleichsweise geringen Nutzen moniert, sagte die Schwalbacher Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD) der FR. Rund eine Viertelmillion Euro sollte Schwalbach für vier Verleihstationen zahlen. Als im Herbst 2015 klar war, dass die Stadt im Zuge des kommunalen Finanzausgleichs Geld wird abgeben müssen, war das Projekt gestorben. Zeitgleich legte man das Fahrradverleihsystem auch in Eschborn auf Eis. Vor der Kommunalwahl wollte keine der Fraktionen eine endgültige Entscheidung treffen. Jetzt wurde im Parlament das endgültige Aus verkündet – mit finanziellen Folgen.

Das Unternehmen Webike, das die europaweite Ausschreibung gewonnen hatte, hat sich bereits über seinen Anwalt gemeldet und Regress gefordert. Webike war beauftragt, Räder mit speziellem Design und Smartdisplay, GPS-Empfänger und Navigationsgerät für Eschborn anzufertigen. 830 000 Euro waren dafür im Haushalt 2015 eingeplant. Mehrere Zehntausend Euro sind nun im Etat für 2017 eingestellt, damit das Pilotprojekt finanziell rückabgewickelt werden kann. An den RMV muss die Stadt außerdem die 60 000 Euro zurückzahlen, die der Verkehrsverbund in das Projekt stecken wollte.

Er halte das Fahrradverleihsystem nach wie für eine gute Sache, sagte Eschborns Erster Stadtrat Thomas Ebert (Grüne) der FR. „Eschborn hätte damit ein Vorreiter in umweltverträglicher Mobilität sein können. Wer sonst kann sich das leisten?“

SPD-Fraktionschefin Sabine Blum-Geenen hingegen fand das Verleihsystem, bei dem der Bauhof mithelfen hätte müssen, um die Fahrräder von den Firmen wieder zum Bahnhof zu befördern, von Anfang an „wenig überzeugend“, die Kalkulation, die mittelfristig sogar Einnahmen für die Stadt vorsah, „waghalsig“. Für Linken-Vertreter Fritz-Walter Hornung ist der Bus, den die Stadt für 100 000 Euro im Jahr zwischen S-Bahnhof und Gewerbegebiet Süd pendeln lässt – für die Nutzer kostenlos – eine gute Alternative zum deutlich teureren Fahrradverleihsystem.

Laut Rathaussprecher Christian Scherer kommen bereits viele Mitarbeiter der Deutschen Bahn mit dem Rad zur Arbeit. Die DB stellt die Diensträder kostenlos zur Verfügung. Gleiches hat SAP vor. Das Softwareunternehmen bezieht 2018 einen elfstöckigen Büroturm in Eschborn-Süd und will für die 600 Mitarbeiter ebenfalls Fahrräder anschaffen, wie Scherer berichtet.

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