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Entspannt nach Vietnam Nach sechs Jahren verlässt Wolf Rieck die FH

Der Präsident wird nach Ho-Chi-Minh-Stadt reisen und dort die vietnamesisch-deutsche Universität aufbauen.

Seine Entlassungsurkunde hat er bereits bekommen, unterschrieben von Wissenschaftsministerin Silke Lautenschläger (CDU). Der formelle Teil ist somit erledigt. Nun sind es noch vier Tage, dann wird Wolf Rieck als Präsident der Frankfurter Fachhochschule ausscheiden. Wenig später will er sich in ein Flugzeug setzen, nach Ho-Chi-Minh-Stadt reisen und dort die vietnamesisch-deutsche Universität aufbauen. Das Kapitel Frankfurt wird dann beendet sein. Es war ein gutes, ein schönes Kapitel in seinem Leben, sagt der 65-Jährige voller Überzeugung.

Wolf Rieck wirkt entspannt. Gelassen blickt er auf seine knapp sechs Jahre an der Hochschule im Nordend zurück. Klar sei er froh, dass die Doppelbelastung nun vorbei ist, sagt Rieck. Schließlich ist er seit März Gründungspräsident der Universität in Vietnam, musste also zwei Hochschulen gleichzeitig leiten. Aber vor allem ist es die Gewissheit, an der FH etwas bewegt zu haben, die Rieck in diesen Tagen häufig lächeln lässt.

Etwa die Umstellung auf Bachelor und Master. Unter Rieck übernahm die Fachhochschule die Vorreiterrolle bei der Einführung der neuen Studienabschlüsse. Als erste Hochschule in Hessen hat die Frankfurter FH das Diplom offiziell beerdigt. "Wir haben die neuen Herausforderungen angenommen", erklärt Rieck.

"Aber" - das Wort sagt der Präsident häufig, denn so schnell ist Wolf Rieck mit dem Erreichten nicht zufrieden - "aber man hätte rückblickend auch etwas anders machen können." Ob es eine gute Idee war, den Bachelor auf sechs statt auf sieben Semester festzulegen, was unter bestimmten Voraussetzungen möglich gewesen wäre, bezweifelt Rieck heute. Die Fachhochschule gab durch diese Regel ein Praxissemester auf. Ein Semester, dem viele nachtrauern.

Unstrittig ist hingegen, dass sich die Finanzierung der Fachbereiche bewährt hat, die Rieck einführte, kurz nachdem er das Amt von Rolf Kessler übernommen hatte. Jeder der vier Bereiche der FH bekommt jetzt sein eigenes Budget und muss dem Präsidenten gegenüber keine Rechenschaft über Personalkosten ablegen.

Natürlich habe er dadurch an Macht und Einfluss verloren, sagt Rieck. Doch damit kann er umgehen. "Es wäre doch Unsinn, wenn ich über Geld für Wissenschaften entscheiden müsste, von denen ich nichts verstehe."

Viel Ahnung hat Rieck von Wirtschaft. Das Fach hat der gebürtige Thüringer gelernt, als Personalstratege arbeitete er einst beim Flughafenbetreiber Fraport, bevor er an die FH in Schmalkalden wechselte und von dort nach Frankfurt ging. Mitunter wirkte es so, als wolle Rieck die Fachhochschule führen, wie ein Manager ein Unternehmen leitet. Doch das weist er von sich. Nein, Hochschulen blieben immer Hochschulen, man könne sie nicht mit x-beliebige Firmen vergleichen. "Wir verkaufen ja ein ganz anderes Produkt, als es Unternehmen tun, das würde nicht funktionieren."

Was wohl die Studenten der Fachhochschule davon halten, dass Wolf Rieck geht? Zumindest manche, die in den vergangenen Jahren im Asta aktiv waren, dürften nicht allzu unglücklich darüber sein, denn im roten Haus, in dem die Studentenvertretung ihren Sitz hat, war Rieck zuletzt kein gern gesehener Gast mehr.

Zu heftig waren die Auseinandersetzungen zwischen den Studenten und dem Präsidenten während des Streits um die Studiengebühren, zu viel Porzellan wurde in dieser Zeit zerschlagen. Sogar ein Gerichtsverfahren strengten die Studierenden gegen die Hochschulleitung an, um die Herausgabe von Adressenlisten zu erzwingen. Per Post wollten sie im Sommer vergangenen Jahres bei ihren Kommilitonen für einen Gebührenboykott werben. Doch die Sache ging schief, Rieck musste die Adressen niemals weitergeben.

Der Mann, dessen Art so unaufgeregt ist, dass man ihm eigentlich keinen echten Streit mit Studenten zutraut, fühlt sich missverstanden. Von Anfang an sei er als gnadenloser Befürworter von Studiengebühren dargestellt worden. Dabei habe er doch nur gesagt, dass Gebühren denkbar sein müssten, wenn es ein vernünftiges Finanzierungs- und Stipendiensystem gebe. Diese Bedingung sei in den zwei Semestern, in denen die hessischen Studenten Campus-Maut bezahlen mussten, nie erfüllt gewesen. Er selbst habe sich immer für zinslose Darlehen eingesetzt. Doch das hätten seine Gegner gar nicht zur Kenntnis genommen.

Nun also Vietnam. Mit 65 Jahren, "wenn andere in Pension gehen", wie Rieck nicht ohne Stolz sagt, nimmt er sich Großes vor. Am 10. September wird die Universität im einstigen Saigon offiziell eröffnet.

Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wird nach Südostasien fliegen, denn das Land Hessen investiert nicht eben wenig in das vietnamesisch-deutsche Gemeinschaftsprojekt. Vermutlich wird auch der vietnamesische Premierminister Nguyen Tan Dung zur Feier kommen.

Danach aber wird für Rieck die Arbeit erst richtig losgehen. Zunächst ist seine neue Hochschule in einem Gebäude der Nationaluniversität untergebracht. Möglichst schnell gilt es, einen eigenen Campus zu bauen. Auch darüber wird Rieck mit Unternehmen und Politikern in Deutschland und Vietnam in nächster Zeit verhandeln.

Auf Wolf Riecks Schreibtisch liegt ein merkwürdiger Gegenstand, den er als Briefbeschwerer benutzt. Er sieht aus wie ein zu groß geratenes Jo-Jo und hat eine vietnamesische Aufschrift: "Cap Dien Luc" - frei übersetzt "Achtung, elektrische Leitungen". Rieck hat das Teil vor ein paar Monaten in Vietnam am Straßenrand gefunden. Er wird es mit in sein neues Büro nehmen.

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