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EBS Untreue-Prozess Hauptzeuge belastet Jahns

Christopher Jahns, früher Präsident der Elitehochschule EBS, steht wegen Untreue vor Gericht. Der Hauptzeuge der Anklage, Prof. Richard Pibernik, belastet ihn - und offenbart sich in einer Doppelrolle.

21.08.2013 17:38
Die European Business School (EBS) im Schloss Reichartshausen. Foto: dpa

Im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten der European Business School (EBS), Christopher Jahns, hat am Mittwoch einer der Hauptbelastungszeugen ausgesagt. Jahns ist angeklagt, aus Geldern der Privatuni 180.000 Euro an die Schweizer Beratungsfirma BrainNet geschleust zu haben. Dort war er Teilhaber. Vor dem Landgericht Wiesbaden gestand der Zeuge Prof. Richard Pibernik ein, er habe als erster Material zum Geschäftsgebaren von Jahns an die Medien durchgestochen und anonym Anzeige erstattet. Jahns streitet die Veruntreuung ab. Seiner Darstellung nach half die internationale Beratungsfirma der EBS als Türöffner, um an Firmen und Forschungsaufträge heranzukommen. Hinter den BrainNet-Rechnungen an die EBS hätten jeweils konkrete Beratungsleistungen gestanden.

"System ohne Kontrolle"

Pibernik beschrieb die EBS unter der Führung von Jahns als "geschlossenes System ohne Kontroll". Jahns habe die Hochschule kaufmännisch und wissenschaftlich geführt und überall in der Leitung seine Vertrauten installiert. Die Forschung sei nicht unabhängig gewesen. "Aus wissenschaftlicher Sicht ist das nicht lauter." Zugleich habe Jahns unter Druck gestanden, Geschäft für BrainNet zu akquirieren.

Jahns sieht sich als Opfer einer Intrige von Pibernik und anderen EBS-Mitarbeitern. Nach ersten Medienberichten im Januar 2011 ermittelte die Staatsanwaltschaft, in der Hochschule tobten Grabenkämpfe. Schließlich wurde Jahns zeitweise verhaftet. Darauf entließ ihn die EBS. In einem Zivilprozess in Wiesbaden sagten ehemalige Aufsichtsräte der EBS aus, die negativen Schlagzeilen seien Anlass der fristlosen Kündigung gewesen - nicht die vorgeschobene Privatnutzung des Dienstwagens. Jahns hat die Staatsanwaltschaft Wiesbaden wegen angeblicher Vorverurteilungen auf 155.000 Schadenersatz verklagt.

Untersuchungsausschuss wegen Landesmittel

Warum er nicht zuerst den Aufsichtsrat vom Verdacht gegen Jahns unterrichtet habe, wollte Verteidiger Alfred Dierlamm von Pibernik wissen. "Es war vollkommen unmöglich", sagte der Zeuge, mittlerweile Professor an der Uni Würzburg. "Es war kein Weg da." Jahns habe zuvor andere Kritiker von der EBS verdrängt. Die EBS hat für den Aufbau einer Rechtsfakultät 24 Millionen Euro vom Land Hessen bekommen. In Sicht des Landesrechnungshofes gab es dafür keine Grundlage. Ein Untersuchungsausschuss im Landtag soll klären, wer in der CDU/FDP-Landesregierung seine Hand über die EBS gehalten hat. Allerdings tritt der Ausschuss in Verfahrensfragen auf der Stelle und hat noch keine Zeugen gehört. (dpa)

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