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EBS Wiesbaden Jahns soll manipuliert haben

Ein ehemaliger Kollege von Christopher Jahns, dem früheren Präsident der European Business School (EBS), berichtet im Untersuchungsausschuss von dem Versuch, Bundesmittel abzuzweigen. Dabei sollte es um zweistellige Millionenbeträge gehen.

Der Angeklagte Christopher Jahns (links) mit seinem Anwalt Alfred Dierlamm. Foto: dpa

Ein ehemaliger Kollege von Christopher Jahns, dem früheren Präsident der European Business School (EBS), berichtet im Untersuchungsausschuss von dem Versuch, Bundesmittel abzuzweigen. Dabei sollte es um zweistellige Millionenbeträge gehen.

Der frühere Präsident der European Business School (EBS), Christopher Jahns, ist am Mittwoch vor dem Wiesbadener Landgericht schwer belastet worden. Der ehemalige EBS-Professor Richard Pibernik sagte, Jahns habe im Jahr 2010 versucht, einen Bundeswettbewerb zu seinen Gunsten zu manipulieren und auf diese Weise Millionenbeträge aus Bundesmitteln für private Firmen abzuzweigen.

Daraus sei jedoch nichts mehr geworden, weil Anfang 2011 Untreue-Vorwürfe gegen Jahns laut wurden und er im April von der EBS entlassen wurde. „Herr Jahns war nicht mehr da, um das umzusetzen“, sagte Pibernik.

In einer Mail vom November 2010, die das Gericht verlas, jubelte Jahns, ein Staatssekretär der damaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) habe eine „Lex EBS wie in Hessen“ zugesagt, also eine Regelung, die auf die Privathochschule zugeschnitten gewesen wäre.

"An Privatfirmen geflossen"

Der Zeuge sagte, Jahns habe sich in Gesprächen mit Schavans Ministerium und der Fraunhofer-Gesellschaft darum bemüht, dass ein seinerzeit geplanter Förderwettbewerb zur Weiterbildung von Ingenieuren von vornherein so ausgestaltet werde, dass er zugunsten der EBS ausgehen müsse. Dadurch wären 20 Millionen Euro geflossen.

Jahns habe berichtet, der Antrag werde sogar von einer Mitarbeiterin des Ministeriums vorbereitet, sagte Pibernik. In seiner Mail vom November 2010 schrieb Jahns, der Antrag werde „gestaltet“, was er in Anführungszeichen setzte. Der Zeuge sagte, nach seiner Einschätzung wäre von der Millionensumme nur „ein marginaler Betrag“ an der Hochschule verblieben. „Das Geld wäre rausgeflossen an Privatfirmen“, fügte er hinzu.

Das Bundesbildungsministerium teilte der Frankfurter Rundschau auf Anfrage am Mittwoch mit, die EBS und die Fraunhofer-Gesellschaft hätten dem Ministerium Ende 2010 Pläne zur Gründung einer „EBS Fraunhofer Technology School“ vorgestellt. Daraufhin sei die EBS auf den von Bund und Ländern ausgeschriebenen Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschule“ verwiesen worden. Man habe außerdem deutlich gemacht, dass die Bewertung eingereichter Anträge einer unabhängigen Jury obliege. „Bei diesem Wettbewerb hat sich EBS allerdings nicht beworben und wurde folglich auch nicht gefördert“, hieß es weiter aus dem Ministerium.

Das Bildungsministerium wies den Vorwurf zurück, dass es aus dem Haus eine Zusage gegeben habe, den Wettbewerb im Sinne der EBS zu gestalten oder eine „Lex EBS“ zu befördern.

Höhere Summen transferiert

Jahns steht in Wiesbaden vor Gericht, weil er als Präsident der EBS 180.000 Euro an seine damalige Schweizer Beratungsfirma Brainnet überwiesen haben soll. Dem standen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft keine angemessenen Leistungen von Brainnet gegenüber. Jahns hat erläutert, dass die Gegenleistungen nach seiner Auffassung wesentlich mehr wert gewesen seien.

Nach Piberniks Darstellung sollten neben den 180.000 Euro noch weit höhere Summen von der EBS an Jahns-Firmen transferiert werden. So sei 2010 von Jahns gefordert worden, insgesamt 500.000 Euro an seine Firmen zu überweisen. Eine erste Tranche von 124.811 Euro war nach einer Aufstellung, die das Gericht zeigte, für 2011 eingeplant. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar gewesen, dass es dabei wirklich um die Rückzahlung von Kosten gegangen sei, die die Firmen in den Aufbau des Logistik-Instituts an der EBS gesteckt hätten, kommentierte Pibernik, der heute in Würzburg lehrt.

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