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Einlasskontrolle Gesichtserkennung in Spielhallen

Spielhallenbetreiber sind unter Druck. Das neue Gesetz zwingt sie, viele Glücksspielorte zu schließen. Jetzt präsentieren sie Gegenmaßnahmen.

Spielhalle
Die Betreiber beklagen, dass sich durch das Spielhallengesetz mehr illegale Angebote ausbreiten. Foto: dpa

Ein Mann nähert sich der biometrischen Einlasskontrolle. Als er vor der Sperre steht, scannt eine Kamera sein Gesicht, ein Computer gleicht es mit der Datenbank ab. Die Ampel am Eingang leuchtet rot – der Mann darf nicht herein, er ist für das Betreten einer Spielhalle gesperrt.

Das hessische Spielhallengesetz zwingt die Betreiber der Glücksspielorte zum Handeln. Deshalb soll auf eine Qualitätsinitiative gesetzt werden. „Die Bemühungen der Regierung gehen aktuell in eine völlig falsche Richtung“, sagt Georg Stecker, Vorstandssprecher des Dachverbands Die Deutsche Automatenwirtschaft (DAW). Statt mit dem Gesetz für geordnete Bahnen im Glücksspielsegment zu sorgen, würden die Maßnahmen illegale Angebote stärken. Das geht auch aus einem Evaluierungsbericht des Hessischen Innenministeriums hervor.

Michael Wollenhaupt, Vorsitzender des hessischen Münzautomaten-Verbandes (HMV), moniert: „Durch den 300-Meter-Mindestabstand zwischen zwei Spielhallen wird rein nach Quantität bewertet, es trägt aber nichts zur Verbesserung der Qualität bei.“

System funktioniert nur auf freiwilliger Basis

Betriebe, die vorbildlichen Verbraucher-, Spieler- und Jugendschutz realisieren, müssten schließen, weil das Gesetz nur auf den Abstand zwischen den Hallen achte. Um der Politik Alternativen zu bieten und sie zum Umdenken zu bewegen, sollen die erwähnten biometrischen Einlasskontrollen etabliert werden. In Baden-Württemberg sei das System bereits in einigen Hallen implementiert. 200 Spieler sind vom Einlass ausgeschlossen.

Allerdings funktioniere das System nur auf freiwilliger Basis – wer nicht mehr in die Spielhalle eingelassen werden möchte, muss sich selber melden. Vorteilhaft sei, dass die Bilddaten von reingelassenen Personen nur 30 Sekunden gespeichert, dann gelöscht werden. Bis zu 20.000 Euro kostet die Anschaffung des Geräts. Ob das System in Hessen Fuß fassen kann, bleibt abzuwarten. Aktuell hat das Bundesland dank seiner Oasis-Datenbank die Vorreiterrolle im Spielerschutz inne. 15.000 Personen sind darin erfasst und haben keinen Zutritt zu den Spielhallen. Eine Möglichkeit, diese Spieler auch auf das biometrische System zu übertragen, gibt es noch nicht; es fehlen die Fotos der Betroffenen.

Wie viele Standorte bleiben in Frankfurt?

Als weiteres Qualitätsmerkmal setzen die Betreiber auf freiwillige TÜV-Zertifizierungen. Dabei werde unabhängig geprüft, ob die Hallen die gesetzlichen Vorschriften erfüllen. Durch geheime Kontrollen werde gesichert, dass diese Standards auch dauerhaft eingehalten werden. 80 Prozent der hessischen Spielhallen, so Wollenhaupt, werden demnächst ein solches Zertifikat haben. „Das könnte ein Maßstab für eine gesetzliche Vorgabe sein“, sagt der HMV-Vorsitzende.

In einigen Städten wie Frankfurt und Kassel steht die Entscheidung, welche Spielhallen laut Gesetz schließen müssen, noch aus. Simone Storch, Geschäftsführerin vom Bundesverband Automatenunternehmer. glaubt, dass in Frankfurt nur sechs von 83 Standorten bleiben werden. „In anderen Städten sind Wettbüros und Café-Casinos in die ehemaligen Spielhallen gezogen“, sagt sie. Diese würden keinerlei Jugend- und Spielerschutz beachten.

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