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Egelsbach Mehr als nur ein Flugplatz

Egelsbach ist historisch eine SPD-Hochburg. Vier Bewerber wollen nun den Rathaus-Chefsessel in einem Ort, der nicht auf den Flugplatz reduziert werden sollte.

Egelsbach
8800 Wahlberechtigte sind am Sonntag in der beschaulichen Kommune zur Wahl des Gemeindeoberhauptes aufgerufen. Foto: Monika Müller

Egelsbach ist vielen geläufig. Nicht, weil es dort besonders viel zu sehen gäbe, sondern wegen des Flugplatzes für Kleinflugzeuge und Hubschrauber. Der Promi-Flughafen kam 2010 und 2012 durch Abstürze von Kleinflugzeugen in die Schlagzeilen. Aber auch schon vorher war die Übernahme durch den legendären US-Milliardär Warren Buffett ein großes Thema. Aktuell soll der Investor mit seiner Firma Netjets überlegen, seine vor neun Jahren erworbenen Flugplatzanteile wieder zu verkaufen. Die Einheimischen bewegt derzeit aber eher die Bürgermeisterwahl, die am kommenden Sonntag ansteht. Vier Kandidaten buhlen um die Gunst der Wähler.

Egelsbach nur auf den Flughafen zu reduzieren, würde der Kommune, die hart an der Grenze zum Nachbarlandkreis Darmstadt-Dieburg liegt, nicht gerecht werden. Die 11 700-Einwohner-Gemeinde, die in den vergangenen zehn Jahren um 3000 Neubürger gewachsen ist, hat als die einzige Kommune im Kreis Offenbach keine Wartelisten in der Kinderbetreuung – weder im U3- noch im Ü3-Bereich.

„Die Gemeindevertretung hat schon 2011 den Beschluss gefasst, die Kitas auszubauen“, erklärt Bürgermeister Jürgen Sieling (SPD). Das Defizit von jährlich vier Millionen Euro bei einem kommunalen Gesamtetat von 30 Millionen rühre denn auch ausschließlich aus dem Kita-Bereich her, sagt er. An Kita-Gebühren nimmt die Gemeinde nur eine Million Euro ein. Die Kitas werden deshalb durch Einnahmen aus der Gewerbe- und der Einkommenssteuer subventioniert.

Der Ort liegt äußerst verkehrsgünstig. Wenige Minuten sind es sowohl zur A661 als auch zur A5. Und auch das schnelle und problemlose Einkaufen in einem riesigen Gewerbegebiet am Autobahnende spricht für die Gemeinde. Im Kaufkraftindex liegt Egelsbach weit über dem Durchschnitt. Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main hat deshalb versucht, den dortigen Einzelhandel zu nivellieren. Ergebnis: Dem Toom-Baumarkt wurde eine geplante Erweiterung versagt, er wanderte nach Langen ab. 4000 Quadratmeter stehen nun seit fünf Jahren leer, dazu kommen noch 3500 Quadratmeter in dem Gebäude, in dem Takko früher Mode verkaufte. „Der Einzelhandel verfällt uns nach und nach“, sagt Sieling. Der künftige Bürgermeister müsse sich Gedanken machen, ob nicht produzierendes Gewerbe die Brachflächen füllen könne.

4000 Arbeitsplätze bietet der Ort, der 2012 unter den kommunalen Schutzschirm des Landes Hessen schlüpfen musste. Größter Arbeitgeber: das Maschinenbau-Unternehmen SMC, das seine Deutschlandzentrale in Egelsbach hat und nun auch die Europazentrale dort bauen will. Ein wichtiger Arbeitgeber ist auch Delta Pronatura, Hersteller der „Fleckenteufel“ von Dr. Beckmann, der gerade ein neues Hochregallager entstehen lässt. Kaum bekannt: die Bekleidungshauskette Peek & Cloppenburg hat das Zentrallager für Rhein-Main dort angesiedelt, beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter.

Egelsbach ist historisch eine SPD-Hochburg. Bis in die 70er Jahre gab es immer rote Mehrheiten. In der Gemeindevertretung ist die SPD mit acht Sitzen stärkste Fraktion. Auch die Grünen sind hier immer sehr stark – die Debatte über Fluglärm vom nahegelegenen Regionalflughafen hat sie groß gemacht. Grüne, CDU und Wahlgemeinschaft Egelsbach haben im Parlament je sechs Sitze, die FDP vier und die Linke einen Sitz. Der Bürgermeister muss mit wechselnden Mehrheiten arbeiten, um Beschlüsse durchzusetzen.

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