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Ernst Ritter von Marx Legendärer Landrat

Ernst Ritter von Marx war eine der prägenden Gestalten für die Entwicklung der Taunusregion. Nun sind bislang unbekannte Dokumente aus seinem Nachlass aufgetaucht.

Ernst Ritter von Marx und Wilhelm II. Foto: Hochtaunuskreis

Dass der Hochtaunus heute einer der wohlhabendsten Landkreise der Republik ist, hat er nicht zuletzt Ernst Ritter von Marx zu verdanken. Mit der voluminösen Werbeschrift „Auf in den Taunus“ gelang es dem damaligen Landrat des Obertaunuskreises, Anfang des 20. Jahrhunderts reiche Frankfurter Bürger anzulocken, die sich in Bad Homburg, Kronberg oder Königstein ihre Villen errichten ließen.

„Es war eine prägende Gestalt für den Kreis“, lobt der heutige Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs (CDU) seinen Amtsvorgänger. Und auch Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) schreibt ihm eine „überragende Bedeutung“ für die Entwicklung der Kurstadt zu. Ernst Ritter von Marx war zunächst zum Bürgermeister von Bad Homburg gewählt worden, bevor Kaiser Wilhelm II. dafür sorgte, dass er Landrat des Obertaunuskreises wurde.

Allerdings seien nur wenige Dokumente aus der damaligen Zeit erhalten, bedauert Krebs. Um so wichtiger ist es, dass nun die beiden Urenkelinnen des legendären Landrats, Constanze Ritter von Marx-Vitali und Alexis Reichel von Marx, dem Kreisarchiv zwei voluminöse Lederbände aus seinem Nachlass zur Verfügung gestellt haben.

Darin befinden sich Briefe, Fotografien, aber auch mehrere Denkschriften zu den wichtigsten Projekten, die Ernst Ritter von Marx angestoßen hatte – darunter der Neubau des Homburger Krankenhauses, die Gründung der Kreissparkasse oder die Brücke über die Homburger Altstadt, die als erster sogenannter Fly-over Deutschlands gilt und seit 1955 seinen Namen trägt. Dem Vernehmen nach hat er für den Bau der Brücke sogar Geld aus seiner Privatschatulle beigesteuert.

Die beiden Folianten gelangten als Erbstücke an die beiden Urenkelinnen. Zunächst hätten sie nicht viel damit anfangen können. „Wir wissen ziemlich wenig über unseren Urgroßvater“, sagt Alexis Reichel von Marx. Durch einen Zufall wurde jedoch der Bad Homburger Dieter Dressel auf die historischen Dokumente aufmerksam.

Dabei half die Motorsportbegeisterung, die Dressel, den Gründer des Automobilmuseums Central Garage, und Ernst Ritter von Marx verbindet. Letzterer holte nicht nur 1904 das internationale Gordon-Bennett-Rennen in den Taunus, sondern nahm auch selbst an ähnlichen Wettfahrten teil. Entsprechende Fotos finden sich in den nun aufgetauchten Akten. Die beiden Bände seien „ein sehr interessantes Zeitdokument“, sagt Dressel, der wiederum den Kontakt zum Kreisarchiv hergestellt hat.

Aus Sicht des Historikers seien vor allem die Denkschriften wertvoll, weil sie bislang unbekannte Informationen über viele der damaligen Projekte lieferten, erklärt Peter Maresch. Auch über misslungene: So hatte Ernst Ritter von Marx etwa die Idee, auf dem Feldberg ein Festspielhaus zu errichten. Und auch aus seinem Plan einer Eisenbahnlinie von Bad Homburg bis Wiesbaden ist bis heute nichts geworden – immerhin gibt es seit kurzem eine Regionalbusverbindung.

Sämtliche Dokumente hat das Kreisarchiv inzwischen digitalisiert. Interessenten können sie ab sofort im Kreis- und im Bad Homburger Stadtarchiv einsehen. Die Originale bleiben jedoch im Familieneigentum.

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