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Engelbert-Humperdinck-Schule Der erste Schultag

Für Lehrerin Christina Zerbe beginnt ebenso wie für ihre 21 Erstklässler das Schulleben. Von Boris Schlepper

Gerade noch hat sie den Raum gestrichen. Jetzt wartet Christina Zerbe auf ihre erste Klasse an der Engelbert- Humperdinck-Schule. Foto: FR/Kraus

Der grüne Luftballon ist das Erkennungszeichen der 1c. Wenn die Erstklässler am Dienstag der Eröffnungsrede in der Turnhalle der Engelbert-Humperdinck-Schule lauschen, werden sicherlich 21 Augenpaare nach dem Gras farbenen Ballon Ausschau halten und darauf fiebern, endlich in ihr Klassenzimmer gehen zu dürfen. Ob die Kinder aufgeregter sind oder ihre neue Klassenlehrerin ist fraglich. Auch für Christina Zerbe ist es der erste Schultag.

Zwar ist die Engelbert-Humperdinck-Schule für die 29 Jahre alte Lehrerin vertrautes Pflaster. Dort hat sie bereits ihr Referendariat absolviert. Allerdings hat sie nur dritte und vierte Klassen unterrichtet. "Eine erste Klasse hatte ich bislang nicht. Das ist alles ziemlich neu für mich." Zudem sei es etwas ganz anderes, eine eigene Klasse zu haben: "Im Referendariat konnte man die Verantwortung abgeben. Jetzt bin ich selbst verantwortlich." Ihre größte Sorge sei, "hoffentlich lernen die Kinder bei mir genug".

Während ihrer Ausbildung habe sie sich oft gewünscht, dass es bald vorbei ist. "Jetzt kann ich es kaum erwarten, dass es endlich losgeht", sagt Zerbe, die Sachkunde, Deutsch, Mathematik, Religion und Sport unterrichtet. "Ich bin sehr motiviert und stecke voller Ideen, die ich unterbringen möchte." Froh sei sie jedoch, dass ihr zwei erfahrene Kolleginnen zur Seite stehen, die die anderen beiden ersten Klassen übernehmen werden.

Erst jetzt merke sie, welchen organisatorischen Aufwand sie als Lehrerin zu bewältigen und zu berücksichtigen habe. So müsse sie sich Gedanken machen, wie die Tische und Stühle stehen, wo überall Namensschildchen der Mädchen und Jungen drauf müssen und wie der Klassenraum aussehen soll. "Das nimmt alles mehr Zeit in Anspruch, als ich dachte", sagt Zerbe, die vor sechs Jahren nach Frankfurt gezogen ist.

Erst am vergangenen Mittwoch hat die 29-Jährige ihre Urkunde erhalten, dass sie am Montag anfangen darf. Einige Tage vorher hatte sie bereits den ehemaligen Klassenraum der Rektorin übernommen. Eine Woche lang war sie mit Streichen und Möbelrücken zugange. An eine Wäscheleine unter der Zimmerdecke sollen künftig Buchstaben und Zahlen aufgehängt werden. Hellgelb leuchtet das Klassenzimmer jetzt freundlich. Bis zum letzten Tag sei es stressig gewesen. Dennoch habe ihr die Vorbereitung viel Spaß bereitet, "auch wenn ich denke, hoffentlich schaffe ich das alles".

Nervös sei sie nicht, sagt Zerbe. Schließlich sind es noch ein paar Tage, bis es losgeht. Zuerst wird sie die Mütter und Väter der 21 Kinder kennenlernen. Am kommenden Montag steht der erste Elternabend an, an dem Organisatorisches und Inhaltliches besprochen wird. "Und ich möchte den Eltern die Angst vor dem ersten Tag nehmen - und mir mit."

Um zu den Kindern eine erste Beziehung herzustellen, hat Christina Zerbe ihre Schüler bereits in den Ferien angeschrieben. Darin bat sie die Kinder, ein Foto von sich zu schicken, "damit ich die Namen schon mal lernen kann". Zudem forderte sie die Jungen und Mädchen auf, ihr ein Bild zu malen. Die Werke werden an der Wand aufgehängt, "dann sehen die Kinder schon am ersten Schultag, dass sie selbst etwas zum Klassenzimmer beigetragen haben". Etwa die Hälfte der Kinder habe ihr geantwortet und geschrieben, dass sie sich freuten.

Auch Zerbe freut sich auf die erste Stunde. "Ich bin gespannt, wen ich alles erwischt habe." Den Ablauf hat sie bereits genau durchgeplant: Nachdem sie ihre 21 Schüler von der Turnhalle in ihr Klassenzimmer geführt hat, wird "Hurra, ich bin ein Schulkind" gesungen. Dann sollen sich alle vorstellen und ihre Sitzplätze suchen. "Das geht schnell vorbei."

Bereits am zweiten Schultag soll nach Stundenplan unterrichtet werden, sagt Zerbe. Deutsch steht auf dem Stundenplan. "Ich möchte den Kindern gleich das Gefühl geben, dass sie etwas gelernt haben - vielleicht wird es auch Hausaufgaben geben."

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