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Erstaufnahmeeinrichtung Darmstadt Erfolgreich gegen Abschiebung gewehrt

Ein Pilot weigert sich in Frankfurt, einen homosexuellen Nigerianer aus einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Darmstadt nach Italien mitzunehmen.

Flughafen
Der Pilot weigert sich den Flüchtling mitzunehmen. Die Maschine fliegt ohne ihn ab (Symbolfoto). Foto: Boris Roessler (dpa)

Die vier Polizisten erschienen am Montag in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Starkenburg-Kaserne unangemeldet und um 5 Uhr in der Frühe. Ihr Auftrag lautete, einen Mann aus Nigeria zwecks Abschiebung nach Italien abzuholen und zum Flughafen zu bringen. Nur zwei Minuten blieben dem 23-Jährigen, um seine Sachen zu packen.

Nach Darstellung von Stefan Kräh, dem Vorsitzenden des Vereins Vielbunt, der mehr als zwei Dutzend homosexueller Flüchtlinge betreut und der das Vorgehen der Behörden kritisiert, klopften die Polizisten in der Einrichtung an die Tür des Zimmers, das der Nigerianer mit seinem Partner bewohnte, und traten ein, ohne eine Reaktion abzuwarten. Sie hätten dem Nigerianer mitgeteilt, er solle unverzüglich abgeschoben werden.

Laut Kräh hatte sich das schwule Paar vor einigen Monaten wegen der extrem homophoben Haltung der nigerianischen Gesellschaft entschlossen, sein Heimatland zu verlassen. Via Italien flüchteten die beiden Männer nach Deutschland, um hier „frei und sicher leben zu können und für ihre Liebe weder verachtet noch einsperrt oder getötet zu werden“. „Emile“, wie ihn Kräh nennt (er heißt jedoch anders), sei es nicht erlaubt worden, sich von seinem Partner zu verabschieden.

Bernd Hochstädter, Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen, bestätigte den Vorgang auf Nachfrage der FR. Dem Mann sei allerdings „angemessen Zeit“ gegeben worden, um seine Sachen zu packen. Auf einem Polizeirevier, berichtet Kräh, sei der Mann an einen Stuhl gefesselt worden. Auch habe man ihm sein Mobiltelefon abgenommen; seinen Anwalt habe er wegen der frühen Uhrzeit nicht erreicht. Dann sei er zum Flughafen gebracht worden. Als er mit Handschellen gefesselt das Flugzeug bestieg, soll er laut gerufen haben, er fliege nicht freiwillig nach Italien. Daraufhin hätten die Polizisten damit gedroht, ihn ins Gefängnis zu stecken, berichtet Kräh.

Pilot weigert sich

Nach Darstellung des Darmstädter Flüchtlingshelfers hat sich schließlich der Pilot des Flugzeugs geweigert den Mann mitzunehmen. Er soll sogar angeboten haben, dem jungen Afrikaner ein Ticket nach Darmstadt zu bezahlen.

Nach Auskunft von Polizeisprecher Hochstädter wurde der Mann daraufhin von den Beamten nach Darmstadt zurückgefahren. Er sei damit einverstanden gewesen, am Hauptbahnhof abgesetzt zu werden, der anderthalb Kilometer von der Erstaufnahmeeinrichtung entfernt ist. Hochstädter bestätigte auch die Angaben Krähs, dass die Beamten dem Mann seine noch gültigen Aufenthaltspapiere abgenommen und ihm nicht wieder ausgehändigt hätten. Dies, so der Polizeisprecher, sei auf Anweisung der zuständigen Ausländerbehörde beim Regierungspräsidium Gießen erfolgt.

Thorsten Haas, der stellvertretende Sprecher des Regierungspräsidiums Gießen, sagte im Gespräch mit der FR, ihm sei die Darstellung des Falls durch den Verein Vielbunt bekannt. Der Behördensprecher kündigte für nächste Woche eine Stellungnahme an.

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